Glücksspielfrei e.V.: Selbsthilfe­gruppen gründen Bundesverband

Veröffentlicht am: 19. November 2021, 11:59 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. November 2021, 11:59 Uhr.

Vertreter von Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland haben sich zusammengeschlossen und den Bundesverband Selbsthilfe Glücksspielsucht gegründet. Der neue Verband „Glücksspielfrei e.V.“ soll bestehende Gruppen vernetzten und dabei helfen, neue zu bilden. Dies hat am Mittwoch die Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW berichtet.

Personen sitzen im Stuhlkreis Selbsthilfegruppe
Der neue Bundesverband Glücksspielfrei e.V. fördert die Gründung neuer Spielsucht-Selbsthilfegruppen (Bild: Shutterstock)

Das Gründungstreffen habe am vergangenen Wochenende in Dortmund stattgefunden. Bei ihm seien unter anderem der je fünfköpfige Aufsichtsrat und Vorstand gewählt worden.

Unter den Gründungsmitgliedern habe sich auch Werner Hansch befunden. Der Sportreporter spricht seit knapp einem Jahr öffentlich über seine Spielsucht-Vergangenheit und engagiert sich nun aktiv im Bereich Aufklärung und Spielerhilfe.

Die neue Vorstandsvorsitzende sei Nicole Dreifeld. Sie selbst habe es dank Selbsthilfegruppen aus der Spielsucht geschafft und wolle nun anderen helfen. Zur Gründung des Bundesverbandes sagte sie:

Mehr Menschen über die Gefahren der Glücksspielsucht aufzuklären und gleichzeitig denen, die einen Weg raus aus der Sucht suchen, zu zeigen, es geht, das ist unser Anspruch. Wir haben es alle selbst auch geschafft, hauptsächlich durch den Besuch unserer Selbsthilfegruppen vor Ort.

Laut Vorstandsmitglied Stefan Martin Börner habe auch der neue Glücksspielstaatsvertrag der Gründung eines Bundesverbandes für Spielsucht-Selbsthilfegruppen eine neue Dringlichkeit gegeben.

Problematisch sei insbesondere der Umstand, dass das Online-Glücksspiel seit Juli offiziell legal sei. Die dafür zuständige Aufsichtsbehörde sei jedoch möglicherweise erst in zwei Jahren vollständig betriebsbereit.

Nicht genügend Hilfsangebote in Deutschland

Insgesamt seien sich die Gründungsmitglieder einig, dass Selbsthilfegruppen einen wichtigen Platz in der Gesellschaft haben würden. Es sei seit Jahren allgemein bekannt und durch wissenschaftliche Studien belegt, dass Selbsthilfe eines der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen Suchtkrankheiten sei.

Spezifisch für die Glücksspielsucht gebe es in Deutschland jedoch nicht ausreichend Standorte. Vize-Vorstandsvorsitzender Timo Nobis erklärt:

Aktuell gibt es im Bereich der Glücksspielsucht-Selbsthilfe noch etliche weiße Flecken auf der Deutschlandkarte, in einigen Bundesländern gibt es nicht einmal eine Handvoll Gruppen landesweit, während es Unterstützung für Alkoholkranke sehr oft im Umkreis von 10-15 Fahrminuten gibt. Daran wollen wir alle gemeinsam im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas ändern.

Eines der Hauptziele sei daher, die Gründung vieler neuer Glücksspiel-Selbsthilfegruppen zu fördern, damit jeder von Spielsucht betroffene Mensch in Deutschland einen Standort in seiner Nähe habe. Die Arbeit des Verbandes werde sofort aufgenommen. Alle Mitglieder arbeiteten ehrenamtlich.