Globale Analyse: So sieht der ideale Markt für Sportwetten-Anbieter aus

Veröffentlicht am: 10. Juni 2021, 01:24 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. Juni 2021, 01:33 Uhr.

Die International Betting Integrity Association (IBIA) hat sich auf die Suche nach dem weltweit besten Markt für Sportwetten-Anbieter begeben. Laut den am Mittwoch veröffentlichten Ergebnissen [Bericht auf Englisch] schneiden Großbritannien, Malta und Schweden besonders gut ab. Nachholbedarf gebe es unter anderem in Deutschland.

IBIA Weltkarte Sportwetten-Märkte
Die grün markierten Länder haben laut IBIA die besten Sportwetten-Märkte, die rot markierten die schlechtesten (Bild: IBIA)

Die Studie ist Kooperation mit dem Marktanalyse-Unternehmen H2 Gambling Capital entstanden. Ebenfalls beteiligt waren mehrere verpartnerte Glücksspielverbände, darunter die europäische EBGBA, der schwedische Branchenverband BOS und die niederländische Online-Glücksspiel-Verband NOGA.

Die Analyse der weltweiten Glücksspiel-Märkte sei anhand von fünf Kriterien durchgeführt worden: Regulierung, Besteuerung, Produkt-Vielfalt, Integrität und Werbung.

Laut der IBIA gibt es zehn Faktoren, die den optimalen Markt für Sportwetten ausmachen:

  • Das Wetten ist sowohl im landbasierten als auch im Online-Sektor möglich.
  • Die Lizenzvergabe ist nicht quantitativ begrenzt.
  • Die Lizenzgebühren sind angemessen für den Regulierungsaufwand.
  • Es gibt strikte, aber gleichzeitig praktikable Spielerschutz-Maßnahmen.
  • Die Besteuerung liegt bei 15 – 20 % der Bruttospielerträge.
  • Es gibt keine überbordenden zusätzlichen Steuern.
  • Sportwetten werden sowohl mit festen Quoten als auch in Pools angeboten.
  • Es gibt keine merklichen Restriktionen bei den verfügbaren Wett-Arten.
  • Es werden Protokolle zur Integrität von Sportwetten geführt.
  • Werbung und Sponsoring sind ausgewogen.

Die Behörde habe die Sportwetten-Märkte auf diese zehn Faktoren untersucht und entsprechend Punkte vergeben. Großbritannien stehe mit 91 Punkten an der Spitze der Tabelle.

Der britische Markt zeichne sich durch eine robuste Regulierung, gemäßigte Kosten und Steuern für die Anbieter sowie eine erfolgreiche Kanalisierungs-Rate aus. Darüber habe Großbritannien als eines der ersten Länder begonnen, das Online-Glücksspiel zu regulieren und gelte heute weltweit als Vorbild.

Deutscher Sportwetten-Markt weist Schwächen auf

Ebenfalls als hervorragende Märkte stuft die IBIA Malta (88 Punkte), Dänemark (86 Punkte), Schweden (83 Punkte) sowie die US-Bundesstaaten Nevada (86 Punkte), und New Jersey (82 Punkte) ein. Während bei Malta insbesondere die große Produktvielfalt und die attraktive Besteuerung hervorstächen, punkteten die anderen Top-Märkte vor allem durch ihre strenge, aber gut funktionierende Regulierung.

Als „mittelmäßig“ klassifiziert die IBIA die Sportwetten-Märkte in Spanien (79 Punkte), Italien (77 Punkte), Niederlande (77 Punkte) und Deutschland (76 Punkte). Sowohl Spanien als auch Italien hätten wegen ihrer strikten Glücksspiel-Werbeverbote Punktabzug erhalten.

Die Schwächen der Niederlande seien das fortwährende Monopol im landbasierten Sektor, die hohen Steuern für Online-Buchmacher und Begrenzungen bei der Produkt-Vielfalt.

In Bezug auf Deutschland schreibt die IBIA:

Die lang erwartete Regulierung eines der größten Märkte in Europa hat sofort Lizenznehmer angezogen. Allerdings könnten die Umsatzsteuer und das Verbot von Live-Wetten dafür sorgen, dass die Kanalisierung der Kunden nicht gelingt und daher der regulatorische Überblick sowie die Steuereinnahmen gemindert werden.

Die aktuelle Kanalisierungsrate in Deutschland schätze die Behörde auf 92 %. Zum Vergleich: Großbritannien – 99 %, Italien – 94 %, Frankreich – 92 %, Schweden – 91 %, Dänemark – 82 %, Spanien – 76 %.

Ob der deutsche Markt jedoch jemals zu einem Vorbild wie Großbritannien werden könnte, bleibt abzuwarten. Laut der IBIA bedürfe es hierzu eine Reihe von Neuerungen.