Gefährlicher Trend? Fortnite-Champion wurde zu Swatting-Opfer

Veröffentlicht am: 17. August 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. August 2019, 09:29 Uhr.

In der vergangenen Woche wurde der neu gekrönte Fortnite Champion, Kyle Giersdorf (16), Opfer eines sogenannten Swattings. Seither gibt es weitere Berichte über die vermeintlichen Telefonstreiche, bei denen anonyme Anrufer schwerbewaffnete Polizeieinheiten unter Angabe falscher Tatsachen zu den Adressen ihrer Ziele schicken.

SWAT Team
Die wollen nicht nur spielen: SWAT Team in den USA (Quelle:Tim McAteer, licensed under CC BY-SA 3.0)

„Ich wurde geswatted?“

Allein in den vergangenen fünf Tagen berichteten US-amerikanische Medien über mindestens fünf Fälle von Swatting. Prominentestes Opfer des falschen Alarms beim polizeilichen Notruf: Fortnite-Gamer Kyle „Bugha“ Giersdorf.

Medienberichten zufolge streamte der Gamer bereits seit sieben Stunden auf der Plattform Twitch, als sein Vater den Raum betrat und etwas zu ihm sagte. Rund 38.000 Zuschauer wurden Zeuge der Reaktion des überraschten Teenagers. Dieser fragte: „Ich wurde geswatted?“, bevor er hastig seinen Platz verließ.

Swatting leitet sich von der Bezeichnung SWAT (Special Weapons and Tactics), einer US-amerikanischen Spezialeinheit zur Verbrechensbekämpfung, ab. Beim Swatting wird bei einem Notruf ein gefährliches Szenario vorgetäuscht, das den Einsatz der Kampftruppe erfordert. An der angegebenen Adresse werden dann zumeist nichtsahnende Opfer von den Einheiten überrascht. Da die Polizisten davon ausgehen müssen, es hier mit bewaffneten Gefährdern zu tun zu haben, kann eine solche Situation für die Opfer Lebensgefahr bedeuten.

Zehn Minuten später kehrte Bugha zurück und teilte mit, schwer bewaffnete Polizisten seien im Haus gewesen. Glücklicherweise wohne einer der Beamten in der Nachbarschaft und habe die Adresse des eingegangenen vermeintlichen Notrufs zuordnen können. Vermutlich sei das Einsatzkommando nur deshalb nicht mit voller Härte vorgegangen und habe rechtzeitig erkennen können, dass keine Gefahr im Verzug gewesen sei.

Swatting durch white supremacists

US-Schriftstelllerin Ijeoma Oluo
Auch Autorin Oluo wurde in dieser Woche Opfer eines Swatting Versuchs (Quelle:cactusbones, licensed under CC BY-SA 2.0)

Auch die afroamerikanische Autorin Ijeoma Oluo wurde in dieser Woche Opfer von versuchtem Swatting.

Die Menschenrechtlerin steht schon seit längerem im Fokus von Attacken von Rassisten, die an die „Überlegenheit der weißen Rasse“ glauben.

Aufgrund der bereits bekannten Gefahr hatte Oluo  für den Fall, dass ihre Adresse im Zusammenhang mit einem Notruf genannt werde,eine Abmachung mit der Polizei getroffen.

Man informierte sie telefonisch, dass es Angaben zufolge zwei Leichen in ihrem Haus gebe. Ein Einsatz konnte abgewendet werden.

 

Durchschnittlich 400 Fälle im Jahr

Aktuell geht das FBI in den USA von rund 400 Swatting Fällen im Jahr aus. Dies erklärte Katherine Clark, als Medienvertreter sie auf den Bugha-Vorfall ansprachen. Die Republikanerin vertritt den Bundesstaat Massachusetts im US-amerikanischen Repräsentantenhaus.

Im Jahr 2016 hatte sie einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der Swatting in die Verantwortung des Bundes hätte heben sollen. Ihr Antrag scheiterte.

Laut Ex-NYPD Cybercrime-Experte Ralph Russo liege die Gefahr des Swattings darin, dass es nach wie vor unterschätzt werde. Die Bezeichnungen Cyber Crime oder „falscher Notruf“ verharmlosten den Sachverhalt:

Teil des Problems ist, wie wir das Ganze betrachten. Was Du da tust, ist eine Situation herbeizuführen, in der jemand getötet werden kann.

Tödliche Gefahr

Experten zufolge tragen auch die liberalen Waffengesetze der USA maßgeblich zur Gefahr des Swattings bei. Die Gefahr der Einsatzkräfte, bei Notrufen auf hochgefährliche Szenarien durch Bewaffnete zu treffen, sei Mitgrund dafür, dass deutlich massivere Maßnahmen ergriffen würden, als es beispielsweise in Deutschland der Fall sei.

Im März 2019 verurteilte ein Gericht in Kalifornien einen 25-Jährigen zu 20 Jahren Haft. Der Mann löste einen Einsatz aus, indem er unter Angabe einer falschen Identität behauptete, einen Mord begangen zu haben und seine Familie töten zu wollen. Der nichtsahnende Bewohner der bei dem vermeintlichen Notruf angegebenen Adresse starb bei dem folgenden Polizeieinsatz.

Swatting-Präzedenzfall auch in Deutschland

Obwohl das Swatting in erster Linie als US-Phänomen zu betrachten ist, drohen Tätern auch in Deutschland langjährige Haftstrafen. So entschied das Oberlandesgericht Nürnberg im Dezember 2016, dass ein 24-Jähriger für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis müsse.

Insgesamt viermal betrieb der Mann, der sich zudem im Internet mit Volksverhetzung, Verbreitung von Kinder- und Tierpornografie und dem Ausspähen von Daten hervorgetan hatte, gezielten Missbrauch des Notrufs. Einmal löste er dabei einen Einsatz der Feuerwehr während des Livestreams eines Opfers aus.

Sowohl für das deutsche Opfer als auch für die jüngsten US-Ziele der Swatter gingen die Fake-Anrufe glimpflich aus. Festzustellen bleibt aber, dass es sich bei den gefälschten Notrufen nicht um harmlose Telefonstreiche, sondern um schwere Straftaten handelt, die für die einen im Gefängnis und für die anderen mit dem Tod enden können.