Eine neue Studie aus Kanada beschäftigt sich mit der Frage, ob Spielsucht mitunter von genetischen Faktoren beeinflusst werden könnte und die Geschwister von Spielsüchtigen somit ein größeres Risiko entwickeln, daran zu erkranken, als Nicht-Verwandte.

DNA DNS Helix Doppelstrang in blau

Welchen Einfluss hat die Genetik auf die Entwicklung einer Spielsucht? (Bild: Pixabay)

Den Studienergebnissen zufolge habe man anhand verschiedener Tests sowohl bei den Spielsüchtigen als auch deren Geschwistern eine übereinstimmend hohe Impulsivität sowie Risikobereitschaft nachweisen können.

Die ideale Testgruppe

Die Anzahl der Problemspieler und an Spielsucht Erkrankten steigt seit Jahren in vielen Ländern rapide an. Während Hilfsorganisation und spezialisierte Kliniken die Betroffenen beraten und therapieren, untersuchen Forscher weltweit mögliche medizinische, neurologische und psychologische Risikofaktoren.

Eine neue Studie [Seite auf Englisch] des Glücksspiel-Recherche-Zentrums der University of British Colombia, Kanada, hingegen geht erstmals der Frage nach, ob Spielsucht in der Familie liegt und ob in diesem Fall genetische Faktoren oder geteilte Umwelteinflüsse, Erlebnisse oder Traumata verantwortlich sind.

 

Spielsucht Handstellen Hände auf Tastatur

20 Spielsüchtige einer Londoner Klinik meldeten sich zur Studie (Bild: Pixabay)

Um geeignete Untersuchungsobjekte zu finden, wandten sich die Forscher an die Londoner Spielsuchtklinik (National Problem Gambling Clinic, NCPG). 20 Spielsüchtige Männer erklärten sich zur Teilnahme bereit. Weibliche Teilnehmer gab es keine.

Über Zeitungsanzeigen und Broschüren fanden die Forscher des Weiteren 17 freiwillige nicht-spielsüchtige Teilnehmer (acht Männer, neun Frauen), deren Bruder oder Schwester (nicht Studienteilnehmer) unter Spielsucht leidet.

Studienleiterin Eve Librick-Oldfield erklärt, warum gerade die Untersuchung an Geschwisterpaaren interessant gewesen sei:

Bei Spielsüchtigen lassen sich Impulsivität, risikobehaftete Entscheidungen und veränderte Belohnungsmechanismen im Gehirn beobachten. Wir wollten herausfinden, ob diese Eigenschaften bereits existierende Schwachstellen repräsentieren oder die Konsequenzen davon sind, wie das Glücksspiel das Gehirn ändert. Da Geschwister von ähnlicher Genetik und Umwelteinflüssen beeinflusst werden, haben wir diese Gruppen getestet.

Eine Kontrollgruppe aus 18 zufällig ausgewählten nicht spielsüchtigen Teilnehmern diente zum Vergleich mit den spielsüchtigen Männern. Eine zweite separate Kontrollgruppe aus 19 Teilnehmern wurde zum Vergleich mit der Geschwistergruppe herangezogen.

Zu den Teilnahmevoraussetzungen zählte unter anderem, dass keine anderen Suchterkrankungen und keine diagnostizierten Depressionen vorliegen. Alle Teilnehmer wurden den gleichen Tests unterzogen, die eine Kombination aus Befragungen, Slot-Simulationen, kognitiven Computertests und bildgebenden MRT-Aufnahmen vom Gehirn darstellten.

Zusammenhang zwischen Spielsucht und Depression

Die Forscher fokussierten also besonders auf jene Charakteristika, die im Rahmen früherer Studien bereits mit Spielsucht und anderen Suchterkrankungen in Verbindung gebracht worden sind.

Dazu zählen erhöhte Impulsivität, erhöhte Risikobereitschaft, zu starke oder zu geringe neuronale Belohnungsmechanismen sowie Beeinträchtigungen in der motorischen Impulsivität (bspw.: Handbewegungen können auf Befehl des Gehirns nicht rechtzeitig gestoppt werden).

Mann hält Hände an den Kopf depressiv

Depression häufiger bei Spielsüchtigen und deren Geschwistern (Bild: Pixabay)

Auch in dieser Studie habe der Großteil der Spielsüchtigen jeweils mehrere dieser Charakteristika aufgewiesen. Interessant sei aber erst der Vergleich mit der Geschwister- sowie den Kontrollgruppen gewesen.

Die Gruppe der Spielsüchtigen habe insgesamt einen durchschnittlichen Wert von 18 (von 27 möglichen Punkten) auf dem international standardisierten Problem Gambling Severity Index (PGSI) aufgezeigt. In den drei anderen Gruppen habe dieser Wert mit einer Ausnahme durchweg bei 0 gelegen.

Während sich die Spielsüchtigen und ihre Kontrollgruppe in den Punkten Alter, Intelligenzquotient, Kindheitstraumata und Alkoholkonsum sehr ähnlich gewesen seien, litten die Spielsüchtigen deutlich häufiger an Depressionen oder Angststörungen.

Die Geschwistergruppe und deren Kontrollgruppe hätten ebenfalls kaum Unterschiede aufgewiesen, mit Ausnahme der Depressionen, die in der Geschwistergruppe deutlich häufiger zu finden gewesen seien.

Geschwister ähnlich impulsiv und risikofreudig

Was hingegen die Impulsivität aller Teilnehmer anbelangt, habe man klare Unterschiede feststellen können. Demnach hätten die Spielsüchtigen sowohl auf positive als auch negative Reize (bzw. Emotionen) deutlich impulsiver reagiert als ihre Kontrollgruppe.

Bei der Geschwistergruppe habe man eine erhöhte Impulsivität auf negative Reize (nicht aber positive) feststellen können als bei ihrer Kontrollgruppe. Sehr ähnliche Ergebnisse seien auch bei jenen Tests gefunden worden, bei denen die Risikobereitschaft untersucht worden sei.

Spielsüchtige und die Geschwister von Spielsüchtigen seien insgesamt deutlich risikofreudiger als beide Kontrollgruppen. Demnach hätten die Geschwister von Spielsüchtigen einige der kennzeichnendsten Eigenschaften der Spielsüchtigen selbst aufgewiesen.

Das Forscherteam zeigte sich beeindruckt von den vorläufigen Ergebnissen, räumte aber ein, dass es einer deutlich größeren Studie bedürfe, um diese zu bestätigen. Ob und wann andere Forscherteams sich dieses Themas annehmen werden, bleibt abzuwarten.