Britische Glücksspiel­aufsicht kritisiert VIP-Programme der Wettbüros

Veröffentlicht am: 5. Januar 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. Januar 2020, 02:44 Uhr.

Einer Studie der britischen Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission (UKGC) zufolge sollen VIP-Kunden für einen Großteil der Einnahmen von Wettbüros sorgen. Nach einem Bericht der Tageszeitung The Guardian [Seite auf Englisch] erwägt die UKGC nun, diese Programme stark einzuschränken.

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VIP-Programme sind der UKGC ein Dorn im Auge (Bild: Pixabay/brn2flyjets)

Die bisher noch unveröffentlichte Studie enthält den Angaben des Guardians zufolge brisantes Datenmaterial. So sollen die Wettbüros in hohem Maße von den Umsätzen abhängig sein, die sie mit VIPs erwirtschaften.

Eine kleine Anzahl Spieler steht für den Großteil der Umsätze

Demnach seien 2 % der Kunden für 83 % der Einkünfte von neun der größten britischen Buchmacher verantwortlich. Damit würden 4 von 5 britischen Pfund, die die Wettbüros einnehmen, aus diesem spendierfreudigen Kundenkreis stammen.

Um die wertvollen Kunden zu halten und zu weiteren Umsätzen zu animieren, betreiben die Wettbüros aufwändige VIP-Programme. Zu den Bonusleistungen zählen unter anderem Rückzahlungen auf getätigte Umsätze, aber auch Freikarten für Veranstaltungen und kostenlose Reisen.

Dem Guardian zufolge stammen die Daten der Studie von den neun Wettanbietern. Demnach hätten diese der UKGC ihre internen Geschäftszahlen unter der Zusage der Wahrung ihrer Anonymität zur Verfügung gestellt.

Glücksspielaufsicht geht gegen VIP-Programme vor

UK Gambling Commission
Britische Glücksspielaufsicht (Bild: Gambling Commission)

Der UKGC sind die Programme für die VIPs der Wettbüros bereits seit Längerem ein Dorn im Auge. Ihrer Ansicht nach verleiten die Zuwendungen die Kunden dazu, mehr Geld bei den Anbietern auszugeben. Auf diese Weise wachse die Gefahr, dass Betroffene ihr Spielverhalten nicht mehr kontrollieren und in eine Spielsucht abgleiten könnten.

Nach Auskunft der Glücksspielkontrolleure befänden sich etwa 47.000 Kunden in den VIP-Programmen der großen Anbieter. Bei rund 10 % von ihnen bestehe die Gefahr eines problematischen Spielverhaltens. Damit sei der Anteil der potenziell gefährdeten Spieler zehnmal so hoch wie beim durchschnittlichen Kunden der Wettbüros.

Aus diesem Grund fordert die UKGC wirksame Maßnahmen von Seiten der Buchmacher. Dazu könnten strengere Aufnahmekriterien für die Programme und eine genauere Prüfung zum Spielverhalten der Kunden zählen, so die Kommission.

In einem Statement demonstrierte die UKGC ihre Entschlossenheit:

“Anbieter müssen ihre Interaktion mit VIPs verbessern. Wir fordern deshalb von ihnen schnellere Fortschritte bei der Optimierung ihrer Kundenbetreuung. Wir werden zudem energisch gegen Anbieter vorgehen, die ihre Kunden nicht ausreichend schützen und wir werden noch härter einschreiten, wenn sich das Verhalten nicht ändert.“

Dass die Bonusprogramme bei der britischen Glücksspielaufsicht unter verschärfter Beobachtung stehen, zeigt sich an der Anzahl der verhängten Strafen. So sind rund 70 % der von der UKGC gegen die Betreiber von Wettbüros ausgesprochenen Sanktionen auf Regelverstöße bei diesen Programmen zurückzuführen.

So ermittelte die UKGC beispielsweise im November 2019 gegen das Unternehmen Betfair, das einen offensichtlich spielsüchtigen VIP-Kunden weiter Wetten abschließen ließ.

Damals blieb Betfair eine Strafe erspart. Die jetzt bekanntgewordene Studie könnte jedoch nicht nur bei Betfair zu empfindlichen Verlusten führen, wenn die UKGC tatsächlich gegen die VIP-Programme der Anbieter vorgehen sollte.