Frankreich privatisiert Staatslotterie nach erfolgreichem Geschäftsjahr 2018

Veröffentlicht am: 22. April 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. April 2019, 06:02 Uhr.

Mitte letzter Woche veröffentlichte die „Française des Jeux“ (FDJ), staatlicher Anbieter für Lotterien und Sportwetten in Frankreich, aktuelle Zahlen über das vergangene Geschäftsjahr 2018. Trotz der weitgehend guten Jahresbilanz soll die staatliche Lotterie jedoch noch in diesem Jahr zu einem mehrheitlich privatgeführten Unternehmen werden.

Francaise des Jeux
Die Französische Staatslotterie wird privatisiert (Bild: FDJ)

Frankreichs lukrative Lotterien

Seit dem Feuerunglück von Notre-Dame sind alle Augen derzeit auf Frankreich gerichtet. Doch während die Rettung einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Paris derzeit die Medienwelt dominiert, spielen sich im Hintergrund gerade tiefgreifende Veränderung in Frankreichs Glücksspielwelt ab.

Die ursprünglichen Erfinder des Roulettes und eines Vorläufers von Blackjack („Chemin de fer“ bzw. „Jeu 21“) sind auch heute noch passionierte Glücksspieler. Das Glücksspiel ist in Frankreich jedoch nur sehr eingeschränkt legal und schließt sämtliche Formen des Online Glücksspiels aus.

Legal spielen können die Franzosen aber bei der staatlichen Lotteriegesellschaft „Française des Jeux“ (FDJ), welche Lottospiele, Rubbellose und Sportwetten anbietet. Europaweit ist die Lotterie Frankreichs die zweitgrößte, weltweit gesehen sogar die viertgrößte.

FDJ Parions Sport
FDJ als einziger legaler Anbieter für Sportwetten (Bild: Wikipedia)

Den aktuellsten Zahlen zufolge ist das französische Lottogeschäft nach wie vor sehr gewinnbringend. Im Jahr 2018 machte die FDJ 15,8 Mrd. Euro Umsatz, ein Plus von 4,4 % im Vergleich zum Vorjahr.

Allerdings sanken im selben Zeitraum die Nettoeinnahmen um ganze 6 % von 181 Mio. Euro auf 170 Mio. Euro, was die Gesellschaft mit gestiegenen finanziellen Ausgaben erklärte (bspw. 3,5 Mrd. Euro Beitragsleistung zu den öffentlichen Finanzen des Landes).

Auch die Zahl der Spieler ging von 26 Millionen auf 25 Millionen zurück, während die ausgeschüttete Gewinnsumme stieg. Im Jahr 2018 schafften es so 198 Franzosen, zu Millionären zu werden. Gemeinsam gewannen die glücklichen Lottospieler 10,7 Mrd. Euro.

Obwohl auch im letzten Jahr der Großteil der Einnahmen der FDJ durch den Verkauf von Lottoscheinen und Rubbelkarten zustande kam, blühte im Zuge der Weltmeisterschaft, auch der Bereich der staatlich organisierten Sportwetten auf, für den die Franzosen 3 Mrd. Euro ausgaben. Der wohl verdiente Sieg der „Les Bleus“ trug dazu ganz besonders bei.

Staatslotterie bald in privater Hand

Die Française des Jeux steht aktuell jedoch vor einem sehr großen Wandel, denn noch in diesem Jahr soll die seit jeher staatliche Lotterie privatisiert werden. Dies beschloss die französische Nationalversammlung am 11. April im Rahmen des sogenannten „PACTE“, eines Gesetzesprojekts [Informationen auf Französisch] für unternehmerisches Wachstum.

Bei der Abstimmung in der Nationalversammlung stimmten 147 Abgeordnete für die Privatisierung und 50 dagegen. Lediglich 8 Wahlberechtigte enthielten sich.

Der Gesetzesentwurf PACTE wurde von Bruno Le Maire, dem ehemaligen französischen Wirtschafts- und Finanzminister formuliert und über mehrere Monate im französischen Parlament diskutiert. Neben der Privatisierung der FDJ sieht der Entwurf auch die Privatisierung der Pariser Flughäfen (Aéroports de Paris, ADP) vor.

Derzeit liegen 72 % des FDJ Kapitals beim Staat, welcher per Gesetz über mindestens 20 % der Anteile verfügen muss. Durch eine Neuverteilung der Anteile verspreche man sich für die nächsten Jahre noch bessere Geschäftszahlen. Ein konkreter Plan, wie die Ziele erreicht werden sollen, werde bereits in diesem Sommer vorgestellt, erklärte Stéphanie Pallez, die Vorsitzende der FDJ.

Heftige Vorwürfe über Interessenskonflikte

Die Entscheidung zur Privatisierung der FDJ wurde jedoch nicht von allen Parlamentariern widerstandslos angenommen. In der Tat kam es zu unmittelbarer scharfer Kritik an Politiker Gilles Le Gendre, dem Vorsitzenden der Fraktion La République en Marche group (LREM) in der französischen Nationalversammlung.

Gilles Le Gendre
Vorwürfe gegen Politiker Gilles Le Gendre

Dessen Frau, Raphaële Rabatel, wurde nämlich kurz vor der Abstimmung zur neuen Kommunikationschefin der FDJ ernannt. Dieser Umstand veranlasste einige Politiker, die gegen die Privatisierung gestimmt hatten, dazu, Les Gendre Interessenskonflikte bei der Wahl vorzuwerfen.

Daniel Fasquelle, ein Abgeordneter der Partei Les Républicains beispielsweise postete auf seinem Twitter-Kanal, dass die Entscheidung unter diesen Umständen „schockierend“ sei.

Doch andere Stimmen verteidigten Rabatel und betonten, dass diese bereits in ähnlichen Führungspositionen gewesen sei und schlicht aufgrund ihrer Kompetenzen gewählt worden sei. Mit der Entscheidung zur Privatisierung der FDJ habe sie nichts zu tun.

Ob es hier wirklich zu Interessenskonflikten gekommen ist, können aktuell nur die Beteiligten wissen. Ohne Zweifel jedoch wird sich die Glücksspiellandschaft Frankreichs durch die Privatisierung verändern, hoffentlich zum Wohle der vielen Spieler.