China nutzt Massendaten gegen internationalen Glücksspiel-Tourismus

Veröffentlicht am: 4. September 2020, 01:21 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. September 2020, 09:58 Uhr.

Die chinesischen Behörden nutzen Massendaten, um die Reisebewegungen von chinesischen Glücksspiel-Touristen zu kontrollieren. Dies hat die stellvertretende Direktorin der Pekinger Einwanderungsbehörde, Ji Lixia, auf einer Pressekonferenz in dieser Woche geäußert.

Casino in Macau
Ausnahmen von den strengen Glücksspiel-Gesetzen für Chinesen gelten unter anderem für Casinos in Macau (Flickr: „Galaxy“ by Ronald Un, licensed under CC BY-ND 2.0)

Überwachung und Sperrung von Glücksspiel-Reisenden

Durch die Überwachung der Daten würden Reisepläne von chinesischen Staatsbürgern erkannt. Personen, die planten, zum Zwecke von Glücksspiel ins Ausland zu reisen, würden in der Folge für die Ausreise aus China gesperrt. Die Maßnahmen fänden sowohl für Glücksspiel-Touristen als auch für Geschäftstätige des Glücksspielsektors Anwendung.

Weitere Details zu den Reisezielen und dem Zeitpunkt der Maßnahmen seien im Rahmen der Pressekonferenz nicht genannt worden. Auch sei unklar, was mit den betreffenden Personen im Anschluss geschehen sei.

Ji habe chinesische Bürger bei der Pressekonferenz jedoch aufgefordert, auf das Glücksspiel im Ausland zu verzichten. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit und die Nationale Einwanderungsbehörde nähmen den Kampf gegen internationales Glücksspiel sehr ernst, so Ji.

Massendaten, im Englischen unter Big Data bekannt, sind große und komplexe Datensätze, die etwa bei der mobilen Internetnutzung, bei der Nutzung sozialer Medien oder beim Internet-Streaming gesammelt werden. Auch personenbezogene Daten werden in großem Umfang aufgezeichnet. Der Begriff ist daher häufig negativ bewertet, da Kritiker die Persönlichkeitsrechte von Internetnutzern in Gefahr sehen.

Blacklist für Casino-Destinationen

Die chinesischen Behörden sind in der Vergangenheit immer wieder gegen die Beteiligung von Chinesen am internationalen Glücksspiel vorgegangen.

So hat die chinesische Regierung Ende August bekanntgegeben, eine schwarze Liste für internationale Casino-Destinationen vorzubereiten. Auf dieser sollen Länder geführt werden, die Glücksspiel für chinesische Staatsbürger anbieten.

Glücksspiel ist in China schon seit 1949 illegal. Alle Glücksspielformen, einschließlich Online-Glücksspiel und Casino-Besuche im Ausland, sind chinesischen Staatsbürgern untersagt. In der Praxis gelten jedoch Ausnahmen, unter anderem für die chinesischen Staatslotterien sowie für die Teilnahme am Glücksspiel in Casinos in den Sonderverwaltungszonen Hong Kong und Macau.

Welche Länder gelistet werden sollen, war zunächst unklar geblieben. Zu den Destinationen, die bei Chinesen beliebt sind, zählen jedoch Australien, die Philippinen, Singapur, Südkorea und Vietnam. Auch Kambodscha zählt zu den Ländern, die Experten zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Liste aufgenommen werden könnten.