Britin fällt auf skrupellosen Betrüger mit gefälschtem Lottoschein herein

Veröffentlicht am: 24. Juni 2019, 01:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. Juni 2019, 01:28 Uhr.

Wie die britischen Medien am Sonntag berichteten, sei eine 44-jährige Frau in Birmingham der Betrugsmasche eines bisher nicht identifizierten Mannes zum Opfer gefallen. Der Betrüger habe behauptet, den 123 Mio. GBP Euromillion Lottojackpot geknackt zu haben und der Frau garantiert, ihr 500.000 GBP seines Gewinnes zu schenken, wenn sie ihm zunächst aus einer finanziellen Notsituation helfe.

Eurojackpot Scheine
Mann fälscht 123 Mio- GBP Lotto-Gewinnerlos (Bild: Flickr)

Das gefakte Gewinnerlos

Das Vorgehen des Mannes erwies sich als äußerst geschickt und lässt auf eine gründliche Planung schließen. Mit einem gefälschten Gewinnerlos aus der Euromillions Lottery habe der die Arbeitsstelle der Frau, die er bis zu jenem Zeitpunkt nicht gekannt habe, betreten.

Er habe ihr und einer Kollegin mit gespielter Unsicherheit und Verwirrung den vermeintlichen Gewinnschein gezeigt und behauptet, die Mitarbeiter des nächstgelegenen Supermarktes Sainsbury’s hätten bestätigt, dass er den 123 Mio. GBP schweren Jackpot geknackt habe.

Dort hätte man ihm gesagt, dass er unverzüglich die Lotteriegesellschaft Camelot [Seite auf Englisch] anrufen solle. Die Telefonnummer habe er erhalten, jedoch habe er den Anruf nicht im genannten Supermarkt tätigen lassen wollen, da er den Angestellten dort nicht getraut habe.

Betrug zählt in Großbritannien wie auch in Deutschland zu den häufigsten Straftaten überhaupt. Die Maschen der Betrüger sind dabei so vielfältig wie hinterlistig und die Opfer merken meist viel zu spät, was ihnen passiert ist. Thematische Grundlage vieler Betrugsversuche sind Geldgewinne oder andere Glücksspielaktivitäten. Glücksspielbetreiber und Lottogesellschaften warnen daher immer wieder vor diversen Betrugstaktiken.

Der Mann schein sehr gut geschauspielert zu haben und gab die vermeintliche Nummer der Lotterie in das Telefon der Frau ein. Dann bat er sie, für ihn dort anzurufen, da sein Englisch nicht gut genug sei, um per Telefon alles korrekt zu verstehen.

Die Frau berichtete später, mit einer „vornehmen britischen Dame“ verbunden gewesen zu sein, die den Gewinn bestätigt und erklärt habe, dass der Gewinner unverzüglich nach Watford fahren müsse, um seinen Gewinn abzuholen.

Die Geschichte der kranken Mutter

Der Mann habe vorgegeben, die Reisekosten nicht aufbringen zu können, weshalb die Frau und ihre Kollegin spontan Geld zusammengelegt hätten, um dem Mann die sofortige Reise dorthin zu ermöglichen. Doch es sei nicht bei den 240 GBP Reisekosten geblieben, denn der Mann habe noch ein anderes Anliegen gehabt.

Lottoticket in zwei Händen
Die Frau glaubte die Geschichte des Mannes (Bild: Flickr)

Er behauptete, dringend 5.000 GBP zu benötigen, um eine Notoperation seiner todkranken Mutter in Pakistan zu finanzieren. Es handele sich um eine Operation am offenen Herzen, die nicht aufgeschoben werden könne. Die Auszahlung des Lottogewinnes würde zu lange dauern, die Mutter schwebe in akuter Lebensgefahr.

Der Betrüger habe der Frau versprochen, ihr als großzügiges Dankeschön 500.000 GBP zu schenken, sobald er seinen eigenen Gewinn erhalten habe. Die

Frau habe ihm geglaubt und ihm 4.000 GBP gegeben. Die restlichen 1.000 GBP sollte ihr Bruder, ein bekannter Geschäftsmann der Stadt, ihm wenige Tage später zukommen lassen.

Die beiden Männer hätten sich daraufhin in einem McDonald‘s zur Übergabe des Geldes getroffen. Der Bruder sei skeptisch gewesen, erklärte sein Handeln aber so:

Er hatte die Hälfte der Zeit Tränen in den Augen. „Ich kann kaum glauben, was ihr für mich getan habt“, sagte er. „Ich kenne euch nicht mal und ihr habt so etwas für mich getan, während meine eigenen Freunde mir nicht mal einen Zehner geben wollten“. Ja, es kam mir faul vor, aber zu dem Zeitpunkt steckte meine Schwester schon zu tief drin.

Der Bruder der Frau habe ein Foto des Führerscheins des Mannes gemacht, um einen Identitätsbeweis zu haben. Name und Adresse hätten sich im Nachhinein als falsch herausgestellt.

Der Betrüger verabredete, den versprochenen Anteil seines Gewinns am Dienstag, den 18. Juni, innerhalb einer örtlichen Bankfiliale zu überreichen. Dort sei er jedoch nie aufgetaucht.

Lotteriegesellschaft äußert sich

Die Frau sagte der Presse gegenüber sich „für ihre Dummheit“ zu schämen. Sie wolle weiterhin anonym bleiben, ihre Geschichte jedoch an die Öffentlichkeit bringen, um andere Menschen zu warnen.

Auch die Lottogesellschaft Camelot äußerte sich zu dem Fall:

Wir sind uns bewusst, dass es einzelne Personen und Organisationen gibt, die versuchen, eine Zahlung oder persönliche Daten von anderen zu erhalten, indem sie eine ganze Reihe verschiedener Ausflüchte vorbringen. Die National Lottery, die Gewinner der National Lottery und anderer Lotterien werden zuweilen als Teil der Betrugsmaschen angegeben. Wir mahnen daher die Menschen daran zu denken, dass, wenn etwas zu gut scheint, um wahr zu sein, es das wahrscheinlich auch ist.

Ob die Frau das Geld jemals zurückerhalten wird, ist fraglich. Das Bild des Mannes, welches ihr Bruder von dessen gefälschten Führerschein abfotografiert hatte, liege jedoch der Organisation „Action Fraud“ vor, die sich der Aufklärung derartiger Fälle widmet.