Großrazzia: Südafrikas Lotto-Kommission unter Korruptions­verdacht

Veröffentlicht am: 9. Dezember 2020, 02:52 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Dezember 2020, 02:52 Uhr.

Spezialeinheiten der südafrikanischen Polizei haben am Dienstag bei der National Lotteries Commission (NLC) eine großangelegte Razzia durchgeführt. Gegen die Betreiberin der Nationallotterie des Landes stehen schon seit Längerem Vorwürfe der Korruption im Raum.

Präsident von Südafrika Cyril Ramaphosa
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat die Razzia selbst autorisiert (Bild: Flickr/GovernmentZA/CC BY-ND 2.0)

Wie die südafrikanische Zeitung The Daily Maverick am Dienstag berichtet hat [Seite auf Englisch], hätten ein duzend Polizeibeamte der Special Investigating Unit (SIU) und des Sonderdirektorats „The Hawks“ die Büroräume der NLC in der Hauptstadt Pretoria durchsucht.

Gleichzeitig seien auch die Archive von Metrofile, einem örtlichen Logistikunternehmen für Lagerung, durchforstet worden. Dort soll die NLC wichtige Dokumente eingelagert haben.

Während zahlreiche Dokumente, Computer und andere Geräte beschlagnahmt worden seien, habe die Kommission ihre Angestellten dazu aufgerufen, ruhig zu bleiben und zu kooperieren. In einem Memo habe es geheißen:

Wir bitten all unsere Angestellten inständig, nicht in Panik zu verfallen und sich daran zu erinnern, dass die NCL bei den Vorgängen vollständig kooperieren wird.

NLC schon länger im Visier der Ermittler

Eine Razzia in den Räumen der NLC war bereits seit Wochen abzusehen. So hatte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa am 6. November eine Proklamation unterzeichnet und damit die Polizeibehörden autorisiert, sieben Anschuldigungen gegen die NLC zu untersuchen:

  • Schlechte Unternehmensführung in Bezug auf die Geschäftsbeziehungen der NLC
  • Unangemessene oder unrechtmäßige Ausübung der Geschäfte seitens der Angestellten oder der Führungsebene
  • Unrechtmäßige Aneignung oder Ausgaben öffentlicher Gelder
  • Regelwidrige oder nicht genehmigte Käufe oder Transaktionen
  • Beabsichtigter oder unachtsamer Verlust öffentlicher Gelder
  • Unzureichende Prävention von Korruption
  • Unrechtmäßiges oder unangemessenes Handeln, welches dem Interesse der Öffentlichkeit entgegensteht oder diesem schadet.

Konkret drehten sich laut der Zeitung die sieben genannten Punkte um den Vorwurf, die NLC habe mit öffentlichen Geldern in überaus unsichere und umstrittene Projekte investiert.

Flossen Millionen in zwielichtige Projekte?

So sei im September bekannt geworden, dass die NLC 27,5 Mio. Rand (1,52 Mio. Euro) an die medizinische Organisation Denzhe Primary Care übergeben habe. Von dem Geld sollte ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige gebaut werden.

Der Bau sei jedoch nie abgeschlossen worden und der Verbleib von 20 Mio. Rand lasse sich nicht nachvollziehen.

Dies sei nur eines von vielen Beispielen. So habe die NCL weiterhin in Projekte investiert, die den Bau eines Altersheimes, einer Bibliothek und eines Museums zum Ziel gehabt hätten. Keine der Einrichtungen sei je entstanden.

Einige der Organisationen, die von den Geldern der NCL profitiert hätten, seien direkt auf den (mittlerweile ehemaligen) Geschäftsführer der NCL, Phillemon Letwaba, bzw. dessen Ehefrau Rebotile Malomane zurückführbar gewesen.