Britische Buchmacher prognostizieren: Boris Johnson könnte nicht lange im Amt bleiben

Veröffentlicht am: 25. Juli 2019, 01:42 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. Juli 2019, 01:47 Uhr.

Ein neues Kapitel öffnet sich in der britischen Politik: Boris Johnson (55) wurde von der konservativen Tory Partei zum neuen Parteichef und damit auch zum britischen Premierminister gewählt. Allerdings werden Stimmen laut, die bezweifeln, dass der Brexit-Hardliner angesichts seiner hochgesteckten Wahlversprechen lange im Amt bleiben wird. Die britischen Buchmacher veröffentlichen erste Quoten für Wetten darauf, wie lange BoJo seinen Posten behalten wird.

Boris Johnson
UK: Bookies vermuten, die Amtszeit von Boris Johnson könnte nur kurz werden. (Bild: flickr.com)

Johnson hat nun drei Mammutaufgaben zu bewältigen: Großbritannien bis zum 31. Oktober 2019 aus der Europäischen Union zu führen, das Land zu vereinen und Jeremy Corbyn, den Chef der oppositionellen Labour Partei, bei den Parlamentswahlen zu schlagen.

Analysten äußern jedoch ihre Zweifel, denn die EU ist nicht zu einer Aushandlung des Brexits bereit, das ganze Land ist hinsichtlich dieser Frage tief gespalten und die Labour Partei liegt in zahlreichen Belangen in der Gunst der Briten vorn.

 

UK Buchmacher: BoJos Amtszeit könnte von kurzer Dauer sein

Indes haben die britischen Buchmacher bereits alle Hände voll zu tun, denn die Briten platzieren erste Wetten darauf, wie lange der neue Premierminister im Amt bleiben wird.

Der britische Buchmacher Ladbrokes bietet nun eine Quote von 6,00, dass Johnson der Premierminister mit der kürzesten Amtszeit sein wird. Der aktuelle Rekordhalter ist George Canning [Seite auf Englisch] mit nur 119 Tage im Amt.

Für Johnson bedeutet dies, dass er bis Mitte November Premierminister bleiben muss, um die 119 Tage von Canning zu übertreffen. Angesichts des Brexit-Termins am 31. Oktober und der Möglichkeit vorgezogener Parlamentswahlen ist dies nicht garantiert.

Wer ist Boris Johnson?

Boris Johnson wurde am 19. Juni 1964 in New York City (USA) als Alexander Boris de Pfeffel Johnson geboren. Er studierte am Eton College in England und an der Universität Oxford. Während seiner Zeit in Oxford war er Präsident der Oxford Union. Dies ist eine angesehene Position, die viele britische Spitzenpolitiker innehatten.

Johnson ist britischer Abgeordneter der konservativen Partei und ein ausgesprochener Euroskeptiker, der die Kampagne für den Austritt Großbritanniens und Nordirlands aus der Europäischen Union im Rahmen des Referendums vom 23. Juni 2016 angeführt hat.

Seine Versprechen während der Kampagne für ein Referendum sind kritisiert und mittlerweile widerlegt worden, aber Johnson hat sich diesbezüglich nie öffentlich geäußert.

Um den Brexit durchzusetzen, benötigt Johnson die Zustimmung des Parlaments. Allerdings ist an dieser Stelle auch Theresa May im Jahre 2017 gescheitert, als sie die Mehrheit verloren hatte.

Die Quoten auf Wetten, dass Johnson im Jahre 2020 seinen Stuhl räumen muss, sind innerhalb der letzten 24 Stunden von 4,00 auf 1,36 gefallen. Dies bedeutet, die Buchmacher glauben, dass BoJo wenig Chancen haben wird, seine politischen Ziele durchzusetzen.

Der Wettanbieter StarSports geht sogar noch einen Schritt weiter. Der Bookie geht davon aus, dass Johnson noch 2019 sein Amt verlieren wird und bietet Wetten mit einer Quote von 6,00 an.

Auch die Wettexperten von Betway prognostizieren einen Rücktritt Johnsons vor Jahresende und bieten darauf eine Quote von 3,25.

Alan Alger, der Sprecher von Betway, sagte dem britischen Nachrichtenmagazin Express gegenüber:

„Der Erfolg von Boris Johnson als Premierminister wird am Brexit gemessen, und wir glauben, dass er eine Chance von hat, den Rückzug Großbritanniens vor Ende Oktober durchzusetzen. Gefahr, dass ihn die Nichterfüllung des Brexits den Job kosten könnte. […].“

Kommt es zu einem No-Deal-Brexit?

Johnson hat nun genau 100 Tage Zeit für die Brexit-Verhandlungen. Noch ist nicht klar, ob es zu Zugeständnissen seitens der britischen Regierung oder zu einem No-Deal-Brexit kommen wird.

Sarbjit Bakhshi, Leiter der Politikwetten bei Smarkets, kommentierte der SBC gegenüber:

„Die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits im Jahr 2019 ist konstant bei 29 % geblieben, seit Boris als Nachfolger von Theresa May bestätigt wurde. Seine Führung der Partei hat demnach nichts Grundsätzliches an der Situation geändert. Trotz des Versprechens, dass Großbritannien die EU am 31. Oktober verlassen wird, zeigt unser Markt, dass Großbritannien entweder gar nicht oder mit einem Deal austreten wird. Da kein Druckmittel mehr vorhanden ist, sieht es so aus, als sei eine weitere Verlängerung oder ein Widerruf das wahrscheinlichste Ergebnis.“

 

Brexit, Statistik
Sportwetten-Anbieter Smarkets sagte, die Wahrscheinlichkeit eines Brexits liegt bei 29 %. (Bild: smarkets.com)

Angesichts der vielen Veränderungen ist es schwer, genau zu prognostizieren, wie die politische Zukunft Großbritanniens sich gestalten wird. Sicher ist jedoch, dass die aktuellen Geschehnisse viel Raum für Spekulationen und Politik-Wetten bieten.