Macau: Droht der VIP-Casino-Branche das Aus?

Veröffentlicht am: 18. August 2020, 01:31 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. August 2020, 01:34 Uhr.

Chinas Bestreben, Online-Glücksspiele auszumerzen, um Kapitalabflüsse einzudämmen, könnte die Liquidität im VIP-Glücksspiel-Segment von Macau erheblich beeinflussen. Dies hat die Nachrichtenagentur Reuters am heutigen Dienstag berichtet.

Macau, weißes Gebäude
Geschäfte mit VIP-Spielern in Macau durch Regierungsmaßnahmen in China erheblich eingeschränkt. (Bild: pikist.com)

China habe dabei insbesondere die sogenannten „Junkets“, die Vermittler von High-Stakes-Spielern an die Macauer Casinos, im Visier. Für Unternehmen wie AG Asia Entertainment mit Sitz auf den Philippinen und Suncity könnt dies das Aus bedeuten.

Die Regierungsmaßnahmen kämen zu einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus sowie der politischen Spannungen zwischen China und den USA behindert werde, berichtet Reuters [Seite auf Englisch].

Glücksspiel ist auf dem chinesischen Festland illegal. Junkets operieren in einer Grauzone und locken gutbetuchte Spieler aus China mit Luxusangeboten und großzügigen Krediten an, wobei häufig Online-Bankennetze und -Zahlungskanäle genutzt werden.

Im Juni klassifizierte die Regierung in Peking den grenzüberschreitenden Geldfluss für Glücksspiele als nationales Sicherheitsrisiko. Um einen besseren Überblick über die finanziellen Transaktionen zu erlangen, wurden die Finanzierungskanäle des Online-Glücksspielsektors und der Kryptowährung-Plattformen vom Netz genommen und Zehntausende von Verdächtigen inhaftiert.

Laut Regierungsangaben hätten die Behörden Tausende von Bankkonten eingefroren und mehr als 229 Milliarden Yuan (ca. 28 Milliarden Euro) beschlagnahmt, während illegale Glücksspielringe im ganzen Land fast wöchentlich gesprengt wurden.

Sind die goldenen Zeiten in Macau vorbei?

Führungskräfte von Macaus Junket-Unternehmen sagten, dass Chinas Maßnahmen zwar nicht auf die Casino-Branche selbst abzielten, aber der Fokus auf Geldwäsche und illegale Transaktionen erheblichen Druck auf die Liquidität ausübe.

Darüber hinaus nehme die Regierung führende Junket-Betreiber ins Visier. So sei das Unternehmen Suncity im vergangenen Monat kontrolliert worden. Daraufhin hätten etwa 900 Spieler zwischen dem 9. und 11. Juli ihre Einlagen von Suncitys VIP-Clubs in den Casinos in Macau abgehoben, aus Angst, die Behörden könnten die Gelder beschlagnahmen.

Auch AG Asia Entertainment, ein von den Philippinen aus betriebenes Online-Junket-Unternehmen, musste den Betrieb einstellen. Die Kunden wurden dazu aufgefordert, ihr Guthaben bis zum 12. August abzuheben.

Anthony Lawrance, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Greater Bay Insight, kommentierte die derzeitige Situation:

Der Junket-Sektor in Macau lebt seit Jahren von geliehener Zeit, und das Ende rückt näher.

Auch Lam Kai Kuong, Direktor der Macau Junket Association, glaubt, das Vorgehen gegen Junkets könne bedeuten, dass die besten Tage der VIP-Einnahmen vorbei seien. Wenn China seine Richtung nicht ändere, werde die Branche nicht mehr die Umsätze der vergangenen Jahre erzielen können.