Online-Glücksspiel-Umsätze in Großbritannien deutlich gestiegen

Veröffentlicht am: 6. Dezember 2018, 01:03 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. Dezember 2018, 08:08 Uhr.

Laut einer statistischen Erhebung der UK Gambling Commission (Seite auf Englisch) sind die Umsatzanteile der Online-Glücksspielanbieter in Großbritannien zwischen 2016 und 2018 deutlich angestiegen.

Automaten
Automatenspiele sind auch in Online-Casinos ein Hit. (Quelle: Pixabay)

Allein in der Zeitspanne zwischen April 2017 und März 2018 hat die gesamte Glücksspielbranche im Vereinigten Königreich 14.4 Milliarden Pfund (ca. 16 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Dies stellt eine Steigerung von 4.2 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dar.

Ein größer werdender Anteil an diesem wirtschaftlichen Erfolg entfiel auf den Online-Glücksspielsektor, der um 12.8 % wuchs. Der Umsatz der Online-Industrie betrug insgesamt 5.3 Milliarden Pfund (ca. 6 Milliarden Euro).

Dies waren 37 % des Gesamtjahresumsatz auf dem Glücksspielmarkt.

Die Zahl der Lizenzen steigt

Ein Grund für die höheren Umsätze könnte die steigende Zahl der Online-Glücksspiellizenzen sein, die zwischen März 2016 und März 2018 vergeben wurden.

Während bis Ende März 2016 insgesamt 744 Lizenzen zum Betreiben von Online-Casinos, Online-Wetten und landbasierten Glücksspielvarianten vergeben wurden, wuchs die Zahl der vergebenen Lizenzen bis März 2018 auf 888 an. Dies ist ein Anstieg von 13.8 %.

Die meisten der 144 Neulizenzen wurden im Zeitraum zwischen März 2017 und März 2018 vergeben (108). Die Hersteller von Glücksspielsoftware und Online-Glücksspielanbieter erhielten 56.1 % der neu ausgestellten Lizenzen und damit prozentual mehr als die landbasierten Anbieter.

Woher kommen die Lizenznehmer?

Bar
Mit Laptop in der Kneipe wetten. Ist das die Zukunft? (Quelle: Flickr)

Wie die Erhebung der UK Gambling Commission (UKGC) zutage förderte, kommen trotz der Internationalisierung der Wirtschaft noch immer die meisten Lizenznehmer aus dem Vereinigten Königreich.

41 % der Online-Glücksspielaktivitäten gehen von Unternehmen aus, die ihren Firmensitz in Großbritannien unterhalten.

Gefolgt werden diese von Betreibern mit Firmensitz in Malta (21 %) und Gibraltar (7 %).

Lediglich 2 % der US-Firmen, die in Großbritannien operieren, haben auch einen Firmensitz im Vereinigten Königreich.

Diese Glücksspielvarianten werden gespielt

Vom Gesamtjahresumsatz von 5.3 Milliarden Pfund, den die Online-Branche zwischen April 2017 und März 2018 generierte, kam der Großteil der Einnahmen aus Online-Casinospielen und Online-Sportwetten.

2.07 Milliarden Pfund (ca. 2.33 Milliarden Euro) wurden durch Online-Sportwetten verdient, ganze 2.92 Milliarden Pfund (ca. 3.28 Milliarden Euro) verdienten die Betreiber mit Casinospielen.

Damit machten die Onlinecasino-Aktivitäten 54.6 % des Umsatzes aus, 38.7 % entfiel auf das Online-Sportwettengeschäft. Geringe 6.6 % des Jahresumsatzes wurden durch Online-Bingo und Pool-Betting verdient.

Diese Spiele werden am häufigsten im Online-Casino gespielt

Wie die Zahlen zeigen, sind die Gewinne der Online-Casinobetreiber beträchtlich. Der größte Teil der Umsätze stammt nach Angaben der UKGC von Slot Machines.

Allein das Spielen an den virtuellen Spielautomaten ist für einen Umsatz von 2.01 Milliarden Pfund (ca. 2.25 Milliarden Euro) verantwortlich.

Poker
Auch Online-Poker beschert den Anbietern hohe Umsätze. (Quelle: Pixabay)

Auf Platz zwei stehen klassische Tischspiele, die 311 Millionen Pfund (ca. 350 Millionen Euro) einbringen konnten.

Spannendes enthüllt die Statistik zum Online-Poker, bei dem registrierte Spieler mit ihren eigenen Fähigkeiten gegeneinander antreten.

Wie diese zeigt, ist die Einsatz-Gewinn-Ratio für die Casinobetreiber beim Poker wesentlich unvorteilhafter als bei anderen Casino-Games.

Obwohl Spieler beim Poker beispielsweise mehr Geld einzahlen als beim Roulette, verdienen die Plattformen am Pokerspiel weniger Geld.

Die Einnahmen der Casinobetreiber generieren sich beim Poker nämlich nur aus dem sogenannten „Rake“, einer prozentualen Zwangsabgabe, die beim Cash-Game nach jedem gespielten Pot an das Casino geht.

Auch Registrierungsgebühren für Sit-n-Gos und Multi-Table-Tournaments gehören zu den Einnahmen.

Darauf wird im Netz gewettet

Wetten hat in Großbritannien eine lange Tradition. Vor allem die Pferdewetten sind im Vereinigten Königreich von jeher beliebt.

Das Pferderennen noch immer ein lebendiger Teil des sozialen Lebens zu sein scheinen, spiegelt auch die aktuelle Statistik der UKGC wieder. Stolze 609 Millionen Pfund (ca. 683 Millionen Euro) verdienten die Online-Buchmacher zwischen April 2017 und März 2018 im Vereinigten Königreich mit Pferdewetten.

Beliebteste Sportart, um eine Wette zu platzieren, ist und bleibt allerdings der Fußball. Mehr als 1 Milliarde Pfund (ca. 1.12 Milliarden Euro) nahmen die britischen Buchmacher im untersuchten Zeitraum durch Fußballwetten ein.

Landbasierte Buchmacher auf dem Rückzug

Die Briten wetten nicht nur im Netz, sondern auch auf Rennstrecken und in Wettbüros. Allerdings ist die Anzahl der Wettshops seit 2016 leicht rückläufig. Insgesamt fiel die Zahl von 8.811 auf 8.406. Diese Entwicklung zeigt, dass tatsächlich immer mehr Spieler auf virtuelle Wettangebote im Netz zurückgreifen.

Eine Freude, die nicht jeder teilen wird

Die UKGC, die oberste Kontrollbehörde für Glücksspiel in Großbritannien, wird mit den neuen Zahlen nicht überall für Freude gesorgt haben.

Wie wir vor Kurzem berichteten, mahnen nicht nur Politiker, sondern auch Kirchenvertreter an, dass immer mehr Erwachsene und Jugendliche Wetten platzieren oder an Spielautomaten spielen.

Pferderennen
Pferdewetten sind traditionell sehr beliebt in Großbritannien (Quelle: Pixabay)

Großen Einfluss hätten vor allem die Werbeangebote im Fernsehen und in Social-Media-Kanälen auf die 11 bis 16-Jährigen.

Nach einer Studie zum Suchtverhalten von Jugendlichen, die von der UKGC im November 2018 veröffentlich wurde, gaben 66 % der befragten Teenager an, über Fernsehwerbung mit Glückspiel in Berührung gekommen zu sein. 59 % der Befragten hätten die Werbung in Social-Media-Kanälen gesehen.

Diese Entwicklung verfolgte auch der Fernsehsender Sky kritisch, der vor kurzem ankündigte, die Werbung für Sportwetten freiwillig reduzieren zu wollen.

Selbst die Online-Buchmacher der Remote Gambling Association (RGA), zu der Bet365, Ladbrokes und Paddy Power gehören, haben sich damit einverstanden erklärt, Werbung während Live-Sportübertragungen zukünftig einzustellen.

Ob sich die Verringerung dieser Werbeangebote im Jahre 2019 auf die Umsätze der Online-Glücksspielbranche niederschlagen wird, werden die nächsten Statistiken der UKGC zeigen.