Deutscher Magier Jan Rouven wegen Kinderpornographie in Las Vegas zu 20 Jahren Haft verurteilt

Veröffentlicht am: 2. März 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. März 2019, 06:16 Uhr.

Der ehemalige deutsche Zauberkünstler Jan Rouven (41), bürgerl. Jan Rouven Füchtener, wurde von einem Gericht in Las Vegas zu 20 Jahren Gefängnis und der Zahlung von über einer halben Million US-Dollar verurteilt. 2016 waren bei dem gebürtigen Frechener über 9000 Dateien sichergestellt worden, die den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten.

Jan Rouven Füchener
Jan Rouven war einer der berühmtesten Magier der Welt (Quelle:Economic Oldenburger, licensed under CC BY-SA 4.0)

Medienberichten zufolge war Füchtener bei der Urteilsverkündung durch Oberbezirksrichterin Gloria Navarro erstarrt und rücklings vom Stuhl gefallen.

Trotz der von der Anklage geforderten Freiheitsstrafe von 30 Jahren soll der Magier überrascht von der Härte des Urteils gewesen sei. Nach einem Schluck Wasser habe er sich allerdings wieder aufgerappelt, ob er wirklich bewusstlos gewesen sei, vermochten seine Anwälte später nicht zu sagen.

Jan Rouven Füchtener blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück. In Deutschland war er ein beliebter Gast in großen TV-Shows, trat im Abendprogramm mit Helene Fischer, Florian Silbereisen und Stefan Raab auf. Mit nur 32 Jahren gelang ihm 2011 der Sprung nach Las Vegas, in den Olymp der Show-Magier.

German Wunderkind

Endgültig an der Spitze angekommen war Füchtener 2014, als er als erster Deutscher nach dem Zauber-Duo Siegfried & Roy eine eigene Show auf dem Las Vegas Strip bekam. Im Tropicana begeisterte er Abend für Abend mit „The New Illusions“ sein Publikum.

Die Illusion des sauberen „German Wunderkind“ endete im März 2016, als Füchtener in Las Vegas festgenommen wurde. Ermittler des FBI hatten in seiner Villa über 9000 Bilder und Videos sichergestellt, auf denen sexuelle Handlungen an Kindern dargestellt wurden.

Seither befindet sich Jan Rouven in Haft. Bereits bei einer ersten Anhörung hatte die damals zuständige Richterin entschieden, dass eine Freilassung auf Kaution nicht in Frage komme: Füchtener sei eine Gefahr für die Gesellschaft, zudem bestehe die Möglichkeit, dass er versuchen könne, sich nach Deutschland abzusetzen.

Tropicana Las Vegas
Für zwei Jahre hatte der Verurteilte eine eigene Show im Tropicana Las Vegas (Quelle:Tristan Surtel, licensed under CC BY-SA 4.0)

Filesharing als Lars Schmidt

Auf die Spur waren die Ermittlungsbehörden dem Deutschen durch seine Online-Aktivitäten gekommen. So habe der Magier unter dem Decknamen Lars Schmidt auf einschlägigen Plattformen Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht und Dateien, in denen der sexuelle Missbrauch von Kindern dargestellt wurde, heruntergeladen und getauscht. Auch via Email und Skype sollen derartige Kontakte vollzogen worden sein.

Jan Rouven, dessen Engagement im Tropicana Casino mit Bekanntwerden des Verdachts ein jähes Ende gefunden hatte, bestritt die Vorwürfe: Medienberichten zufolge gab der damals 38-Jährige an, besagte Filesharing-Portale ausschließlich genutzt zu haben, um deutsches Fernsehen und Zaubershows herunterzuladen.

Die Sache mit den Passwörtern

Dass die entsprechenden Medien auf seinen Dateiträgern gespeichert waren, könne er sich nicht erklären, allerdings hätten etliche der Gäste in seiner 900-Quadratmeter-Villa sowohl Zugang zu seinen Computern als auch Passwörtern gehabt.

Dem allerdings hatte Rouvens Manager und Ehemann Frank Alfter widersprochen: Sein Partner sei der einzige gewesen, der das entsprechende Passwort gekannt habe. Zudem habe sein 20 Jahre jüngerer Mann zu Hause massenhaft pornographisches Material konsumiert. Von strafbaren Inhalten habe er selbst allerdings keine Kenntnis gehabt.

Nicht schuldig – Schuldig – Nicht schuldig

Gefängniszelle Gitter
Magier Jan Rouven wird die nächsten 20 Jahre in Amerika im Gefängnis verbringen (Quelle:flickr.com/Jobs For Felons Hub, licensed under CC BY 2.0)

Im November 2016 dann die Wende: Kurz nach Prozessbeginn plädierte der Magier in mehreren Anklagepunkten auf schuldig.

Kurz darauf und vor Verkündung des Strafmaßes wechselte Rouven seine Verteidiger und erneut die Strategie:

Er sei von seinen vorherigen Anwälten falsch beraten und nicht über die Konsequenzen seines Schuldeingeständnisses aufgeklärt worden, ließ er über sein neues Team verbreiten und forderte, das Geständnis zurückziehen zu dürfen. Nach langwierigen Verhandlungen wurde dieses Ansinnen im Juni 2018 zurückgewiesen.

Langeweile und Gruppenzwang

Mit der Verkündung des Strafmaßes endete nun ein knapp drei Jahre andauernder Prozess. Kurz zuvor hatte der Angeklagte bei seinem vorerst letzten Auftritt vor Gericht noch einmal das Wort ergriffen: Knapp zehn Minuten lang schilderte er seine Liebe zur Magie und sein Leben im Exzess. Partys und Drogen hätten ihm den Blick dafür, was gut und was böse sei, vernebelt, so der 41-Jährige.

Seine Ansammlung von Dateien sei auf Langeweile, den Konsum von Methamphetaminen und das Umfeld, das er sich außerhalb seiner Shows geschaffen habe, zurückzuführen.

Er selbst habe sich die entsprechenden Dateien aber nie gern angesehen. Auf die Nachfrage der Richterin, warum er es dann überhaupt getan habe, antwortete Rouven, er wisse es nicht, vielleicht um vor anderen gut dazustehen.

„Wie in einer Seifenoper“

Kurz zuvor hatte die Vertreterin der Anklage, Elham Roohani, in ihrem Plädoyer mit den Tränen gekämpft, als sie sich an das „Wimmern“ und die „herzzerreißenden Schreie“ der Opfer erinnerte. In der Prozessvorbereitung hatte sie sich durch das bei Rouven gefundene Beweismaterial kämpfen müssen, in dem u.a. Kinder im Alter von drei und vier Jahren sexuell missbraucht wurden.

In ihrer Urteilsbegründung bezeichnete Richterin Navarro Füchtener als schamlosen Lügner und Manipulator, der sich vor Gericht wie in einer Seifenoper aufgeführt habe. Das Einzige, was er wirklich bereue, sei der Umstand, entlarvt worden zu sein.

Der ehemalige Superstar der Magierszene wird im Anschluss an seine Haftstrafe umgehend nach Deutschland abgeschoben. Er wird dann über 60 sein.