Schwedische Glücksspielbehörde droht Onlineanbietern mit Lizenzentzug

Veröffentlicht am: 23. Januar 2019, 12:48 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. Januar 2019, 04:46 Uhr.

Seit dem 1. Januar 2019 ist das neue Glücksspielgesetz in Schweden in Kraft. Doch nicht alle der Lizenznehmer scheinen die Regularien zum Spielerschutz ernst zu nehmen. Nun hat die schwedische Glücksspielbehörde insbesondere die Onlineanbieter in einem Brief scharf vor weiteren Verstößen gewarnt.

Schweden Flagge
Die schwedische Glücksspielbehörde fordert ihre Lizenznehmer auf, sich an die Vorgaben zu halten (Quelle:pixabay/Unif)

Glücksspielbehörde warnt vor Konsequenzen

Die schwedische Regulationsbehörde „Spelinspektionen“ (vormals „Lotteriinspektionen“) hat 66 Glücksspielfirmen am Dienstag in einem Schreiben daran erinnert, sich an die seit Jahresbeginn in Schweden geltenden Vorschriften zu halten.

In dem Brief, den die Ordnungshüter öffentlich machten, erklärten sie, in den vergangenen Wochen diverse Beschwerden und Hinweise in Bezug auf Defizite in der Umsetzung der Regularien in unterschiedlichen Bereichen des Glücksspielsektors erhalten zu haben.

In deutlichen Worten wies Spelinspektionen darauf hin, dass es keinerlei Ausnahmen von den Regeln geben werde. Verstöße würden mit Geldstrafen von bis zu 10 % des Umsatzes der Betreiber oder mit dem Entzug der Lizenz geahndet.

Stärkung des Spielerschutzes

Mit der Gesetzesnovelle reagierte Schweden auf ein Problem, das viele Länder betrifft, die ausschließlich auf staatliche Glücksspielanbieter setzen: Ausländische Onlinebetreiber konzipieren ihre Seiten für den lokalen Markt, stehen aber nicht unter dessen Kontrolle. So entgehen den Ländern Steuereinnahmen in Millionenhöhen und der Spielerschutz kann aufgrund mangelnder Kontrollmöglichkeiten nicht gewährleistet werden.

Um diese Problematik in den Griff zu bekommen, hat Schweden im vergangenen Jahr in einem Auswahlverfahren 18 Konzessionen zum Betrieb von Online-Angeboten vergeben. 55 Bewerbungen waren bei der Lizenzbehörde eingegangen.

Schwedens Konzept zum Umgang mit Online-Glücksspiel kann Spielern, Staat und Industrie zugutekommen.

Einer Erhebung zufolge verfügten Mitte 2018 60 % der Schweden zwischen 18 und 74 Jahren über einen Account bei einem Online-Glücksspielanbieter. Von den Neuanmeldungen der vergangenen 12 Monate waren rund 60 % auf nicht in Schweden lizensierte Anbieter entfallen.

Logo Spelinspektionen
Die Glücksspielbehörde “Spelinspektionen” kümmert sich um die Belange des schwedischen Glücksspielmarktes (Quelle:Spelinspektionen, licensed under CC BY-SA 4.0)

Die Einnahmen der illegalen Angebote in Schweden werden für das Jahr 2017 auf umgerechnet knapp eine halbe Milliarde Euro geschätzt, die Dunkelziffer liegt höher.

Mit dem neu eingeführten Steuersatz von 18 % für Glücksspielanbieter bietet sich dem Staat die Möglichkeit auf hohe Steuereinnahmen, die Unternehmen können sich legal international breiter aufstellen und die Spieler sind durch schwedische Kontrollmechanismen besser vor unseriösen Anbietern und problematischen Spielverhalten geschützt.

Die ausgewählten Betreiber haben sich verpflichtet, sich an ein eng gestricktes Regelwerk zu halten. Dazu gehören unter anderem die Verpflichtung, Bonusangebote ausschließlich auf die erste Glücksspielerfahrung eines Spielers zu gewähren und Kunden aktiv vor exzessivem Spiel zu schützen.

Gewährleistet werden soll der Spielerschutz durch ein Monitoring der Spieler und Hilfsangebote seitens der Betreiber. Zudem soll das Direktmarketing für Glücksspielangebote, beispielsweise durch Emails deutlich eingeschränkt werden.

„Spelpaus-Program“ stößt auf Widerstand

Doch in diesem Punkt scheinen es die Betreiber nicht so genau zu nehmen, wenn man den harschen Worten der Spelinspektionen folgt. Hauptbeschwerdepunkt in den vergangenen Wochen, so die Glücksspielbehörde, war der Verstoß einiger Betreiberseiten gegen die Regelungen in Bezug auf das ebenfalls neu eingeführte „Spelpaus-Program“(Link auf Schwedisch).

Dieses Programm beinhaltet unter anderem eine Sperrliste, in die sich Schweden selbst eintragen können. Dieses für die Online-Anbieter einsehbare Register bietet die Möglichkeit, sich vom Spiel entweder komplett auszuschließen oder eine Pause von ein bis sechs Monaten einzulegen. In dieser Zeit dürfen die Anbieter keine Einsätze von den gesperrten Personen annehmen. Zudem haben die potenziellen Spieler die Möglichkeit, sich vom Erhalt jeglicher Glücksspielwerbung abzumelden.

Bis zum 09. Januar hatten sich bereits 10.000 der insgesamt rund 10,2 Millionen Schweden in das Register eingetragen. Das Programm erfuhr auch in der Öffentlichkeit hohe Zustimmung.

Chips auf Tatstatur
Halten sich die Anbieter nicht an die Vorgaben, droht ein Entzug der Lizenz (Quelle:flickt.com/BagoGames, licensed under CC BY 2.0)

Weniger begeistert scheinen die Anbieter zu sein, die das Programm, das Teil ihrer Lizensierung ist, wohl nur widerwillig annehmen. So weist die Glücksspielbehörde in ihrem aktuellen Schreiben explizit darauf hin, dass die Anbieter das Spelpaus-Logo prominent auf ihren Glücksspielseiten platzieren und die Funktionsfähigkeit des Links sicherstellen müssen. Jeglicher Betreiber, der diese Vorgaben nicht erfülle, sei aufgerufen, umgehend aktiv zu werden oder müsse sich auf Konsequenzen einstellen.

Hinzukommt, dass einige der Lizenznehmer es wohl auch mit der Sperrliste nicht so genau zu nehmen scheinen. So sei es Spielern möglich gewesen, die Onlineangebote zu nutzen, obwohl sie sich in dem Register eingetragen hatten: Auch das Verbot des Aussendens von Werbung an gesperrte Kunden werde nicht wie erwartet umgesetzt.

Bei dem nun veröffentlichten Brief handelt es sich bereits um die zweite Warnung, die die schwedische Glücksspielbehörde an ihre Lizenznehmer sendet. Ein ähnlicher Aufruf war bereits vor gut einer Woche, am 14. Januar, ergangen. Die schnelle Reaktion der schwedischen Ordnungshüter lässt darauf schließen, dass es wohl keine dritte Warnung geben wird.