Wirecard-Skandal: Staats­anwaltschaft untersucht Finanz­aufsicht Bafin

Veröffentlicht am: 25. Februar 2021, 11:04 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. Februar 2021, 11:11 Uhr.

Im Zuge des Skandals um den Finanzdienstleister Wirecard prüft die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun ein Verfahren gegen die Finanzaufsicht Bafin. Damit ziehen die Ermittlungen rund um den insolventen Abwickler von Glücksspiel-Finanztransfers immer weitere Kreise.

Wirecard Zentrale
Die Wirecard-Ermittlungen dauern an (Bild: Wikimedia/Kaethe17, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Am Mittwoch hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, dass von der Bafin im Rahmen einer Vorprüfung weitere Informationen eingefordert worden seien. Es werde untersucht, inwieweit die Finanzaufsicht ihrer Aufsichtspflicht bei Wirecard hinreichend nachgekommen sei.

In diesem Zusammenhang habe man der Bafin ein Auskunftsersuchen übergeben. Dieses sei zugleich an eine weitere, namentlich nicht genannte Bundesbehörde sowie an eine Privatbank gegangen.

Die Staatsanwaltschaft wies gegenüber dem Handelsblatt auf den frühen Stand der Ermittlungen hin.

Wir haben noch kein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In diesem Zusammenhang stellte eine Sprecherin der Bafin der Zeitung gegenüber klar, dass es zu keiner Hausdurchsuchung bei der Finanzaufsicht gekommen sei.

Auslöser der neuen Ermittlungen seien Anzeigen von Wirecard-Aktionären, die sich aufgrund der unentdeckten Finanztricksereien um ihr Geld betrogen fühlen. So seien Luftbuchungen im Wert von 1,9 Milliarden in den Bilanzen vor den Prüfern erfolgreich versteckt worden.

Finanztricks und Glücksspiel-Lobbyismus

Das Finanzloch, das nach Ansicht der Staatsanwaltschaft tatsächlich noch viel höher sein dürfte, hatte dazu geführt, dass das Unternehmen im vergangenen Juni Insolvenz anmelden musste.

Doch auch Wirecards enge Verbindungen zum Glücksspiel machten jüngst Schlagzeilen. Der Finanzdienstleister, zu dessen größten Einnahmequellen die Abwicklung der Transaktionen von Online-Casinos zählte, soll sich über Jahre für branchenfreundlichere Online-Glücksspielgesetze eingesetzt haben. Dabei habe Wirecard auf die Mitarbeit prominenter Politiker wie Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust gesetzt.

Bei der Finanzaufsicht führte der Skandal bereits zu personellen Konsequenzen. So traten Bafin-Chef Felix Hufeld sowie seine Vizechefin Elisabeth Roegele zurück. Grund war neben Versäumnissen bei der Wirecard-Kontrolle der Verdacht, dass sich ein Mitarbeiter der Bafin mithilfe seines Wirecard-Insiderwissens bereichert haben könnte.

Damit sich ein Fall wie der des gestrauchelten Finanzdienstleisters nicht wiederholt, will die Bundesregierung die Bafin umstrukturieren. So soll sie mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet und die Aufsichtsstruktur der Behörde effizienter gestaltet werden.