In der aktuellen Ausgabe seines Neo Magazin Royal widmet sich Satiriker Jan Böhmermann unter anderem der Spieleapp Coin Master und fordert deren Einstufung als „jugendgefährdend”. Das Handy-Game ist bereits seit längerem in der Kritik, weil es im Verdacht steht, Kinder und Jugendliche gezielt anzusprechen und an das Glücksspiel heranzuführen.

Coin Master App

Harmloser Zeitvertreib oder Gefahr für Minderjährige: Spiele App Coin Master (Quelle:amazon.de/Moon-Active-Coin-Master-dp/B071P6S2FL

Zuschauer sollen Bundesprüfstelle einschalten

In einem rund 20-minütigen Beitrag im Rahmen der Sendung Neo Magazin Royal blickte Moderator Jan Böhmermann am Donnerstagabend hinter das niedliche Interface der populären Spieleapp Coin Master.

Dabei zog er ein deutliches Fazit: Es sei dringend an der Zeit, dass sich die zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) mit Coin Master und anderen Produkten aus dem Bereich des sogenannten „simulierten Glücksspiels“ beschäftigen solle.

 

Da eine Prüfung nur auf Anfrage von außen geschehen könne und das Neo Magazin Royal nicht antragsberechtigt sei, wandte sich Böhmermann mit einer Bitte an die Zuschauer:

Wer bei einem Amt oder einer Bildungseinrichtung beschäftigt sei, solle sich auf ein kleines „Verwaltungsabenteuerspiel“ einlassen und bei der BPjM einen Antrag auf Indizierung simulierter Glücksspiel Apps stellen.

Downloadzahlen zufolge scheinen sich weltweit mehr als 50 Millionen Spieler die Zeit mit Coinmaster vertreiben. Im Spiel geht es darum, sich eine virtuelle Welt aufzubauen.

Die einzelnen Schritte müssen mit sogenannten Coins erkauft werden, die der Spieler durch das Drehen einer an einen Spielautomaten erinnernden Maschine erhält. Wer sich nicht auf die kostenlosen 5 Spins pro Stunde beschränken möchte, kann diverse Pakete gegen Echtgeldbeträge von 1,09 EUR bis 350 EUR erwerben.

Allein im Juni 2019 sollen deutsche Spieler rund 6 Millionen EUR für In-Game-Käufe ausgegeben haben.  Insgesamt soll die App Schätzungen zufolge bereits einen Umsatz von über 280 Millionen USD generiert haben.

Simuliertes Glücksspiel – Glücksspiel ohne Einschränkungen?

Kritiker sehen den Erfolg von Coin Master mit Sorge: Für sie sind derartige Angebote Glücksspiel, dass sich durch seine Schlichtheit und kinderfreundliche Aufmachung direkt an Minderjährige wende.

Man könne jedoch nur von „simuliertem Glücksspiel“ sprechen, weil die Klassifizierung als Glücksspiel auf notwendigen Voraussetzungen beruhe, die die App nicht erfülle:

Zum einen sei der Ausgang des Spiels nicht zufällig, sondern werde von einem Algorithmus gesteuert. Zum anderen würde kein echtes Geld eingesetzt, sondern nur die virtuellen Coins. Weiterhin sehe das Spiel auch keine Geldgewinne vor.

Diese Einordnung, so die Meinung von Experten, stelle eine Lücke im Jugendschutzgesetz dar. Durch sie sei Coin Master nicht an die Richtlinien für Glücksspiel in Deutschland gebunden und falle auch nicht in die Zuständigkeit der für Altersfreigaben zuständigen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).

Wer steckt hinter Coin Master?

In seinem Beitrag stellt sich Jan Böhmermann die Frage, ob die App, abgesehen von den immensen Einnahmen durch In-Game-Käufe, auch einem weiteren Zweck dienen könne, und scheint fündig zu werden:

So sei Coin Master das einzige Produkt des Start Ups Moon Active (Seite auf Englisch). Hinter dem Unternehmen stünden mit Investoren wie Gigi Levy-Weiss, ehemaliger Chef der 888 Holdings und Norbert Teufelberger, Gründer des Online Buchmachers bwin, erfahrene Schwergewichte der Glücksspielbranche.

Der Verdacht: Simulierte Glücksspiele könnten der Versuch sein, gerade unter Minderjährigen das Interesse am Glücksspiel zu wecken. Besonders bizarr erscheint in diesem Kontext das von Böhmermann präsentierte Endgame von Coin Master: Das Level 205 soll den Namen „Spielhalle“ tragen und eine winkende Figur vor einer Spielhalle zeigen.

Ein Plan, der aufgehen könnte, denn laut Experten, wie dem im Neo Magazin Royal zitierten Glücksspielsuchtforscher Dr. Tobias Hayer, sind Kinder und Jugendliche hier besonders anfällig:

Simuliertes Glücksspiel birgt einige Gefahren: Zum einen wird durch Normalisierungstendenzen eine positive Einstellung gegenüber Glücksspiel begünstigt. Zum anderen fördern die oft überhöhten Ausschüttungsquoten unrealistische Gewinnerwartungen und damit den Irrglauben, dass Gewinnen auch bei echtem Glücksspiel einfach sei. In letzter Konsequenz schürt dies den Wunsch auch mal um echtes Geld zu “zocken”. Junge Spieler sind dafür besonders anfällig.

Coin Master selbst betont, das Spiel sei nicht für Spieler unter 16 Jahren konzipiert.

Folgen für Coin Master nicht ausgeschlossen

Bereits in der Vergangenheit stellte Moderator und Satiriker Böhmermann unter Beweis, dass er sich nicht scheut, sich öffentlich mit mächtigen Personen und Institutionen anzulegen. Inwieweit das Publikum seinem Aufruf folgen und eine Überprüfung von Coin Master und ähnlichen Apps auf den Weg bringen wird, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen.

Zweifellos aber hat die bereits lange schwelende Empörung über diese Form des simulierten Glücksspiels mit dem Einsatz des Neo Magazin Royal nun einen neuen vorläufigen Höhepunkt erreicht.