Hamburg und Schleswig-Holstein streiten um Werbung für Online Casinos

Veröffentlicht am: 15. September 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. September 2019, 05:43 Uhr.

Zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zufolge ein Streit über die Ausstrahlung von Werbeclips für Online Casinos entbrannt. Obwohl das Angebot der Firmen nur für Bewohner von Schleswig-Holstein legal verfügbar ist, werden die Clips bundesweit gesendet.

Wappen Hamburg Schleswig-Holstein
Glücksspiel-Zwist zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein (Komposition: casino.org)

Wie der NDR berichtet, habe die Hamburger Glücksspielaufsicht in mehreren Schreiben das Innenministerium Schleswig-Holsteins sowie die dort zuständige Landesmedienanstalt aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die betreffenden Online Casinos mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein nicht außerhalb des Bundeslandes für ihr Glücksspiel werben.

Deutliche Kritik aus Hamburg

So heißt es in einem der drei, dem Sender vorliegenden Schreiben an das Kieler Innenministerium:

“Werbeaktivitäten der schleswig-holsteinischen Erlaubnisnehmer haben (…) im Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg zu unterbleiben.”

Weiterhin gehe Hamburg in dem bereits Mitte Juli datierten Schreiben davon aus, “dass Sie im Rahmen Ihrer Aufsichtstätigkeit dem Territorialprinzip hinreichend Rechnung tragen” und gewährleisten, dass die werblichen Maßnahmen in Hamburg “keine Verbreitung finden werden.“

Konkret geht es um den Fall von Online Casinos von Marken wie Wunderino, DrückGlück oder Hyperino. Diese strahlen ihre Werbespots bundesweit im Fernsehen aus, obwohl sie nur eine Genehmigung zum Angebot ihrer Spiele in Schleswig-Holstein besitzen.

Bei den Spots, die auf gleichermaßen auf den großen Kanälen RTL, Pro7 SAT1 und VOX sowie auf Spartenkanälen wie Eurosport ausgestrahlt werden, folgt am Ende stets ein kurzer Hinweis, dass sich das Angebot nur an volljährige Spieler mit einem Wohnsitz in Schleswig-Holstein richte. Diese kurze Einblendung scheint der Hamburger Glücksspielaufsicht jedoch nicht auszureichen.

Online Casinos erhielten Lizenzen zurück

Hintergrund ist, dass beispielsweise DrückGlück-Betreiber SkillOnNet eines der Unternehmen ist, die im Juli eine neue Genehmigung zum Betrieb ihres Online Casinos in Schleswig-Holstein erhielten. Damals hatte die Landesregierung in Kiel 12 Online Casinos eine bis zum Juni 2021 begrenzte Lizenz für das Glücksspiel erteilt.

Schleswig-Holsteins Sonderweg

Bei der Regulierung des Glücksspiels geht das Bundesland im hohen Norden einen eigenen Weg und widersetzt sich damit dem im Glücksspielstaatsvertrag festgehaltenen Verbot. Als einziges Land hat es im Jahr 2012 einer Anzahl von Online Casino den Betrieb genehmigt. Die damals für sechs Jahre ausgestellten Lizenzen gaben den Firmen das Recht, ihre Spiele in Schleswig-Holstein anzubieten. Eine über das Bundesland hinausgehende Verbreitung war damit ausdrücklich ausgeschlossen.

Ende 2018 waren die letzten Lizenzen ausgelaufen, weshalb sich die Koalitionsregierung von CDU, FDP und Grünen entschied, diese bis zu einer endgültigen Regelung für zwei Jahre zu verlängern. Obwohl der Sonderweg bundesweit keine Nachahmer findet, tolerieren die anderen Bundesländer das Vorgehen Schleswig-Holsteins, solange der neue Glücksspielstaatsvertrag noch nicht ausgehandelt wurde.

Da SkillOnNets Lizenz jedoch außerhalb von Deutschlands nördlichstem Bundesland nicht gilt, fordert die Hamburger Glücksspielaufsicht das Ende der Werbung. DrückGlück und Co. verweisen bei ihrem bundesweiten Angebot zwar auf die ebenfalls vorhandene Glücksspiellizenz aus dem EU-Staat Malta, doch diese stehe nach Aufsicht der Hamburger Kontrolleure auf wackligen Füßen.

Hoher Werbeaufwand der Anbieter

Seit Neuerteilung der Lizenzen sind die von den Hamburgern beanstandeten Clips vermehrt im Fernsehen und Internet zu sehen. SkillOnNets Vertriebs- und Marketingleiter Michael Golembo sagte damals der Presse:

“Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Online Casino Lizenz in Schleswig-Holstein, Deutschland, neu ausgestellt bekommen haben. Damit können wir den Spielern des Landes weiterhin das bestmögliche Online Casino Erlebnis durch DrückGlück bieten. (…) Anschließend werden wir zudem noch eine große TV-Werbekampagne auf allen großen Kanälen durchführen.”

Nach Aussagen des Marketingchefs stehe für die Werbekampagne und begleitende Maßnahmen ein Betrag in zweistelliger Millionenhöhe zur Verfügung. Neben den TV-Spots zählt dabei auch eine Werbepartnerschaft mit dem Zweitligisten Holstein Kiel zu den Aktivitäten, um die Bekanntheit der Marke bundesweit zu steigern.

Solange es hierzulande jedoch keine bundeseinheitliche Regelung durch einen neuen, wahrscheinlich frühestens 2021 realisierten Glücksspielstaatsvertrag gibt, dürfte die Kritik an dem Gebaren der Online Casinos nicht nachlassen.