Experte warnt vor Überregulierung des britischen Glücksspielmarkts

Veröffentlicht am: 11. April 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. April 2020, 10:46 Uhr.

Der Glücksspiel-Experte Steve Donoughue hat sich auf der Online-Konferenz BET 2020 gegen eine Überregulierung der britischen Glücksspielbranche ausgesprochen. Laut dem Sekretär der U.K. Parliamentary All Party Betting & Gaming Group werde das Glücksspiel zu Unrecht mit anderen Suchtmitteln wie Tabak verglichen.

Ein Person steht auf eine Paragraphen-Zeichen
Experten befürchten mehr Gesetze, die die Glücksspielbranche beeinträchtigen. (Quelle: Pixabay)

Wie anwesende Medien berichten, hatte Donoughue am Donnerstag davor gewarnt, dass gegenwärtige und geplante Maßnahmen zum Spielerschutz schwerwiegende wirtschaftliche Einschränkungen für die Glücksspielindustrie bedeuten könnten.

Vor allem Diskussionen über ein mögliches Einsatzlimit für Online-Glücksspiele halte der Branchenkenner für überzogen:

„Ich denke, wir werden die Regulierung verstärken und im Grunde am Ende eine Grenze für das haben, was Sie pro Monat verlieren können. Diese wird rein willkürlich sein – sagen wir mal 500 GBP ($623). Wenn Sie mehr als £ 500 pro Monat verlieren möchten, müssen Sie Ihrem Glücksspielanbieter alles über Ihre geistige Gesundheit, Ihr Vermögen, Ihre Vermögensquelle, wahrscheinlich die Größe Ihrer Füße und das, was Sie an einem Dienstag gerne essen, nachweisen.“

Werden die Beschränkungen etwas bringen?

Die Idee, Restriktionen für Spieler und Betreiber könnten die Glücksspielsucht in England eindämmen, verwies Donoughue ins Reich der Fantasie.

Er befürchte, dass eine zunehmende Beschränkung des regulierten Glücksspielmarkts dazu führen könne, dass Spieler in den illegalen Markt abwanderten, wo kein Spielerschutz stattfände.

In Großbritannien werden schon seit Jahren schärfere Vorschriften für die Glücksspielindustrie diskutiert. Die UK Gambling Commission, die Glücksspielaufsicht im Vereinigte Königreich, hatte erst kürzlich ein Kreditkartenverbot für Online-Glücksspielseiten durchgesetzt. In Zusammenarbeit mit Branchenvertretern wurde außerdem eine Reform der VIP-Spieler-Programme erarbeitet. So dürfen Online-Casinos in Zukunft keine VIP-Boni für Kunden unter 25 Jahren bereitstellen. Außerdem müssen Verbraucher vor dem Erhalt des VIP-Status einen Hintergrund-Check durchlaufen.

Die Zukunftsaussichten für das britische Glücksspiel seien laut Donoughue düster. Er rechne zu „80 %“ damit, dass Glücksspiele zukünftig wie Tabak reguliert und Glücksspielwerbung verboten werde. Eine Chance von „20 %“ bestünde, dass der britische Markt nationalisiert und das Glücksspiel von einem einzigen staatlichen Anbieter übernommen werde.

Sollte Donoughue mit seiner Prognose recht behalten, wäre es ein schwerer Schlag für das Milliardengeschäft der britischen Glücksspielindustrie.