Neues Glücksspielgesetz: Drohen Massenschließungen für Irlands Bingo-Hallen?

Veröffentlicht am: 3. Dezember 2019, 01:39 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. Dezember 2019, 11:54 Uhr.

Irlands Bingo-Anbieter befürchten, dass ein neues Glücksspielgesetz zur Massenschließung von Bingo-Hallen führen könnte. Wie The Irish Times am Montag berichtete, plane die irische Regierung am Mittwoch über eine Änderung des Glücksspielrechts abzustimmen, welche eine deutliche Reduzierung der Geldpreise bei Bingo-Veranstaltungen vorsehe.

Eine jubelnde Frau vor Bingokarten
Das Bingo-Spiel ist in Irland populär, wird jedoch von einer Gesetzesänderung bedroht. (Quelle: Pixabay)

Derzeit dürfen Bingo-Betreiber auf der grünen Insel zwischen 75 % und 85 % der durch Bingo-Tickets erzielten Einnahmen in Form von Geldpreisen an Spieler auszahlen. Geht es nach den Befürwortern der Gesetzesnovelle, sollen die Gewinnausschüttungen in Zukunft jedoch nicht mehr als 50 % betragen. Die übrigen 50 % der Umsätze sollen an wohltätige Vereine und die Bingo-Hallen fließen, deren Ausgaben damit gedeckt werden sollen.

Bingo-Veranstalter und die irische Bingo Players Association rechnen damit, dass die niedrigeren Preispools ein Ausbleiben der Kundschaft und einen Beliebtheitsrückgang des Spiels zur Folge haben werden. Bingo zählt in Irland noch immer zu den populärsten Glücksspielformen.

Die Ursprünge der Popularität von Bingo in Irland

Während die Ursprünge des Bingo-Spiels in Mitteleuropa bis in das 16. Jahrhundert nachverfolgbar sind, weitete sich die Popularität des Zahlenspiels in Irland vor allem durch die katholische Kirche aus. Wie die Zeitung The Irish Post berichtet (Link auf Englisch), sei es in den 1960ern in Irland durch das Kirchen-Bingo zu einer wahren „Explosion“ des Spiels gekommen.

Großer Beliebtheit habe sich das Bingo vor allem wegen seiner geselligen Spielweise und des inklusiven Charakters erfreut. Heute werde das Spiel in der Republik Irland häufiger als in Großbritannien gespielt und gelte als „hip“. Selbst bei LGBT-Events im Lande gibt es immer mehr farbenfrohe Bingo-Veranstaltungen.

Irlands Bingo-Spieler besuchen aber nicht nur Clubs und Bingo-Hallen, sondern spielen das Spiel auch im Internet. In Irland sind zahlreiche legale Online-Bingo-Anbieter aktiv. In seiner landbasierten Form wird das Spiel von Bezirksgerichten oder der Polizei überwacht.

Bingo-Spieler protestieren gegen neues Glücksspielgesetz

Bereits vor der morgigen Abstimmung im Parlament haben Aktivisten der Gruppe „Save Our Bingo“ Proteste gegen das neue Glücksspielgesetz angekündigt.

Für heute ist eine Demonstration vor der „Dáil“, dem irischen Unterhaus, geplant. Dabei wollen die Gesetzesgegner ihren Unmut über die vorgesehenen „Bingo-Reformen“ kundtun.

Irlands Bingo-Spieler seien „außer sich“, so Kampagnen-Sprecherin Alice Smith am Montag:

“Wir haben nur 48 Stunden Zeit, bevor Leo Varadkar und seine realitätsfremde Regierung diese Gesetzgebung einführen und jede Bingo-Halle in Irland schließen. Es gibt Hunderttausende von Menschen in Irland, die jede Woche Bingo spielen, und wir verstehen nicht, wie Leo es ihnen einfach wegnehmen kann (…). Für viele Leute, die spielen, ist dies ihre einzige soziale Aktivität. Ohne sie würden sie einfach allein Zuhause sitzen. Dies wird erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Menschen haben. Jeder sollte sich mit seinen Abgeordneten in Verbindung setzen und zu unserem Protest kommen, um dies zu stoppen und das Bingo-Spiel zu retten.“

Um auf ihr Protestbegehren aufmerksam zu machen, hat „Save Our Bingo“ eine eigene Facebookseite erstellt und eine Online-Petition gestartet. Mehr als 890 Unterstützer haben bereits den Protestappel gegen die Gesetzesänderung unterzeichnet (Stand 03.12.2019).

Welche Änderungen sieht das neue Glücksspielgesetz noch vor?

Neben den veränderten Regelungen für das Bingo-Spiel sieht die Neugestaltung des Glücksspielrechts weitreichende Änderungen für elektronische Spielautomaten vor.

So ist geplant, den Maximaleinsatz an den Geräten zukünftig auf bis zu 5 Euro pro Spielrunde zu erhöhen. Die Maximalauszahlung pro Spiel soll auf 500 Euro begrenzt sein.

Bislang dürfen Spieler an irischen Spielautomaten lediglich 3 Cent pro Runde setzen und konnten dabei einen Maximalgewinn von 50 Cent erzielen. Laut Kritikern erhöhten die steigenden Einsätze das Risiko schwerwiegender finanzieller Verluste bei Zockern.