Bet365 Chefin Denise Coates erhöht ihr Jahresgehalt auf 265 Millionen GBP

Veröffentlicht am: 22. November 2018, 01:21 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. Juni 2019, 09:04 Uhr.

Am Mittwoch berichteten die britischen Medien mit großer Empörung über das aktuelle Jahresgehalt von Bet365 Chefin Denise Coates. Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihr Gehalt von 217 Millionen GBP auf insgesamt 265 Millionen GBP an. Die Welt ist in Rage und Vorwürfe von unersättlicher Gier und Skrupellosigkeit breiten sich über das Internet aus.

Bet365 Geldscheine
Bet365 Chefin zahlt sich 265 Mio Pfund aus (Bild: PXHere, Twitter)

Zahlen und Fakten – warum so viel Geld?

Dass die Chefs von international erfolgreichen Unternehmen meist das größte Stück vom Kuchen abbekommen, ist keine allzu überraschende Neuigkeit. Doch Denise Coates, die Vorsitzende und Mitbegründerin des Wett-Giganten Bet365, toppt mit ihrem Jahresgehalt alles und jeden.

Für das Jahr 2018 füllte sie ihr bereits milliardenschweres Konto mit einem Jahresgehalt von 265 Millionen GBP (umgerechnet knapp 297 Mio. Euro). Die Summe setzt sich zusammen aus 220 Millionen Grundgehalt plus 50 % des Geldes aus einem 90 Millionen Dividendentopf.

Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Gehaltserhöhung um 22,12 %, wobei ihr Basisgehalt zuvor bei 199 Mio. GBP lag und sie durch Dividendenausschüttungen auf insgesamt 217 Mio. GBP kam. Mit diesen Zahlen war sie bereits im Vorjahr die am besten verdienende Geschäftsführerin Großbritanniens. Diesen Posten macht ihr auch in diesem Jahr niemand streitig.

Coates‘ Jahresgehalt im Vergleich

Tim Cook, Vorsitzender von Apple: 93,8 Mio. GBP

Satya Nadella, Microsoft Chef: 39,1 Mio. GBP

Das gesamte Stoke City Fußballteam: 130 Mio GBP

Cristiano Ronaldo: 17,5 Mio. GBP

Lionel Messi: 16,8 Mio GBP

Premier Ministerin Theresa May: 153.000 GBP

Bet365 Angestellte: 33.100 GBP

Der britische Durchschnittsverdiener: 27.300 GBP

Coates Familie belegt nach Bekanntgabe des neuen Gehalts nun Platz 21 auf der Liste der reichsten Familien des Landes. Insgesamt verfügen die Coates über ein Vermögen von 5,8 Milliarden Britische Pfund.

Das weltweit operierende Unternehmen Bet365 erzielte im Jahr 2017 Gesamteinnahmen von 2,3 Milliarden GBP. Coates selbst berichtete nun von einem Anstieg auf 2,9 Milliarden GBP für das Jahr 2018.

Shareholder
Denise Coates verfügt über die meisten Anteile an Bet365 (Bild: Alpha Stock Image)

Denise Coates ist dabei nicht die Alleininhaberin des Unternehmens. Zusammen mit ihrem Bruder (Vize-Vorsitzender), Ehemann Richard Smith (Leiter des Stoke City FCs) und ihrem Vater (Vorsitzender von Stoke City) hält die Coates Familie 93 % des Bet365 Unternehmens inne. Die gesamte Leitungs- und Manageretage verdiente in diesem Jahr zusammengerechnet 449 Millionen GBP, knapp 16,5 % des Jahresumsatzes.

Wie viel sich die Vorsitzenden anderer international operierender Casinos und Wettbüros auf eigene Konto auszahlen, ist dagegen sehr schwer in Erfahrung zu bringen. Die Coates Familie geht im Vergleich sehr transparent mit Umsatz, Einnahmen und Ausgaben um, und zwar trotz der immer wiederkehrenden medialen Empörung.

Entrüstung wegen Unverhältnismäßigkeit

Vielleicht wäre der Aufschrei weniger groß, wenn das Thema der Spielsucht derzeit nicht so allgegenwärtig wäre. In der Tat berufen sich die lautesten Kritikerstimmen genau auf diese Unverhältnismäßigkeit dessen, was Coates verdient und was allgemein in den Spielerschutz investiert wird.

Parlamentsmitglied der britischen Labour Party, Jonathan Ashworth, äußerte sich sehr emotionsgeladen zu Coates Gehalt:

Ob Glücksspiel, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, wir befinden uns in einer Sucht-Krise. Hilfsangebote werden gekürzt, psychologische Unterstützung vernachlässigt. Ganze Leben werden ruiniert, während die Chefin eines Wettanbieters 22-mal mehr verdient, als die gesamte Industrie zur Behandlung von Spielsucht „spendet“. Einfach widerlich.

Mit leicht abgewandelter Zahl äußerte sich auch Mike Dixon, der Vorsitzende der Wohltätigkeitsorganisation Addaction zum Thema:

Es ist erstaunlich, dass die Chefin eines Wettanbieters 26-mal mehr verdient, als die gesamte Industrie in die Behandlung von Spielsucht investiert. Wir wissen, dass gut 2 Millionen Menschen zu Problemspielern zählen. Wir brauchen unbedingt höhere Steuern auf die Profite der Glücksspielindustrie, damit mehr Menschen geholfen werden kann.

Im Lichte jüngster Studien, denen zufolge die Spielsucht bei 11- 16-jährigen sich vervierfacht haben und auf ganze 55.000 Betroffene angestiegen sein soll, wird deutlich, dass in der Tat ein Ungleichgewicht zwischen Profiten und Investitionen in Spielerschutz besteht.

Kritisiert wird auch die exzessive Werbung für Bet365 als Online Glücksspielanbieter. Wer insbesondere die britische Premier League verfolgt, wird in so ziemlich jeder Werbepause einen Spot für Bet365 sehen.

Vom Wettbüro um die Ecke in die weite Online Welt

Während die schieren Zahlen, von denen man als Durchschnittsverdiener nicht einmal zu träumen wagt, in der Tat für heftige Gefühle sorgen können, ist es interessant nachzuschauen, wie die Familie Coates und das Unternehmen überhaupt so groß werden konnten.

In ihrer Jugend und im jungen Erwachsenenalter half Denise Coates in den kleinen Wettbüros ihres Vaters (Provincial Racing) in der englischen Stadt Stoke-on-Trent aus. Sie besuchte schließlich die Universität Sheffield, wo Sie den Studiengang der Ökonometrie mit der Bestnote abschloss.

Nach Beendigung ihres Studiums half sie ihrer Familie, das Geschäft auf fast 50 Standorte auszuweiten, doch der große Erfolg kam erst, als Coates das Potential des Online Glücksspiels entdeckte.

Für knapp 22.000 Euro kaufte Sie den Domain-Namen Bet365, auf dem das zukünftige Wettgeschäft online stattfinden sollte. In einem Interview mit der britischen Zeitung Guardian [Seite auf Englisch] sagte sie 2012, dass die Familie dafür auf sämtliche Wettbüros eine Hypothek aufgenommen habe. Damals bezeichnete sie ihre Familie als „die ultimativen Zocker“, denn es war längst nicht sicher, ob sich die Investition in ein Online Wettbüro auszahlen würde.

Stoke-on-Trent
Hauptsitz von Bet365 noch immer in Stoke-on-Trent (Bild: Wikipedia)

Fast 20 Jahre nach diesem gewagten Schritt ist es jedoch kaum noch in Worte zu fassen, wie sehr sich die Investition der Familie in den Online Markt gerechnet hat. Die Familie legte dabei stets Wert darauf, in der Stadt Stoke-on-Trent zu bleiben, wo Bet365 heute wirtschaftlich als Unternehmen nicht mehr wegzudenken ist.

Die Region litt in den vergangenen Jahren sehr unter einem Rückgang der Keramik-, Bergbau- und Stahlindustrie und derzeit ist Bet365 dort der größte private Arbeitgeber.

Bet365 gründete 2012 auch seine eigene Wohltätigkeitsorganisation, die Denise Coates Foundation. Die Stiftung hat bisher mehr als 100 Millionen Pfund an diverse Hilfsorganisationen gespendet.

Ob der hart erkämpfte Aufstieg und die getätigten Spenden genug sind, um die hohen Gehälter des Vorstandes zu rechtfertigen, lässt Meinungen weit auseinanderdriften. Doch solang das Problem der Spielsucht, insbesondere bei Minderjährigen, vorherrscht, werden die lauten Rufe der Empörung nicht verstummen.