Prozess in Schottland: Glücksspiel-Schulden als Mordmotiv?

Veröffentlicht am: 20. Juni 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Juni 2021, 04:39 Uhr.

Ein 38-Jähriger muss sich derzeit wegen Mordes an einer 97-Jährigen vor einem schottischen Gericht verantworten. Der Mann, der hohe Summen beim Glücksspiel ausgegeben habe, soll von der Frau kurz vor ihrem Tod vier Schecks erhalten haben. Die Zeitung Edinburgh Evening News hatte am Donnerstag über den Fall berichtet.

Justitia Figur
Ein schottisches Gericht muss über die Zukunft eines 38-Jährigen entscheiden. (Quelle: Pixabay)

Eine Analystin der schottischen Polizei habe die Finanzen des Angeklagten und der Toten überprüft. Dabei sei zum Vorschein gekommen, dass der Sohn des Hausarztes der Getöteten zwischen 2016 und 2020 Glücksspielausgaben von mehr als 109.000 GBP (ca. 127.000 Euro) gehabt habe. Seine „möglichen Gewinne“ hätten sich aber nur auf 26.158 GBP belaufen.

Im Rahmen des Prozesses habe die Expertin weiter ausgesagt, dass über die Schecks Geld vom Konto der Rentnerin auf ein Konto des Verdächtigen transferiert worden sei. Insgesamt soll es sich dabei um eine Summe von 1.500 GBP gehandelt haben.

In Deutschland wurde im August 2020 eine 48-Jährige wegen versuchten Mordes zu 12 Jahren Haft verurteilt. Die Frau hatte als Bäckereiverkäuferin 1.850 Euro von ihrem Arbeitgeber unterschlagen und die Unterschrift einer 19-jährigen Kollegin auf den Quittungen für ein Geldtransport-Unternehmen gefälscht. Um die Tat zu verdecken, soll die Verkäuferin die junge Aushilfe versucht haben, mit einem Messer zu erstechen.

Brisant erscheint der Zeitpunkt der Transaktionen. Die Schecks seien zwischen dem 18. und 23. Oktober 2019 ausgestellt worden. Die Leiche des Opfers sei nur wenige Tage später, am 25. Oktober 2019, auf ihrem Grundstück in der Gemeinde Kinglassie (Region Fife) aufgefunden worden.

Am selben Tag habe es ein Telefonat zwischen dem Angeklagten und seiner Bank gegeben. Dieser habe sich in dem Gespräch über die Sperrung seines Kontos beschwert. Grund für die Kontosperrung sei gewesen, dass die Schecks der Rentnerin als „betrügerisch“ gemeldet worden seien.

Wie kam die Frau ums Leben?

Ob der Mann die Frau wegen der geplatzten Schecks umgebracht hat, ist nicht klar. Die Behörden haben im Zuge der Ermittlungen aber die Todesumstände aufgedeckt.

Der Staatsanwaltschaft zufolge habe wiederholte, stumpfe Gewalteinwirkung gegen Körper und Kopf zum Tod der Seniorin geführt. Dem Angeklagten werde außerdem vorgeworfen, die Atemwege der Rentnerin auf unbekannte Weise blockiert und verengt zu haben.

Außerdem stünden Vorwürfe von Diebstahl und Betrug im Raum. Der Mann bestreite die Tat. Er habe vor Gericht angegeben, die Schecks zum Bezahlen eines Handwerkers und einer Rechnung bei der Post erhalten zu haben. Die Frau habe ihr Haus nicht mehr verlassen können.