Missbrauchsvorwürfe: Versuchten hochrangige Mitarbeiter Steve Wynn zu schützen?

Veröffentlicht am: 4. April 2019, 02:29 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. April 2019, 02:29 Uhr.

Hochrangige Mitarbeiter von Wynn Resorts müssen sich in dieser Woche unangenehmen Fragen zum Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen ihren ehemaligen Chef Steve Wynn (77) stellen. Der Glückspielkonzern absolviert gerade eine mehrtägige Lizenzanhörung im Bundesstaat Massachusetts.

Turm Wynn Las Vegas
Der Turm des Wynn Resorts in Las Vegas. Der Name Wynn wurde in den letzten Monaten mit vielen Skandalen assoziiert. (Quelle: Wikipedia)

Während der Befragung, die Voraussetzung für den Bau eines 2.6 Milliarden US-Dollar (ca. 2.1 Milliarden Euro) teuren Casino-Projekts in der Nähe von Bosten ist, musste bereits Wynn-CEO Matt Maddix der Massachussets Gambling Commission Rede und Antwort über die Geschäftspraktiken der Firma stehen.

Viele der Fragen der Kommission resultierten aus einem 209 Seiten langen, investigativen Lizenzbericht, den der Glücksspielregulator im März 2019 veröffentlicht hatte.

Er kam zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte gegenüber den Missbrauchsvorwürfen gegen Steve Wynn jahrelang die Augen verschlossen oder diese bewusst vertuscht hätten.

13 Jahre Untätigkeit

Der Bericht der Massachussets Gambling Commission entstand unter Mitwirkung von mehr als 100 Zeugen und ehemaligen Wynn-Mitarbeitern. Er entwirft eine detaillierte Chronik der Missbrauchsvorwürfe, denen sich Steve Wynn zwischen 2005 und 2018 stellen musste.

Laut dem Report (Link auf Englisch) wurde Wynn bereits 2005 des Missbrauchs verdächtigt, nachdem eine bei Wynn Las Vegas angestellte Maniküre ihre Vorgesetzten über eine Vergewaltigung durch Wynn und eine daraus resultierte Schwangerschaft informiert hatte.

Logo Wynn Resorts
Wynn Resorts will sich nach dem Rücktritt von Steve Wynn neu erfinden. (Quelle: Wikipedia)

Dem Vergewaltigungsvorwurf, der auch dem damaligen Präsidenten von Wynn Las Vegas, Marc Schorr, mitgeteilt wurde, folgte jedoch keine interne Untersuchung, sondern ein außergerichtlicher Vergleich, in dessen Folge der Betroffenen 7.5 Millionen US-Dollar (ca. 6.6 Millionen Euro) gezahlt wurden.

Die Zahlung wurde über eine eigens gegründete Gesellschaft abgewickelt und mit höchster Geheimhaltung behandelt. So musste die namentlich unbekannte Frau, die im Bericht unter dem Alias „Amy“ geführt wird, eine Gegendarstellung formulieren, in der sie alle ursprünglich erhobenen Vorwürfe gegen Wynn bestritt. Außerdem wurde der Aufsichtsrat von Wynn nie einheitlich über die Zahlung informiert.

Die Materie ist für die Regulatoren in Massachusetts, die mit ihren aktuellen Befragungen auch die Ehrlichkeit des Lizenzbewerbers prüfen wollen, deshalb so wichtig, weil Wynn Resorts die außergerichtliche Einigung aus dem Jahre 2005 nicht dem Nevada Gaming Control Board (der offizielle Glücksspielregulator in Nevada) mitteilte.

Eine schier endlose Reihe an Skandalen

Folgt man den Ausführungen des Investigativ-Reports, ergibt sich das Bild einer scheinbar endlosen Reihe von Skandalen, für die Steve Wynn nie zur Verantwortung gezogen wurde.

Steve Wynns Großprojekte

Steve Wynn ist ein amerikanischer Casinounternehmer. Erste Casinobeteiligungen hielt er ab 1967 am Frontier Hotel in Las Vegas. Es folgte der Kauf des Dessert Inn im Jahre 1971 und Investitionen in das Golden Nugget Casino, das Bellagio und das Mirage Hotel und Casino.

Im Jahre 2005 wurde das Wynn Resort Las Vegas eröffnet. Einen architektonisch ähnlichen Bau eröffnete Wynn nur ein Jahr später im chinesischen Macau.

2018 trat Wynn nach einer Reihe von Skandalen von allen Posten zurück.

Im Jahre 2006, nur ein Jahr nach den Vergewaltigungsvorwürfen, meldete sich eine Cocktail-Kellnerin bei der Human Ressource-Abteilung von Wynn Resorts und teilte mit, von Steve Wynn in eine sexuelle Beziehung gezwungen worden zu sein.

Auch in diesem Fall kam es zu einer außergerichtlichen Einigung und einer Zahlung in Höhe von 975.000 US-Dollar (ca. 867.000 Euro). Eine interne Untersuchung unterblieb.

Es folgten abermalig außergerichtliche Einigungen und ein weiterer Vergewaltigungsvorwurf im Jahre 2014. Eine ehemalige Cocktail-Kellnerin, die im Bericht „Debbie“ genannt wird, behauptete im Jahre 2005 von Steve Wynn vergewaltigt worden zu sein.

Wynn, der den Vorwurf vehement bestritt, konnte sich auch in diesem Fall auf seine Führungsetage verlassen. Nach einer Zahlung von 9.000 US-Dollar (ca. 7.900 Euro) legten „Debbie“ und die Anwälte von Wynn Las Vegas den Streit bei.

Das neue Gesicht von Wynn

Von der Fülle an Vorwürfen, die die Massachusetts Gambling Commission im Bericht vereint, scheint die aktuelle Konzernspitze nichts mehr wissen zu wollen. Schließlich sind wichtige Akteure wie der ehemalige CEO Steve Wynn, Rechtsabteilungs-Chef Kevin Tourek und der frühere Präsident von Wynn Resorts Las Vegas, Marc Schorr, nicht länger auf ihren Posten.

In der Anhörung vor der Massachusetts Gambling Commission gab sich der amtierende Wynn Resorts CEO Matt Maddox geläutert:

„Ich glaube, dass es viele Leute gab, die versucht haben, Steve Wynn zu schützen. Und das Letzte, was sie gemacht hätten, wäre mich zu informieren. (…) Ich bin als ehrlicher Mensch bekannt. Aber Steve Wynn war der Chef.“

Dass die Kommission daran glaubt, dass sich die Geschäftspraktiken von Wynn zukünftig ändern und  Antidiskriminierungs- und Antimissbrauchsrichtlinien eingehalten werden, könnte ausschlaggebend für den Ausgang des Lizenzvergabeverfahrens sein.

Sollte dem Unternehmen der 2.6 Milliarden US-Dollar-Deal entgehen, würde es selbst nach dem Rücktritt Steve Wynns einen hohen Preis für dessen Verfehlungen zahlen