Strafanzeige gegen Wirecard: Verbindungen zum illegalen Glücksspiel und betrügerischem Online-Trading?

Veröffentlicht am: 5. März 2020, 12:01 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 5. März 2020, 12:01 Uhr.

Der elektronische Zahlungsdienstleister Wirecard ist erneut in die Negativschlagzeilen geraten. Medienberichten zufolge hat die Wiener Anlegerschutzorganisation European Funds Recovery Initiative (EFRI) Strafanzeige gestellt, da das Unternehmen zwischen 2011 und 2019 Finanztransfers für illegale Online-Glücksspiel-Webseiten und betrügerische Online-Trading-Webseiten durchgeführt haben soll.

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Strafanzeige gegen Zahlungsanbieter Wirecard (Bild: Needpix)

Zirka 780 Kleinanleger verschiedener europäischer Staaten würden derzeit in der Angelegenheit von den Anwälten der EFRI vertreten. Die Rede ist von finanziellen Schäden in Höhe von insgesamt 28 Mio. Euro. Insgesamt könnten sogar mehrere Tausend Menschen betroffen sein.

Wirecard soll dabei vor allem Trading-Webseiten wie Banc de Binary, Option 888 oder Handel-FX Konten zur Verfügung gestellt haben. Hierbei handle es sich um höchstumstrittene Handelsseiten für binäre Optionen, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) in Deutschland verboten werden.

Bei binären Optionen handelt es sich um Wetten auf den Kurs, Preis oder Wert eines Basiswertes. Plattformen für binäre Optionen werben mit hohen Gewinnchancen für Laien, doch die Behörden warnen seit Jahren, dass es an Transparenz mangle und letztendlich lediglich die Betreiber gewännen. Experten schätzen, dass mehrere Hundert dieser illegalen Trading-Plattformen im Internet aktiv seien.

Wirecard wehrt sich gegen die Vorwürfe

Laut BaFin sind Unternehmen wie Wirecard dazu verpflichtet, Monitoring-Systeme zum Einsatz zu bringen, die auffällige Transaktionen im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung identifizieren können.

Dem Handelsblatt zufolge werde derzeit ermittelt, ob Wirecard die illegalen oder dubiosen Geschäfte hätte erkennen müssen. Aufgrund der hohen Anzahl der dokumentierten Betrugsfälle liege der Verdacht nahe, dass das Unternehmen nicht mit einem funktionierenden Fraud-Detection-System gearbeitet habe.

Wie die ARD und der Bayerische Rundfunk berichten, habe Wirecard die im Handelsblatt beschriebenen Anschuldigen zurückgewiesen.

Wirecard unterstützt in keiner Weise unlizenzierte Online-Trading- oder Gambling-Seiten. Wirecard lässt in diesen Bereichen ausschließlich Unternehmen mit gültiger, staatlicher Lizenz auf ihrer Plattform zu. Zudem führt die Wirecard Bank AG bei Annahme solcher Kunden eine Hintergrundrecherche durch mit dem Ziel, unseriöse Trading-Plattformen zu identifizieren und von der Annahme auszuschließen.

Ob und wann sich die Verantwortlichen vor Gericht verantworten werden müssen, bleibt vorerst abzuwarten. Der Ruf des Unternehmens dürfte durch die aktuelle Berichterstattung aber erneut einen signifikanten Schaden erlitten haben.