Skandal um Wettbörse Football Index: Kunden droht Verlust von 90 Mio. GBP

Veröffentlicht am: 17. März 2021, 04:05 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. März 2021, 04:05 Uhr.

In der Welt des Glücksspiels bahnt sich ein neuer Skandal an. Im Zentrum der aktuellen Negativschlagzeilen steht die britische Wettbörse Football Index. Wie die BBC am Dienstag berichtet hat [Seite auf Englisch], habe das 2015 gegründete und bis letztes Jahr sehr erfolgreiche Unternehmen letzte Woche plötzlich ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Football Index
Der Plattform Football Index wurden die Glücksspiellizenzen entzogen (Bild: Football Index)

Die Plattform, auf der rund 500.000 Kunden registriert gewesen seien, sei vorerst geschlossen worden. Sowohl die UK Gambling Commission als auch die Jersey Gambling Commission hätten den Betreibern zuvor die Lizenz entzogen. In der Folge könnten die Nutzer, von denen knapp 30.000 hohe Geldbeträgen investiert hätten, nicht mehr auf ihre Konten zugreifen.

Football Index ist keine Wettbörse im klassischen Sinne, da dort nicht mit Wetten gehandelt wird. Stattdessen können Kunden in virtuelle Aktienanteile an Top-Fußballern investieren. Wer im Besitz dieser „Aktien“ ist, bekommt Dividenden ausgeschüttet. Erbringt ein Spieler in der Realität gute Leistungen, steigen Aktienwert und Dividenden. Die Betreiber der Plattform behalten dabei jeweils 2 % der ausgeschütteten Gelder ein.

Letzte Woche Donnerstag habe Football Index angekündigt, die Dividenden um 80 % zu verringern. Grund für diese Entscheidung sei laut den Betreibern der Plattform, dass die Muttergesellschaft, Bet Indec Ltd, zuletzt herbe Verluste erlitten habe.

Doch die Konsequenzen für die Spieler seien gravierend gewesen. Innerhalb von 24 Stunden, sei den Kunden ein Großteil ihrer Profite zerschlagen worden. Einzelne Kunden hätten gegenüber der Presse angegeben, bis zu 100.000 GBP verloren zu haben.

Unternehmen versucht zu beschwichtigen

Nach Angaben von Football Index werde derzeit alles darangesetzt, die Plattform zu retten und den Kunden die Gelder zu erstatten. Football Index arbeite dazu mit einer Insolvenzberatung zusammen.

Wir arbeiten daraufhin, eine Vereinbarung zur Restrukturierung mit unseren Stakeholdern zu treffen […] Wir bereiten dies mithilfe der Insolvenzberatung Begbies Traynor vor, um die beste Lösung für unsere Kunden zu finden, und verfolgen dabei das Ziel, die Plattform in einer neugeordneten Form weiter fortzuführen.

Während die Insolvenzberatung ihre Arbeit mache, bleibe die Plattform geschlossen. Der Handel sowie Ein- und Auszahlungen sollen lediglich vorrübergehend pausiert werden. Betroffene Kunden und Stakeholder würden in Kürze von den Insolvenzberatern kontaktiert.

Kritik und Zweifel an der Glücksspielaufsicht

Während die betroffenen Kunden von Football Index gegenüber der Presse ihrer Verärgerung Ausdruck verleihen, zeigen Politiker indes mit dem Finger auf die britische Glücksspielaufsicht.

Die All-Party Parliamentary Group for Gambling Related Harm (APGG), eine parteiübergreifende Gruppe britischer Parlamentarier, die sich seit Jahren für eine Verschärfung der Glücksspielgesetze einsetzt, fordert eine offizielle Untersuchung des Vorfalls. Deren Vorsitzende, Carolyn Harris, kommentiert:

Man kann dies nur als einen Skandal bezeichnen. Es unterstreicht, wie wichtig eine vollumfängliche Reformierung der Glücksspielindustrie ist. Außerdem türmen sich Fragen zur Arbeit der Glücksspielaufsicht auf. Diese war schließlich der Ansicht, dass die Plattform für eine Lizenz geeignet sei, hat sie aber nicht in angemessener Weise kontrolliert.

Der Vorfall zeige darüber hinaus, dass die Regierung dringend eine neue Stelle für einen Bürgerbeauftragten in Sachen Glücksspiel schaffen müsse. Nur so könnten Kunden ausreichend vor etwaigen Schäden durch Glücksspiele geschützt werden.