UK Gambling Commission: FIFA-Pakete und Lootboxen sind kein Glücksspiel

Veröffentlicht am: 23. Juli 2019, 12:23 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. Juli 2019, 01:38 Uhr.

Die UK Gambling Commission (UKGC), der offizielle Regulator für Glücksspiel in Großbritannien, hat sich am Montag vor dem Komitee für Digitales, Kultur, Medien und Sport zur rechtlichen Position von Lootboxen und FIFA-Paketen geäußert. Laut Vertretern der Behörde handle es sich bei den digitalen Produkten nicht um Glücksspiel.

Schatztruhe mit Steinen und Ketten
Im Gegensatz zu einer echten Schatztruhe enthält nicht jede Lootbox etwas Wertvolles. (Quelle: pxhere)

Damit unterstützte die Glücksspielaufsicht die Meinung der ehemaligen Ministerin für Digitales und Kreativ-Industrie, Margot James, die vorige Woche aus ihrem Amt ausschied.

Die konservative Politikerin nahm schon Anfang des Monats vor dem Komitee Stellung, und erklärte, dass Lootboxen in Großbritannien nicht unter die rechtliche Definition des Glücksspiels fielen.

 

Glücksspiel oder nicht?

 

Logo der UK Gambling Commission
Die UK Gambling Commission reguliert Glücksspiel im Vereinigten Königreich. (Quelle: Casino.org)

Laut dem noch heute in Großbritannien gültigen Gambling Act 2005 ist Glücksspiel allgemein als:
„Wetten, Spielen oder Teilnahme an einer Lotterie“ definiert. Folgte man dieser Generalklausel, hätten die Politiker am Montag wenig zu diskutieren gehabt, fallen Lootboxen doch oberflächlich gesehen in keine der Kategorien.

Fraglich bleibt allerdings, ob es sich um eine abgewandelte Form einer Lotterie handeln könnte, da sich Käufer einer Lootbox durch den Erwerb womöglich einen Vorteil im Spiel oder gar einen finanziellen Vorteil versprechen.

Als scheinbaren Beweis dafür brachten Lootbox-Kritiker immer wieder den Verkauf von in-Game-Gegenständen vor, die auf Plattformen wie ebay gehandelt würden.

Doch sowohl UKGC-Programmdirektor Brad Enright als auch UKGC-CEO Neil McArthur bewerteten die Existenz eines Zweitmarktes in ihren gestrigen Aussagen als unzureichend, um Lootboxen als Glücksspiel bewerten zu können.

Hierfür bedürfe es entweder eines offiziellen Marktes, auf dem die in-Game-Objekte monetarisiert werden könnten, oder die Preise der Lootboxen müssten unmittelbar einem Geldwert entsprechen. Beides sei nicht der Fall, so McArthur:

„Das Glücksspielgesetz besagt, dass Glücksspiel ein Zufallsspiel um einen Preis bedeutet. Man kann durchaus Situationen erkennen, in denen eine Lootbox unter diese Definition fällt. Dies jedoch kann etwas komplizierter werden, wenn man sich die Definition von Preis vor Augen führt. Preis ist definiert als Geld oder Geldwert.“

Der UKGC seien in Anbetracht der jetzigen Legaldefinitionen die Hände gebunden. Ein rechtliches Vorgehen gegen die Beutetruhen sei unter diesen Umständen nicht möglich.

 

Die Situation wird weiter beobachtet

 

Obwohl die UKGC nach derzeitiger Rechtslage nicht regulatorisch gegen die Anbieter von Lootboxen vorgehen kann, will die staatliche Stelle die umstrittenen Produkte fortlaufend beobachten. Immerhin bestünde „signifikante Beunruhigung“ über den möglichen Zusammenhang von Lootboxen und Glücksspiel, sowie den Kinder- und Jugendschutz.

Brad Enright unterstrich zudem, dass die UKGC genau prüfen werde, ob die Game-Entwickler ausreichende Maßnahmen ergriffen, um den Handel mit in-Game-Objekten zu verhindern.

Bisher erhielt die Behörde die meisten Beschwerden wegen des Spiels Counter Strike: Global Offensive (CS:GO) und setzte sich aus diesem Grund mit dem Spielerhersteller Valve in Verbindung. Das Unternehmen habe daraufhin all seine glücksspielähnlichen In-Game-Anwendungen für junge Briten blockiert.

Auch mit dem Verhalten des Spieleentwicklers EA seien die Regulatoren derzeit zufrieden. EA habe der UKGC ausreichend Einblick in die Funktionsweise seiner FIFA-Pakete gewährt.

Was sind FIFA-Pakete?

FIFA-Pakete (oder „Packs“) sind Pakete, die in den Videospielen FIFA 18/FIFA 19 offeriert werden. Sie werden mit FIFA-Coins erworben und enthalten Fußball-Charaktere zufälliger Fähigkeiten und Positionen, die zur Verstärkung des eigenen Teams eingesetzt werden können. FIFA-Coins können im Internet auf diversen Seiten mit Echtgeld erstanden werden.

Kritiker bemängelten immer wieder, dass die FIFA-Pakete eine Form des Glücksspiels seien und eine Gefahr für Kinder und Jugendliche darstellten. EA ergriff daraufhin Schritte und veröffentlichte die Wahrscheinlichkeiten, mit denen ein Gamer einen besonders starken Spiel-Charakter in den „Packs“ finden kann. Die Spielemacher blockierten außerdem User, die illegal mit den Paketen handelten.

Zwar sei ein Glückselement in den FIFA-Paketen angelegt, die Firma unternehme aber ausreichende Maßnahmen, um den Spielerschutz zu gewährleisten und die Ausbreitung eines illegalen Zweitmarktes zu verhindern.

Laut McArthur gehe aktuell eine größere Bedrohung von Social-Casinos aus. Die kostenlosen Anwendungen, die echten Casino-Games nachempfunden sind und auf Social Media-Plattformen auch Kindern zugänglich sein können, würden derzeit nicht von der UKGC kontrolliert.