Weitere Überfälle auf Spielhallen in Deutschland

Veröffentlicht am: 8. Oktober 2018, 12:37 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. Oktober 2018, 03:13 Uhr.

In diesem Jahr leiden Spielcasinos unter der steigenden Anzahl an Raubüberfällen. So waren an diesem Wochenende Spielhallen in gleich drei Städten von ihnen betroffen. In Berlin etwa überfiel eine Bande maskierter Täter ein Casino in der Nacht zum Montag und verletzte dabei einen Angestellten.

Motorradhelm
Der Täter in Halle trug einen Motorradhelm. (Bildquelle: pixabay.com)

Überfall auf Spielcasino in Berlin-Moabit

Raubüberfälle nach Täterzahl
Anzahl der Raubüberfälle nach Täter (Quelle: BGHW)

In Berlin-Moabit fand der wohl schwerste Überfall des Wochenendes statt. Hier haben laut Meldungen der Polizei gleich vier bis fünf Maskierte gegen 00:50 Uhr nachts ein Spielcasino überfallen. Ein 35-jähriger Angestellter wurde von den Tätern geschlagen und getreten. Unter weiteren Gewaltandrohungen forderten sie Geld und flüchteten, sobald sie dieses der Kasse entwendet hatten. Der verletzte Angestellte wurde im Krankenhaus behandelt. Dieser Raubüberfall wiegt auch deshalb schwer, weil es sich gleich um vier bis fünf Täter handelte. Dies ist eher selten, betrachtet man die Statistiken der BGHW. Nur rund zwei Prozent aller Überfälle werden von mehr als drei Personen durchgeführt, während mit 59 Prozent mehr als die Hälfte der Überfälle von einem Einzeltäter begangen werden.

Bewaffneter Raubüberfall auf Spielhalle in Herzogenrath

In Herzogenrath bei Aachen überfiel ein Bewaffneter eine Spielhalle am 7. Oktober gegen 22:50 Uhr. Er betrat die Spielhalle und forderte unter vorgehaltener Schusswaffe Geld. Dabei trug er einen Motorradhelm, sodass er bisher nicht identifiziert werden konnte. Geflüchtet ist der Täter mit einem Moped.

Festnahmen nach Spielhallen-Überfall in Halle

Während die Fahndung nach den Tätern der Überfälle in Berlin und Herzogenrath derzeit noch anhalten, wurden in Halle bereits zwei von drei Tatverdächtigen, die am Überfall auf eine Spielhalle beteiligt waren, vorläufig festgenommen.

Hier hatte ein 41-jähriger Mann in den frühen Morgenstunden des Sonntags von einem Angestellten gefordert, ihm kostenfrei Alkohol auszuschenken. Als dieser sich weigerte, zückte einer der Begleiter des 41-jährigen eine Schreckschusspistole und zwang einen Gast, die Getränke zu bezahlen.

Später forderten die Männer am Tresen erneut den Gratis-Ausschank von Getränken. Der Angestellte fügte sich angesichts der Waffe den Forderungen. Als die drei Männer die Spielhalle verließen, verriegelten die Angestellten den Eingang, worauf die drei Männer mit der Schreckschusspistole in die Luft schossen. Später nahm die Polizei einen Tatverdächtigen im Alter von 41 Jahren sowie einen weiteren im Alter von 43 Jahren fest.

Halle und die Nachwirkungen der Überfälle durch die Pizza-Bande

Auch wenn es sich bei der Waffe, die beim Überfall auf das Spielcasino in Halle verwendet wurde, lediglich um eine Schreckschusspistole handelte, dürften die jüngsten Ereignisse die Stadt alarmieren. Erst im vergangenen Jahr verbreitete hier die sogenannte Pizza-Bande Angst und Schrecken. Sie hatte sich durch Überfälle auf Pizzaboten einen Namen gemacht. Doch auch Casinos waren vor der Bande nicht sicher. So hatte sie gleich zweimal die Spielothek überfallen, in der damals 25-jährige Christian Weiß arbeitete. Beim ersten Überfall, so berichtete er der Mitteldeutschen Zeitung, seien die Täter ausgestattet mit einem Messer und einer Pistole in das Casino eingedrungen und hätten ihn gezwungen, sich hinzuknien. Weiter berichtet Weiß der MZ:

„Ich hatte Todesangst und habe damit gerechnet, dass die mir etwas antun. Man weiß ja nicht, ob die Pistole echt ist und der abdrückt.“

Der Pizza-Bande wurde mittlerweile das Handwerk gelegt. Im November 2017 sind zwei ihrer Mitglieder zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Prävention und Nachsorge bei Raubüberfällen

Nicht nur Spielhallen, auch Banken, Tankstellen und Supermärkte sind häufig von Raubüberfällen betroffen. Nicht nur die finanziellen Verluste sind dabei schmerzlich, sondern auch die psychische Belastung der betroffenen Angestellten.

Wie die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik betont, müssen sich Unternehmen organisatorisch auf die mögliche psychische Traumatisierung ihrer Angestellten einstellen. Folgen für das Unternehmen können dabei lange Krankenzeiten bis hin zur Berufsunfähigkeit, aber auch Verhaltensauffälligkeiten oder Rückzugsverhalten gegenüber Kollegen sein.

Für die Prävention von Raubüberfällen empfiehlt die BHGW das 3-D-Modell. Dieses fußt auf dem Davor, dem Dabei und dem Danach von Raubüberfällen. Um den Anreiz von Überfällen zu minimieren, wird unter anderem empfohlen, möglichst wenig Bargeld griffbereit zu haben, Geld in Tresoren aufzubewahren, Überfallmeldeanlagen zu installieren sowie an Eingängen gut sichtbar auf die Sicherheitsvorkehrungen hinzuweisen.

Während des Raubüberfalls steht die Vermeidung der Gewalteskalation an erster Stelle. Auch wenn Meldungen wie die eines Rentners, der den Überfall auf ein irisches Wettbüro verhinderte, stark beeindrucken – Angestellte sollten es dem Täter im Casino so leicht wie möglich machen und auf jedem Fall allen Anweisungen folgen, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen.

Welche Maßnahmen nach einem Raubüberfall zu treffen sind:

Wer nach einem Überfall schnell reagiert und die richtigen Sofortmaßnahmen trifft, kann Betroffene nicht nur vor längerfristigen psychischen Traumatisierungen schützen, sondern auch zur Ergreifung der Täter beitragen.

Direkte Maßnahmen nach dem Raubüberfall:
Erstbetreuung durch Kollegen oder Kollegin ermöglichen.
Betroffenen zur Polizei oder zum Arzt begleiten.
Familienangehörige des Betroffenen informieren.
Psychologische Soforthilfe in Anspruch nehmen.
Das Fahndungsblatt der Polizei ausfüllen.

Weitere Informationen zur Prävention und zur Nachsorge bei Raubüberfällen liefert auch die gesetzliche Unfallversicherung.