Niederlande: KSA warnt vor Social Media Pyramidenspiel „Geldbloem“

Veröffentlicht am: 10. Dezember 2018, 04:01 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. Dezember 2018, 04:01 Uhr.

Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) gab vor kurzem eine offizielle Warnung über ein Online Pyramidenspiel heraus, welches sich derzeit über Social Media wie Facebook, Instagram oder Snapchat verbreitet. Das sogenannten „Geldbloem“ Spiel funktioniert dabei nach dem Schneeballsystem und ist somit in den Niederlanden verboten.

Pyramidensystem
Die Absurdität des Pyramidensystems (Bild: Wikipedia, Casino.org)

Über beliebte Social Media geködert

Nirgendwo verbreiten sich Nachrichten, Meinungen und Trends so schnell wie auf den großen Social Media Plattformen der Welt. Das machen sich leider auch vermehrt Betrüger zunutze und wer als User nicht gut aufpasst, kann schnell an die falschen Adressen geraten.

Als Durchschnittsuser geht man gern automatisch davon, dass alles, was auf Facebook und Co. die Runde macht, auch legal sein muss, doch dies ist keineswegs der Fall. Ein gutes Beispiel dafür ist ein derzeitiges Phänomen in den Niederlanden.

Geldblume Blume aus Geldscheinen
Geldbloem lockt mit florierendem Geldwachstum (Bild: Pixabay)

Das Spiel „Geldbloem“ verbreitet sich seit kurzer Zeit rasant über verschiedene soziale Medien. Via Facebook, Instagram und ganz besonders über Snapchat werden Nutzer aufgefordert, dem Spiel beizutreten. Mit dem Slogan „Gratis geld door een geldbloem?“ (zu Deutsch: Gratis Geld von der Geldbume?) verlocken die Betreiber arglose Nutzer, tief in den Geldbeutel zu greifen.

Das Versprechen ist simpel: man zahlt zwischen 20 und 100 Euro ein, wirbt neue Spieler an und erhält einen deutlich größeren Betrag zurück. Geldbloem funktioniert damit wie ein klassisches Pyramidenspiel nach dem berüchtigten Schneeballsystem.

Wie funktioniert das Schneeballsystem?

Das Schneeballsystem (auch Pyramidensystem genannt) beginnt mit einem einzelnen Teilnehmer, der zwei oder mehrere neue Teilnehmer wirbt, um von diesen Geldgeschenke zu erhalten. Die Schenker ihrerseits erhalten das Versprechen, einen noch größeren Betrag zu bekommen, wenn von jedem wieder neue Mitglieder geworben werden. Mathematisch gesehen muss sich die Teilnehmerzahl also in jeder Runde mindestens verdoppeln, damit der proportionale Anstieg ungehindert weiter geht und die jeweils untere Stufe einen Geldbetrag erhalten kann.

Entsprechend der Natur dieses Systems lassen sich irgendwann keine neuen Mitglieder mehr finden, wodurch die gesamte „Pyramide“ zusammenbricht. Statistisch gehen dabei 90 % aller Teilnehmer leer aus und verlieren ihren geschenkten Geldbetrag. Lediglich die ersten 10 % und insbesondere die Betreiber des jeweiligen Spiels machen zum Teil beachtliche Profite.

Die niederländische Glücksspielbehörde (KSA) hat daher über ihre Website eine offizielle Warnung herausgegeben und darauf hingewiesen, dass es sich bei Geldbloem rein rechtlich um illegales Glücksspiel handelt.

Die KSA veranschaulicht die Absurdität des Ganzen in einer simplen Rechnung. Geht man von einem beginnenden Teilnehmer aus, der sechs neue wirbt, die wieder sechs neue werben, was dann nach dem Muster weitergeht, würde man nach nur 13 Runden die gesamte Weltbevölkerung weit überragt haben.

In Deutschland und Österreich gesetzlich verboten

Während die KSA in den Niederlanden für die Regulierung von Glücksspiel verantwortlich ist und Pyramidenspiele offiziell als illegal einstuft, fehlt in Deutschland eine gleichwertige bundesweite Behörde.

Pyramidenspiele sind daher hierzulande über das Bundesgesetz „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) verboten. In $ 16 Abs. 2 heißt es dort wörtlich:

Wer es im geschäftlichen Verkehr unternimmt, Verbraucher zur Abnahme von Waren, Dienstleistungen oder Rechten durch das Versprechen zu veranlassen, sie würden entweder vom Veranstalter selbst oder von einem Dritten besondere Vorteile erlangen, wenn sie andere zum Abschluss gleichartiger Geschäfte veranlassen, die ihrerseits nach der Art dieser Werbung derartige Vorteile für eine entsprechende Werbung weiterer Abnehmer erlangen sollen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Bereits der Versuch, ein derartiges Schneeballsystem zu errichten, steht in Deutschland als Unternehmensdelikt unter Strafe. Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass es sich rein rechtlich zudem um Betrug ($ 263 StGB) handelt, jedoch wird dieser so definiert, dass eine Täuschung über den Inhalt eines Spiels vorliegen muss. Bei einem Pyramidenspiel hingegen wird das Konzept deutlich offengelegt.

Ähnlich ist die Gesetzeslage in Österreich, wo in $ 168a des Strafgesetzbuches (StGB) festgelegt wird, dass Ketten- oder Pyramidenspiele mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bestraft werden können. In besonders schlimmen Fällen, bei denen viele Menschen geschädigt werden, drohen sogar bis zu drei Jahre Haft.

Unzählige Betrugsfälle durch Pyramidenspiele

Derzeit hat es Geldbloem noch nicht über die niederländischen Grenzen hinaus geschafft, doch auch in anderen Ländern, inklusive Deutschland und Österreich gab es in der Vergangenheit große Skandale um diese dubiose Art des Glücksspiels.

Geld Pflanze Wachstum
Falsche Versprechen von wachsenden Investments (Bild: Flickr)

Berühmt ist der Skandal um den US-Amerikanischen Anlagebetrüger Bernard L. Madoff. Dieser erleichterte seine Anleger um 65 Milliarden US Dollar, indem er über 15 Jahre eine Abwandlung des Pyramidensystems betrieb. Er bezahlte nämlich seinen Investoren Dividenden, die aus deren eigenen Investitionen kamen, nicht etwa von neuen Kapitalgebern. Als der Betrug aufgedeckt wurde, verurteilte ein Gericht Madoff zu 150 Jahren Haft.

Auch in Deutschland stand vor Jahren ein Unternehmen wegen Betreiben eines Schneeballsystems auf der Anklagebank. Die GFE-Group, ein deutsches Unternehmen für Blockheizkraftwerke warb mit angeblich lukrativen Investitionen in Maschinen, die jedem Investor monatlich konstante 1.000 € einbringen sollten. Die rund 1.400 Anleger wurden dabei letztendlich um 62 Millionen Euro betrogen.

Während bei diesen großen Betrugsfällen verhältnismäßig wenig Menschen, wenn auch mit hohen Verlusten, zu Schaden kommen, sind es besonders die kleineren Spiele wie Geldbloem, die dem gemeinen Internetnutzer gefährlich werden können. Aufklärung ist daher hier unerlässlich und die KSA hat in dieser Richtung den ersten Schritt getan.

Damit derartige Systeme sich nicht auch über die deutschen Social Media Plattformen ausbreiten können, muss das Bewusstsein unter Usern wachsen. Denn mit fairem Glücksspiel haben Pyramidenspiele absolut gar nichts gemein.