WestLotto warnt vor simulierten Glücksspiel-Apps

Veröffentlicht am: 21. Oktober 2019, 04:34 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. Oktober 2019, 04:34 Uhr.

Das staatlich geführte regionale Lotterieunternehmen WestLotto hat sich Ende letzter Woche zum Thema Glücksspiel unter Minderjährigen und Jugendschutz geäußert. WestLotto kritisierte dabei vor allem Glücksspiel-Simulations-Spiele wie Coin Master, deren Zielgruppe unter anderem Kinder sind.

Westlotto Sitz in Münster
WestLotto warnt vor Glücksspiel-Simulationen (Bild: Wikimedia/ Dietmar Rabich)

Das Gratis-Spiel sei demnach besonders gefährlich, weil sekundenschnelle In-App-Käufe getätigt werden könnten und Kinder aufgrund des Spieldesigns direkt mit dem Konzept des Glücksspiels in Berührung kämen.

Lücken im Jugendschutz

Seit einigen Jahren beschäftigt sich NRWs staatliche Lotterie WestLotto intensiv mit der Welt des Online Glücksspiels. Das Unternehmen bietet seit wenigen Jahren bereits Online Lottoscheine an und seit letztem Jahr auch Online Rubbelkarten.

Mit der Ausweitung der Online Geschäfte hat WestLotto auch den Aspekt des Spielerschutzes erneut unter die Lupe genommen.

Slot Beispiel bunte Farben
Viele Glücksspiele locken mit bunten Farben und lustigen Themen (Bild: Flickr/
FolsomNatural)

Wie sich dem neuesten Pressestatement des Unternehmens entnehmen lässt, seien dabei Mängel innerhalb der deutschen Gesetzgebung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf das Glücksspiel aufgefallen.

Demnach gebe es zahlreiche Glücksspiel-Angebote im Netz, die kindgerecht wirkten und daher Minderjährige anzögen. Bunte Farben oder Spielthemen aus Abenteuer und Märchen könnten beispielsweise Kindern vermitteln, dass die Spiele für sie geeignet seien.

Das beziehe sich nicht nur auf die ohnehin in Deutschland illegalen Online Casinospiele von ausländischen Anbietern, sondern auch auf die völlig legalen Smartphone-Games, in welchen das Glücksspiel simuliert wird.

Jugendschutzorganisationen hätten bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien längst Anträge auf Indizierung derartiger Spiele gestellt. WestLotto unterstütze diese Anträge und hoffe, dass der Forderung nach einer Indizierung stattgegeben werde.

Die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG (WestLotto) wurde im Jahr 1955 gegründet und hat heute ihren Sitz in der westfälischen Stadt Münster. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 346 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Gesamtumsatz von 1,62 Mrd. Euro.

WestLotto darf als einziger Anbieter in Nordrhein-Westfahlen auch legal Online Lottospiele und Online Rubbellose anbieten. Laut dem letzten Finanzbericht von 2018 würden mittlerweile gut 13 % der Gesamteinnahmen durch diese digitalen Angebote erzielt.

Scharfe Kritik gegen „Coin Master“

WestLotto hat im Hinblick auf die geforderte Indizierung vor allem das beliebte mobile Spiel Coin Master ins Visier genommen. Coin Master ist in jedem Smartphone Store kostenlos und ohne Altersbeschränkung erhältlich. Warnhinweise bezüglich der potentiellen Gefahren für Kinder und Jugendliche sind nicht zu finden.

Spieler des Spiels bauen ein buntes Dorf mit virtuellen Figuren. Um dieses Dorf aufzubauen und Gegenstände und Features freizuschalten, müssen Spieler mit „Coins“, also virtuellen Münzen, zahlen. Diese können entweder durch glücksspiel-ähnliche Spiele erspielt oder direkt durch In-App-Käufe erworben werden.

Laut WestLotto sei es möglich, innerhalb einer einzigen Transaktion 109,99 Euro einzuzahlen. Da die Anzahl der Transaktionen unbegrenzt sei, könnten in kürzester Zeit Tausende von Euro ins Spiel investiert werden.

Bei Coin Master werden aktiv kostenpflichtige In-App-Käufe beworben, durch die Kinder und Jugendliche leicht in die Schuldenfalle tappen können. Außerdem werden Kinder und Jugendliche, ohne die nötige Reife zu haben, systematisch an das Thema Glücksspiel herangeführt.

Coin Master sei außerdem ein besonders treffendes Beispiel, da viele Prominente für das Spiel werben. Dazu zählten vor allem die bei Minderjährigen beliebten „Influencer“ oder „YouTuber“ Pietro Lombardi, Simon Desue oder die PrankBros. Auch Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger stünden mit dem Spiel in Verbindung.

WestLotto weist in seiner Meldung auch daraufhin, dass hinter dem Spiel die Firma Moon Active steht. Einige der Manager dieser Firma seien im Vorstand von in Deutschland illegalen Online Glücksspielfirmen, z.B. bwin, tätig.

Seit seinem Launch habe das Spiel gut 280 Mio. US-Dollar (knapp 251 Mio. Euro) Umsatz generiert.

WestLotto engagiert sich in der Prävention

Kinder am Tablet bei Smart Camps
Westspiel setzt auf Aufklärung bei Kindern (Bildquelle: SMART CAMPS/ BG3000

Statt die Anbieter dieser Spiele lediglich anzuklagen oder auf eine baldige Gesetzesänderung zu hoffen, engagiert sich WestLotto zudem im Bereich der Spielsucht-Prävention bei Kindern und Jugendlichen.

Nicht nur sorgen Identifizierungs- und Authentifizierungsmaßnahmen bei WestLotto selbst dafür, dass Minderjährige keinen Zugriff auf die Glücksspiele erhalten, sondern beteiligt sich das Unternehmen auch am Projekt „Smart Camps“, einem Aufklärungsprogramm, welches seit einigen Jahren an Schulen zum Einsatz kommt.

Bei Smart Camps besuchen Sportler der eSports-Szene, YouTuber oder Instagramer die Schüler, um diese über die Welt der digitalen Spiele und deren Risiken aufzuklären.

WestLotto unterstützt das Projekt finanziell, um nach eigener Aussage seiner Verantwortung gerecht zu werden und bei der „jungen Generation“ mehr Bewusstsein und Entscheidungskraft über die Spiele zu schaffen.