Kambodscha: Tausende Casino-Mitarbeiter streiken

Veröffentlicht am: 9. Januar 2020, 01:15 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Januar 2020, 11:01 Uhr.

Im kambodschanischen Phnom Penh sind heute mehr als 3000 Mitarbeiter des in Hongkong gelisteten Casino- und Hotelkomplexes NagaWorld in Streik getreten. Sie fordern höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen.

NagaWorld, Kambodscha, Casino-Resort
Rund 3.000 Mitarbeiter des NagaWorld Casino-Resorts sind heute in Streik getreten. (Bild: Wikipedia/Kiensvay, CC BY-SA 3.0)

Beschwerden über missbräuchliche Arbeitsbedingungen

Die streikenden Arbeiter geben an, die Löhne lägen derzeit monatlich zwischen 191 und 230 US-Dollar für Hotel-Angestellte und zwischen 230 bis 370 US-Dollar für Casino-Mitarbeiter. Sie fordern eine Anhebung der Gehälter auf 300 bis 500 US-Dollar.

Der bereits seit mehr als 19 Jahren für NagaWorld arbeitende By Kunthea berichtet, das Glücksspiel-Unternehmen habe seine Angestellten in einem Memo mit der Entlassung gedroht, sollten sie sich dem Streik anschließen. Lokalen Medien gegenüber erklärte Kunthea:

„Wir fordern eine Gehaltserhöhung für die Arbeiter… wir müssen Miete zahlen und die Lebensmittelpreise sind heutzutage ebenfalls gestiegen. Das Unternehmen macht eine Menge Gewinn.“

Der Kartendealer Chan Maiya Mouy spricht zudem von schlechten Arbeitsbedingungen. So sei es den Mitarbeitern nicht gestattet, auf die Toilette zu gehen, wenn niemand sie ersetzen kann. Er berichtet von Vorfällen, bei denen Spieler, die verloren haben, Flaschen nach den Mitarbeitern werfen.

NagaCorp, die die Exklusivlizenz für den Casino-Betrieb in Phnom Penh besitzt, meldete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,8 Mrd. US-Dollar. Sein Hotel- und Casino-Resort NagaWorld ist das einzige integrierte Resort in der kambodschanischen Hauptstadt. NagaCorp besitzt für den Casino-Betrieb in Kambodscha eine Lizenz, die insgesamt für 70 Jahre gültig ist und 2065 endet. Im NagaWorld-Hotel verfügt der Junket-Betreiber SunCity über einen eigenen VIP-Club.

Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen fordern die Streikenden die Wiedereinsetzung der Gewerkschaftspräsidentin Chhim Sithar, die sich für höhere Löhne engagierte [Seite auf Englisch].

Wegen Kritik am T-Shirt-Verbot suspendiert

Die 30-jährige Spielleiterin Sithar hatte T-Shirts mit der Aufschrift „Das Unternehmen wächst: Arbeiter brauchen existenzsichernde Löhne“ drucken lassen und diese an rund 3.000 Angestellte von NagaWorld verteilt. Als ein Wachmann versuchte, das T-Shirt eines Angestellten zu konfiszieren, schritt Sithar ein und wurde daraufhin suspendiert.

In den Wochen nach ihrer Suspendierung forderte Sithar ihre Kollegen dazu auf, wie gewohnt weiterzuarbeiten und zugleich Protestaktionen zu organisieren. Zum Zeichen der Solidarität trugen Gewerkschaftsmitglieder beim Verlassen und Betreten des Komplexes beispielsweise rosafarbene Masken oder schwarze Armbinden.

NagaWorld hat bisher keinen Kommentar zur Suspendierung Sithars und zum Streik abgegeben.