Berliner Kampf gegen Hütchenspieler: Festnahmen im Treptower Park

Veröffentlicht am: 8. Juni 2021, 01:22 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. Juni 2021, 03:11 Uhr.

Berliner Einsatzkräfte haben am Wochenende zehn Personen festgenommen, die gutgläubige Passanten per Hütchenspiel abgezockt haben. Dies gab die Polizei gestern per Pressemitteilung bekannt. Der Zugriff, an dem auch eine Einsatzhundertschaft beteiligt gewesen sei, sei im Rahmen eines „Schwerpunkteinsatzes zur stadtweiten Bekämpfung der Hütchenspielkriminalität“ erfolgt.

Huetchenspiel Nahaufnahme
Trotz 0 Gewinnchance: Das Hütchenspiel stirbt nicht aus (Quelle:flickr.com/emilykbecker, licensed under CC BY-NC-ND 2.0)

Hütchenspieler zocken Teenager ab

Wie die Polizei mitteilt, handele es sich bei den am Sonntag im Berliner Ortsteil Alt-Treptow Festgenommenen um zwei Frauen und acht Männer im Alter von 35 bis 67 Jahren. Den Verdächtigen werde banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. So sollen sie wiederholt im Hafenbereich der Schiffsanlegestellen im Treptower Park mit Hütchenspiel aufgefallen sein.

Laut Polizeimeldung seien die zehn Verdächtigen dabei „arbeitsteilig und nach einem festen Muster“ vorgegangen. Erkenntnissen der Ermittler zufolge habe sich die Gruppe vor einigen Wochen zu ebendiesem Zweck zusammengefunden.

Beim klassischen Hütchenspiel wird eine Kugel unter drei Schachteln oder Becher positioniert. Der Veranstalter des Spiels vertauscht schnell die Schachteln und der Spieler soll erraten, unter welcher Schachtel sich die Kugel befindet. Hat er Erfolg, verdoppelt sich sein Einsatz.

Fingerfertige Betrüger können die Kugel jedoch blitzschnell in ihrer Hand verschwinden bzw. wieder auftauchen lassen. Es gibt also keine Chance, richtig zu tippen. Teil der Masche ist, dass Komplizen schlecht spielende Passanten mimen und so die wahren Opfer animieren, in das Spiel einzusteigen.

Allein am Sonntagnachmittag habe die Gruppe 18 Personen mit dem vermeintlichen Geschicklichkeitsspiel betrogen und dabei insgesamt Gewinne im vierstelligen Bereich erbeutet.

Das Geld habe sich in einem in der Nähe geparkten Fahrzeug befunden. In diesem seien die Fahnder auch auf diverse Spielutensilien und weiteres Beweismaterial gestoßen. Elf der sonntäglichen Opfer hätten namentlich ausfindig gemacht werden können. Das jüngste sei erst 15 Jahre alt gewesen.

Hütchenspiel: Jeder Schuss kein Treffer

Berlin gilt als deutsche Hochburg des Betrugs mit dem Hütchenspiel. Schätzungen zufolge sollen sich in den Sommermonaten rund 200 Personen in der Hauptstadt aufhalten, die insbesondere Touristen mit der Masche abzocken.

So appelliert auch die Berliner Polizei mit Nachdruck, sich unter keinen Umständen auf das scheinbar harmlose Vergnügen einzulassen und warnt:

Das sogenannte Hütchenspiel ist kein Gewinnspiel, sondern eine betrügerische Methode von gemeinschaftlich agierenden Tätern, bei der nur die Täter gewinnen! Mitspielende haben KEINE Gewinnchance! (…) Es besteht niemals die Möglichkeit eines Geldgewinns. Man wird immer Geschädigter eines Betrugsdeliktes und verliert!

Zudem komme es neben dem zwangsläufigen Verlust von Geld auch vor, dass Täter ihren Opfern das Geld aus der Hand rissen und flüchteten. Versuche, sich gegen die Hütchenspieler durchzusetzen, könnten in Beschimpfungen, Drohungen und Handgreiflichkeiten seitens der Betrüger münden.

Im aktuellen Fall wurden die mutmaßlichen Betrüger erkennungsdienstlich behandelt und am Montag einem Haftrichter vorgeführt. Laut Polizei dauern die Ermittlungen weiter an.