Italiens Buchmacher beklagen ungleiche Steuerpflichten

Veröffentlicht am: 22. September 2020, 02:14 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. Oktober 2020, 03:39 Uhr.

Seit einigen Wochen müssen Italiens Buchmacher eine neue Steuer von 0,5 % auf all ihre Wetteinnahmen zahlen. Vor wenigen Tagen jedoch hat Giuseppe L’Abbate, Staatssekretär des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft (Mipaaf), angekündigt, die Anbieter von Pferdewetten zu einer Ausnahme erklären zu wollen.

Rennpferde mit Jockeys
Anbieter von Pferdewetten sollen von neuer Sportwettensteuer befreit werden. (Bild: Pixabay)

Wie das italienische Branchenmagazin für Sport und Gaming AGIMEG heute berichtet [Seite auf Italienisch], seien die Buchmacher, die auf andere Sportwetten spezialisiert seien, über diese augenscheinliche Ungerechtigkeit erzürnt.

So fordere Abbate, dass keine Art der Pferdewette besteuert werde. Darunter fielen die staatlichen Pferdewetten, die Totalisatoren an den Rennbahnen, private Wettangebote zu fester Quote und Kombinations-Wetten.

Für die Einnahmen aus Wetten auf alle sonstigen Sportarten, inklusive E-Sport und virtuellen Sportwetten, hingegen sollten die Buchmacher im Rahmen der „nationalen Rettungsmaßnahme zum Relaunch des Sportes“ zur Kasse gebeten werden.

Die italienische Regierung hatte im Mai dieses Jahres das sogenannte „Decreto Rilancio“ verabschiedet, welches dazu beitragen soll, die vom Coronavirus schwer gebeutelte Sportindustrie des Landes wirtschaftlich wiederaufzubauen. Die nötigen Gelder dazu sollten insbesondere von den Buchmachern des Landes eingeholt werden. Schließlich profitierten diese vom Sport, argumentierte die Regierung. Das Dekret sorgte für einen großen Aufschrei, da sich insbesondere kleine Familienbetriebe im Sportwettenbereich in ihrer Existenz gefährdet sahen.

Die Buchmacher warnten davor, dass ihre Geschäfte nach Einführung der Steuer nicht mehr tragbar sein könnten. Einige sähen sich dazu gezwungen, ihre Wettquoten zu verringern, um die finanziellen Verluste ausgleichen zu können.

Dadurch wiederum könnte der legale Sportwettenmarkt des Landes an Attraktivität verlieren. Es könnten mehr Kunden auf den illegalen Markt abwandern, auf welchem bessere Quoten geboten werden könnten, so die Buchmacher.

Betting-Exchange-Anbieter müssten draufzahlen

Doch insbesondere in einem Bereich gehe die Rechnung der Regierung nicht auf. Laut AGIMEG stelle der neue Steuersatz die Betreiber von Exchange-Betting-Plattformen vor ein unlösbares Problem.

So dienten Exchange-Betting-Plattformen dem Handel von Sportwetten unter den Mitgliedern. Die Betreiber selbst behielten nur eine im Vergleich zu den gehandelten Wetteinsätzen geringe Provision ein. Das Branchenmagazin erklärt:

Im Grunde genommen, wenn die Normen des Decreto Rilancio Wort für Wort umgesetzt werden sollen, würden diese Betreiber eine höhere Geldsumme zahlen müssen als sie verdienen.

Im Jahr 2019 hätten die legalen Exchange-Betting-Betreiber nämlich lediglich 7 Mio. Euro Nettogewinn gemacht. Die Steuer hingegen werde auf die Bruttoeinnahmen, also auf alle von den Mitgliedern eingezahlten Gelder, angerechnet.

Für das Jahr 2019 hätte dies bedeutet, dass die Anbieter Steuern in Höhe von 8,4 Mio. Euro hätten zahlen müssen, da Wetten im Gesamtwert von 1,693 Mrd. Euro gehandelt worden seien.