UK Gambling Commission setzt Glücksspiel-Lizenz von EveryMatrix aus

Veröffentlicht am: 8. September 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. September 2019, 04:46 Uhr.

Die UK Gambling Commission (UKGC) hat die Glücksspiel-Lizenz des Gaming-Anbieters EveryMatrix Ltd. ausgesetzt. Dies teilte Großbritanniens Glücksspielaufsicht am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit.

Schild vor einer Tankstelle
Die UKGC hat die Lizenz von EveryMatrix zeitweise ausgesetzt. Kommt das Unternehmen zurück auf den britischen Markt? (Quelle: Pixabay)

Laut der UKGC sei die Enthebung die Folge einer Untersuchung auf Grundlage des britischen „Gambling Act 2005“. Er ermächtigt den Regulator dazu, Glücksspiel-Lizenzen im Rahmen von Kontrollen zeitweise zu entziehen.

In der Stellungnahme der UKGC heißt es:

„Gemäß Sektion 118 (2) des Gambling Act 2005 (…) hat die Kommission beschlossen, die oben genannte Betriebsgenehmigung auszusetzen, sofern dies die Fähigkeit des Betreibers betrifft, Remot-Verbindungswege für Real-Event-Wetten anzubieten, bei denen es sich um Pool-Wetten oder virtuelle Wetten handelt.“

Zudem sei das Betreiben von Online Casinos in Großbritannien mit sofortiger Wirkung untersagt. Die Lizenz zur „Herstellung, Lieferung, Installation oder Anpassung von Glücksspielsoftware“ sei davon nicht betroffen.

Gründe für die Entscheidung, und wie lange die Aussetzung dauern soll, teilte die UKGC nicht mit. Der Regulator gab lediglich an, dass Kundeninteraktion ein Teil der Überprüfung sei.

EveryMatrix antwortet seinen Kunden

EveryMatrix meldete sich am Donnerstag ebenfalls mit einem Statement auf seiner Website zu Wort. Das Unternehmen bedauere, seinen britischen Kunden mitteilen zu müssen, bis auf weiteres keine Online-Glücksspiele im Vereinigten Königreich anbieten zu dürfen.

In diesen Geschäftsfeldern ist EveryMatrix aktiv

EveryMatrix wurde im Jahre 2008 in London gegründet. Das Unternehmen besitzt nicht nur eigene Lizenzen zum Betreiben von Online Casinos und virtuellen Wettbüros, sondern produziert Anwendungen für andere Glücksspiel-Unternehmen. Hierzu gehören Software-Produkte für die Zahlungsabwicklung sowie Management- und Affiliate-Systeme.

Zu den Kunden der Firma gehören unter anderem Buchmacher wie Tipico und das in Deutschland bekannte Online Casino Wunderino.

Die Restriktionen beträfen alle Angebote der Webseiten: „www.bookee.co.uk, www.pwrbet.com, www.fantasino.com, www.playfrank.com, www.sportingindex.com, www.westcasino.co.uk, www.dragonaraonline.com, www.jetbull.com, www.mrwin.com und www.casinomulti.com.“

Ferner informierte EveryMatrix seine User darüber, bestehende Accounts jederzeit aufrufen und Auszahlungen vornehmen zu können. Aktive Wetten behielten ihre Gültigkeit. Sollten Spieler eine in der Zukunft liegende Wette vor der Lizenzaussetzung korrekt getippt haben, werde das Preisgeld ausgezahlt.

UKGC geht gegen White Label-Anbieter vor

Ein Wettbüro in Las Vegas
Die UKGC überwacht Glücksspiel im virtuellen und realen Raum. (Quelle: Sports-Book@Mandalay Bay by Prayitno licensed under CC BY 2.0)

Mit dem Vorgehen gegen EveryMatrix scheint die UKGC ein weiteres Mal einen „White Label“-Betreiber ins Visier zu nehmen. White Label-Betreiber sind Unternehmen, die Produkte herstellen oder nutzen, die später einem Re-Branding unterzogen werden können.

Nach der Veröffentlichung erscheint es, als wäre ein eigenständiges Produkt entstanden. Ein Geschäftsmodell, welches im Bereich Online Casinos nicht ungewöhnlich ist.

Überraschend scheint jedoch, mit welcher Häufigkeit die UKGC in letzter Zeit gegen die lizenzierten Glücksspiel-Anbieter vorgeht. Erst im August 2019 untersuchte die Behörde die Firma FSB Technology.

Wie die UKGC mitteilte, habe sich der Betreiber der Wettplattform Blackbet.co.uk infolge der Kontrolle freiwillig dazu entschieden, seine Aktivitäten einzustellen. Die UKGC rechtfertigte ihre Untersuchung mit Sektion 116 des Gambling Act 2005.

Darin wird formuliert, dass die Überprüfung eines Glücksspiel-Anbieters dann gerechtfertigt sein kann, wenn der Verdacht besteht, dass der Lizenznehmer „Operationen ausführt, die nicht von der Lizenz gedeckt sind“.

Für FSB Technology war es in den vergangenen Wochen schon die zweite unfreiwillige Schlagzeile. Erst im August schloss die britische Plattform des Online-Glücksspielbetreibers 1xBet, die auf Grundlage einer White-Label-Vereinbarung mit FSB Technology in Großbritannien operierte.

Die Sunday Times warf 1xBet vor, in anderen Staaten Wetten auf Hahnenkämpfe und Sportwettbewerbe von unter 19-Jährigen zugelassen zu haben. Zudem wurde dem Sportwetten-Anbieter angelastet, Werbung auf Filesharing-Seiten platziert zu haben.

Welche Agenda hat die UKGC?

Obgleich die britischen Glücksspielregulatoren in den vorigen Monaten besonders hart gegen bestimmte Glücksspiel-Betreiber vorgingen, scheint eine spezielle Agenda nicht ersichtlich.

Erst ein Abschlussbericht könnte zeigen, welche Verdachtsmomente tatsächlich gegen EveryMatrix vorlagen.