Spielsucht und Kriminalität: Neues Therapieangebot für Strafgefangene in Großbritannien

Posted on: 07/08/2022, 05:30h. 

Last updated on: 05/08/2022, 01:27h.

Die britische Spielerhilfe-Organisation GamCare verstärkt ihre Unterstützung von Strafgefangenen mit problematischem Glücksspielverhalten. Gemeinsam mit dem sozialen Dienstleister Interventions Alliance bietet GamCare Betroffenen künftig die Möglichkeit, während ihrer Inhaftierung an einer gezielten Verhaltenstherapie teilzunehmen.

Gang im Gefängnis
Strafgefangene in Großbritannien können ihre Spielsucht nun mit einem neuen Therapie-Angebot bearbeiten (Quelle: unsplash.com/ Tom Blackout)

Die begleitete Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gesichtspunkten der Spielsucht soll die Schäden des Problemspiels und die Rückfallgefahr unter den Strafgefangenen verringern.

Kognitive Verhaltenstherapie gegen Glücksspiel-Problematik

Wie GamCare und die auf die Unterstützung und Rehabilitation von straffällig Gewordenen spezialisierte Interventions Alliance in dieser Woche mitteilten [Seite auf Englisch], handele es sich bei dem neuen Angebot für Inhaftierte um eine kognitive Verhaltenstherapie. Das Programm umfasse acht Gruppensitzungen.

https://twitter.com/IntervAlliance/status/1555175574850703374

Bei den Treffen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Forschungsinhalten zu den schädlichen Effekten des Problemspiels sowie den Verbindungen zwischen Kriminalität und Glücksspiel. Zudem konzentriere sich das Angebot auf die Unterstützung bei der Veränderung problematischer Verhaltensweisen.

GamCare-CEO Anna Hemming zeigt sich im Statement erfreut über die Partnerschaft und das neue Programm:

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Interventions Alliance im Rahmen dieser neuen Partnerschaft. Wir hoffen, dass dieses neue Programm dazu beitragen wird, das Stigma zu bekämpfen und letztlich die Glücksspiel-bedingten Schäden im Strafjustizsystem und damit auch in der Gesellschaft zu verringern.

Laut Suki Binning, der leitenden Sozialarbeiterin und Exekutivdirektorin der Interventions Alliance, zeige die Forschung, dass Menschen mit Spielsucht deutlich gefährdeter seien, kriminell zu werden als Personen ohne auffälliges Spielverhalten. Das gemeinsam mit GamCare erarbeitete Programm biete die strukturierte Unterstützung, die Betroffene dringend benötigten.

So könnten die Spezialisten den Teilnehmenden helfen, die eigene Sucht und deren Auswirkungen einschließlich der Risiken für ihr Umfeld zu erkennen und einzuordnen. Damit könne das Programm einen erheblichen Einfluss auf die Verbesserung der psychischen Gesundheit der Teilnehmer haben. Dies sei ein wichtiger Teil der Verhinderung von Rückfällen in die Spielsucht und die Straffälligkeit.

Dringend benötigte Hilfe für spielsüchtige Inhaftierte

Das Programm für Strafgefangene baue auf der Arbeit auf, die GamCare und sein Netzwerk in den vergangenen Jahren geleistet hätten. Zudem erhofften sich die Organisationen weitere Erkenntnisse zur Unterstützung von Menschen mit Glücksspiel-Problemen, insbesondere im Kontext der Straffälligkeit.

GamCare legt bereits seit geraumer Zeit einen Fokus auf die Bereitstellung von Unterstützung von Inhaftierten mit Glücksspiel-Problemen. So bietet die Spielerhilfe-Organisation unter anderem Online-Hilfen für Betroffene und Informations-Pakete an. Im Dezember 2020 erhielt GamCare für die Arbeit in diesem Bereich den Preis als Organisation des Jahres von der renommierten britischen Strafreformorganisation Howard League for Penal Reform.

Laut den Verantwortlichen basiere die Einrichtung des neuen Therapieangebots unter anderem auf Erkenntnissen einer Studie aus dem Jahr 2017. Damals hatten Forschende festgestellt, dass die Prävalenz von glücksspielbedingten Schäden unter Inhaftierten deutlich höher sei als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig herrsche jedoch ein eklatanter Mangel an diesbezüglichen Hilfs- und Unterstützungsangeboten für Menschen im Strafvollzug.