Milliarden­angebot passé: Draft­Kings tritt von Entain-Über­nahme zurück

Veröffentlicht am: 27. Oktober 2021, 11:54 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 27. Oktober 2021, 01:04 Uhr.

In der Glücksspielbranche scheint eine weitere milliardenschwere Firmenhochzeit geplatzt zu sein. Am Dienstag gab der US-Anbieter DraftKings bekannt, nicht in konkrete Verhandlungen über den rund 22 Mrd. USD (19 Mrd. Euro) teuren Kauf des britischen Konkurrenten Entain einzusteigen.

Handschlag Kreuz Geld
Die kostspielige Übernahme ist vorerst geplatzt. (Bilder: Pixabay, Collage: Casino.org)

In einem an seine Investoren gerichteten Statement [Seite auf Englisch] erklärte DraftKings, die Entscheidung sei nach umfangreicher Analyse und Gesprächen mit dem Entain-Vorstand gefallen. Detaillierte Gründe gab der Konzern jedoch nicht bekannt.

DraftKings-CEO Jason Robins erklärte stattdessen, dass man auch allein an den Erfolg glaube:

Basierend auf unseren (…) erstklassigen Produkt- und Technologiefähigkeiten und als führende Marke sind wir sehr zuversichtlich, dass wir unsere Führungsposition halten und unsere langfristigen Wachstumspläne auf dem schnell wachsenden nordamerikanischen Markt verwirklichen können.

Der Rückzug untersage DraftKings nach britischem Unternehmensrecht die Abgabe eines erneuten Angebotes in den kommenden sechs Monaten. Einzige Ausnahme sei, wenn ein anderer Interessent eine Kaufofferte für Entain unterbreite. Dessen Management beeilte sich am Dienstag mit der Erklärung, dass man selbstbewusst auf die eigenen Fähigkeiten und Zukunftsaussichten blicke.

Nach MGM nun auch DraftKings

Mit dem DraftKings-Rückzieher zeigt sich erneut, dass Entain ein nur schwer zu schluckender Konkurrent ist. Schließlich ist dies schon der zweite erfolglose Versuch eines US-Glücksspielanbieters, den Entain-Konzern zu kaufen.

Bereits im April hatte der Casino-Betreiber MGM Entertainment für den Wettbewerber geboten. Dieser hatte damals das mit rund 11 Mrd. USD nur halb so lukrative Angebot umgehend als zu niedrig zurückgewiesen.

MGM dürfte eine entscheidende Rolle bei DraftKings‘ Entscheidungsfindung gespielt haben. Das Unternehmen betreibt gemeinsam mit Entain den US-Sportwetten-Anbieter BetMGM. Deshalb hatte das MGM-Management bereits frühzeitig erklärt, aufgrund der Verflechtung in die Gespräche mit eingebunden werden zu wollen.

DraftKings hätte aus Sicht von Finanzanalysten Entain nur erwerben können, um sich dann umgehend vom wachstumsstarken 50 %-Anteil an BetMGM zu trennen. Sie zeigten sich deshalb wenig überrascht. So erklärte des Investmenthaus JP Morgan, dass der Deal einfach zu kompliziert für einen erfolgreichen Abschluss gewesen sei.

Allerdings spekulieren Börsianer bereits, dass MGM nun seinerseits ein neues, deutlich verbessertes Angebot auf den Tisch legen könnte. Die geplatzte Übernahme quittierten die Händler mit harten Abschlägen bei der nun um die Übernahmefantasie beraubten Entain-Aktie. Sie verlor am Dienstag knapp 8 %, während DraftKings-Anteile um über 6 % zulegten.