Las Vegas und das Glücksspiel im Wandel der Zeit

Veröffentlicht am: 23. Dezember 2018, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Dezember 2018, 06:17 Uhr.

Ob falsche Seufzerbrücke im Venetian-Casino-Ressort, glitzernde Spielautomaten oder Elvis-Double in der Little White Chapel: Kaum ein Ort versorgt uns so schnell und zuverlässig mit Assoziationen wie die Stadt der Sünde. Wie aber kam es dazu, dass Las Vegas, dieser Flecken in der Wüste Nevadas, weltweit berühmt und nicht weniger berüchtigt wurde?

Las Vegas 1959
Eine Stadt im Wandel der Zeit: Las Vegas in den 1950ern (Quelle:Desert Supply Company, Las Vegas, licensed under United States Copyright Office page 2)

Junge Männer auf der Suche nach Zerstreuung

Die offizielle Gründung der Stadt Las Vegas erfolgte im Jahr 1905. Den entscheidenden Schritt zur Metropole Las Vegas, wie wir sie heute kennen, brachte aber der Beginn des Baus des Hoover-Staudamms im Jahr 1931.

Mit den Staudammarbeitern setzte sich der Bevölkerungstrend fort, der mit den Minenarbeitern begonnen hatte: Hart arbeitende, zumeist junge Männer dominierten das Stadtbild. Insbesondere am Abend sehnten sie sich nach Abwechslung und Zerstreuung von ihrem entbehrungsreichen Alltag. Ein Umstand, dem die Stadt begann Rechnung zu tragen:

Nachtklubs und Bars schossen wie Pilze aus dem Boden, um den Männern Raum für ihr Vergnügen zu bieten. Und auch das verhältnismäßig moderate Heirats- und Scheidungsrecht lockte so manchen Freigeist.

Al Capone und das Glücksspiel

Al Capone
Mafiaboss Al Capone erkannte als einer der ersten das Potezial der Stadt in der Wüste (Quelle:Federal Bureau of Investigation, public domain)

Einer, der die Zeichen der Zeit schon früh erkannte, war Mafia-Ikone Al Capone: So soll er mit hohen Summen, die in die Taschen der Verantwortlichen flossen, für die Aufhebung des Roulette-Verbots in Nevada im Jahr 1931 gesorgt haben.

Das Glücksspiel, das sich zu den anderen Lastern, die Las Vegas bereithielt, gesellte, entpuppte sich als wahrer Glücksbringer für die Mafia.

Während sich die feinen Banken ihre Namen nicht mit der Finanzierung von Casinos beschmutzen wollten, erkannte das organisierte Verbrechen seine Chance schnell:

Die Einkünfte aus Schwarzbrennerei und anderen Geschäften konnten in Las Vegas ganz unproblematisch gewaschen werden.

Bugsy Siegel und das Flamingo

Ab Mitte der 40er- Jahre des vergangenen Jahrhunderts verließen die Syndikate ihre Rolle im Schatten. Als erster trat Benjamin “Bugsy” Siegel vor. Er hatte sich in der Unterwelt New Yorks bereits einen Namen gemacht und setzte nun auf Las Vegas als neue Einnahmequelle.

Von vornherein wollte er neue Maßstäbe setzen und sammelte hierfür 1 Million Dollar unter seinen Geschäftsfreunden ein. Mit dem Geld sollte eine Luxusunterkunft mit einem Casino entstehen.

Doch wie das bei Großprojekten so ist, verschlangen die Bauarbeiten deutlich mehr, als zunächst angesetzt. Die Investoren verloren das Vertrauen und Bugsy sein Leben: 1947, ein Jahr nach Eröffnung des Prachtbaus, dessen Kosten auf sechs Millionen US-Dollar angeschwollen waren, wurde er in Beverly Hills erschossen. Das Edelhotel, das noch heute den klangvollen Namen „Flamingo“ trägt, ging an seine Gläubiger über.

Bereits nach Kurzem konnten sie schwindelerregende Gewinne verbuchen.

Dieses Geschäftsmodell weckte Begehrlichkeiten und schnell siedelten sich weitere Mafiagrößen in der Stadt in der Wüste an, wuschen Geld und profitierten von den Vergnügungssüchtigen, die Las Vegas für sich entdeckt hatten.

Neben den zahllosen Angeboten, die das Nachtleben, das sich mittlerweile weit in den Tag erstreckte, mit sich brachte, bescherte ein weiterer Tourismusmagnet der Stadt landesweite Aufmerksamkeit:

Tausende von Amerikanern machten sich von 1951 bis 1961 auf, um auf der 100 Kilometer von Las Vegas entfernten Nevada Test Side, einer sich wiederholenden Attraktionen beizuwohnen:

Atompilz
Ein Spektakel in der Wüste: Kernwaffentest im April 1953 (National Nuclear Security Administration, public domain)

Bei „Atomic Burgern“ und Wahlen zur „Miss Atomic Blast“ beobachtete man aus kurzer Entfernung die von Bombentests hervorgerufenen Atompilze, die nach einem grellen Blitz in den Wüstenhimmel stiegen. Was für eine bombige Unterhaltung!

In den 60ern wurde es schwierig für die Mafia in Las Vegas: Zwar liefen die Geschäfte gut, doch zunehmend mischte sich die Regierung ein, die ihrerseits ein Auge auf das Kleinod in der Wüste geworfen hatte. Mehr als zuvor sollten gut betuchte Besucher und Investoren Geld in die Kassen spülen, das Gangster-Image war nicht mehr akzeptabel.

Die Mafia stand unter Druck.

Howard Hughes
Milliardär Hughes in jungen Jahren (Quelle:Library of Congess, public domain)

Ein Milliardär übernimmt

Howard Hughes, Unternehmer, Filmproduzent und Millionenerbe quartierte sich 1966 mit seiner Entourage im Edelhotel Desert Inn ein und kaufte dem organisierten Verbrechen in den folgenden vier Jahren alles ab, was nicht niet- und nagelfest war.

Angeblich steckte das US-Justizministerium hinter dem Coup: Während Hughes auf Anlagen und Steuersparmodelle spekulierte, setzte die Behörde alles daran, den Gangstern die wirtschaftliche Grundlage in der Stadt zu entziehen.

Mit Erfolg: Im Angesicht des entschlossenen Staates zogen die Mafiakartelle es vor, das Feld freiwillig zu räumen, natürlich mit einem dicken Paket Abschiedsgeld.

Caesars Palace- Das erste Themenhotel

Im Windschatten Hughes´ hatte sich Las Vegas binnen weniger Jahre von einem mafiakontrollierten Sündenpfuhl zu einem familienfreundlichen Ausflugsziel verwandelt.

Neben dem Glücksspiel steht Las Vegas seit vielen Jahren für Unterhaltung und Shows auf höchstem Niveau.

Seit den 1960ern brachte insbesondere das legendäre Rat Pack, eine Gruppe befreundeter Entertainer zu denen unter anderem Frank Sinatra, Lauren Bacall, Humphrey Bogart, Judy Garland und David Niven gehörten, das Publikum mit Songs, Geschichten und Alkoholexzessen auf der Bühne zum Toben.

Nicht weniger in Ekstase versetze Elvis Presley sein Publikum. Von 1969 bis 1976 soll der King an 837 aufeinanderfolgenden Abenden vor ausverkauften Sälen gespielt haben und festigte so nicht nur seinen eigenen Mythos, sondern auch den der Stadt in der Wüste.

Seither gibt es für viele Künstler keine größere Ehre, als eine sogenannte Residency in einem der Casinos auf dem Las Vegas Strip zu erhalten.

Fernab des Tourstress begeistern auch heute Megastars ihr Publikum regelmäßig mit opulenten Shows in der Glücksspielmetropole und verdienen damit pro Saison nicht selten Summen im zweistelligen Millionenbereich.

Neben Stars wie Celine Dion, Britney Spears und Cher, die schon beinah zum Inventar von Las Vegas gehören, gaben sich auch Elton John, Prince und Guns`n`Roses die Ehre. Für das kommende Jahr haben sich bereits Robbie Williams und Lady Gaga angekündigt.

Anteil am Wachstum Las Vegas` hatte auch Jay Sarno, ein Lebemann und Bauunternehmer, der die Idee vom heutigen Las Vegas auf die Welt brachte. Mit seinem Caesars Palace entstand 1966 das erste der vielen, heute weltweit berühmten Themenhotels am und um den Las Vegas Strip.

Circus Circus Ad
Mit dem “Circus, Circus” hatte sich Sarno übernommen. Heute gehört es zur MGM-Gruppe (Quelle:Erica Chang, licensed under CC 3.0)

Sein Unterhaltungscasino „Circus, Circus”, in dem er gern auch mal selbst als Zirkusdirektor verkleidet für Amüsement sorgte, war allerdings eine Nummer zu groß:

Mitte der Siebziger hatte es Millionen verschlungen und musste schließen. Mit dem Traum eines gigantischen Komplexes mit 6000 Zimmern versuchte Sarno es weiterhin bei potenziellen Geldgebern. Vergeblich: Er starb 1984 im Caesars Palace.

Auf ihn folgten diverse Magnaten, die Las Vegas als Goldgrube erkannten und Casinos, Shows und Vergnügungsangebote auf ein neues Level hievten.

Heute kommt Las Vegas auf jährlich rund 40 Millionen Besucher, allein mit dem Glücksspiel werden im Jahr ca. 4,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Die Geschichte vom kleinen Siedlerstädtchen zur Stadt der Sünde ist mit nur 160 Jahren nicht lang, aber ebenso schillernd wie Las Vegas bei Nacht. Und sie wird sich noch lange weiter fortsetzen.