Am 22. Juli 2018 findet das Formel 1 Rennen auf dem Hockenheim Ring statt. Bereits 60.000 Tickets wurden bisher verkauft. Dennoch könnte es dieses Jahr das letzte Rennen in Deutschland sein.

Formel 1

Steht die Formel 1 in Deutschland vor dem Aus? (Bildquelle: sport.de)

Für die Veranstaltung eines Formel 1 Rennens müssen sehr hohe Investitionen getätigt werden. Allein die Gagen erreichen Beträge in Millionenhöhe.

Die Austragung eines Events kostet schätzungsweise 20 Millionen Euro. Damit sich diese Investition rechnet, werden mindestens 65.000 Zuschauer benötigt.

Georg Seiler, der Manager des Hockenheimrings, sagt dazu:

“Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Wir werden keinen Vertrag mehr abschließen, der ein wirtschaftliches Risiko beinhaltet. Die Promotorgebühr ist einfach zu hoch. Wir sind eine Rennstrecke, die keine Zuschüsse von Region, Land oder Bund erhält. Ich behaupte sogar, der Hockenheimring ist die einzige Rennstrecke auf der Welt, die sich wirtschaftlich selbst tragen muss.”

Auch wirtschaftliche Faktoren spielen eine Rolle. Seiler spricht die Entwicklung des Dollarkurses an. Er sagt, als der Businessplan erarbeitet worden sei, habe der Dollar bei 1:1,30 gelegen. Aktuell sei der Kurs auf 1:1,19 gefallen.

Bisher scheint es recht gut auszusehen, denn es wurden bereits mehr als 60.000 Tickets verkauft. Dennoch werde es laut Seiler immer schwieriger, kostendeckend zu arbeiten.

Formel 1 CEO Georg Seiler

Formel 1 Manager Georg Seiler (Bildquelle: hockenheimring.de)

Finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es nicht. Die Austragung der Wettkämpfe wird von den Betreibern selbst getragen. Doch die hohen Summen können bald nicht mehr refinanziert werden.

Überlegungen zur Minimierung des Risikos

2015 und 2017 fanden keine Formel 1 Rennen in Deutschland statt. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten fiel ebenfalls der traditionsreiche Nürburgring aus.

Seiler sagt, dass er auf ein Wunder sowie auf Hilfe seitens der Wirtschaft oder der Politik hoffe. Allerdings glaubt er nach eigenen Aussagen nicht wirklich daran:

 “Vielleicht wachen die Leute erst auf, wenn es mal kein Rennen mehr bei uns gibt.”

Um das Risiko zu minimieren, stellt Seiler sich mehrere Modelle vor. Vor allem benötigt er Garantien, nicht allein die Kosten tragen zu müssen. Er kann sich unter anderem eine Vermietung des Kurses an Liberty Media, den Besitzer der Formel 1, vorstellen.

Die Liberty Media Corporation ist ein amerikanisches Medienunternehmen, das zum großen Teil dem Milliardär John Malone gehört und Beteiligungen an Fernsehsendern, Zeitungen und Filmstudios besitzt.

Malone ist für seinen harten Verhandlungsstil bekannt, der ihm unter anderem den Spitznamen „Darth Vader“ eingebracht hat. Seit den 70er Jahren hat Malones Konzern Liberty Global über 100 Unternehmen aufgekauft. Malone soll bei keinem seiner Deals Verluste generiert haben.

Ein weiteres Szenario, das die Risiken überschaubar macht, ist ein Wechsel mit dem Nürburgring. Allerdings werden dort seit 2013 keine F1 Rennen mehr ausgetragen, ebenfalls aus finanziellen Gründen.

Zukunft der Formel 1 bislang ungewiss

In diesem Jahr läuft der Zehnjahresvertrag mit dem Formel 1 Inhaber Liberty Media aus. Es laufen bereits Verhandlungen für neue Vereinbarungen.

Formel 1 Rennen

Formel 1 Rennen auf dem Hockenheimring (Bildquelle: classic-car.tv)

Seiler sagt, er habe bereits einen Plan ausgearbeitet und Liberty Media vorgelegt. Nun warte er auf eine Antwort.

Weiterhin sagt er, dass Liberty Media Traditionsstrecken weiterhin fördern wolle und dass Deutschland ein wichtiger Austragungsort sei. Auf der anderen Seite drängen jedoch Miami, Hanoi und Buenos Aires in die Königsklasse des Motorsports.

Formel 1 in den Großstädten?

Liberty Media zieht es indes in die großen Metropolen wie Berlin. Auch London und Paris sind im Gespräch. Da scheint die Traditionsrennbahn Hockenheim keine Chance zu haben und kann mit einem finanziellen Entgegenkommen kaum rechnen.

Jorn Teske, der Marketingdirektor des Hockenheimrings, bezweifelt jedoch, dass Rennen in Berlin überhaupt finanzierbar sind. Er sagt, es seien Investitionen in Millionenhöhe notwendig, um eine Infrastruktur einzurichten, die in Hockenheim bereits vorhanden sei.

Weiterhin, so Teske, habe der Motorsport in der Hauptstadt längst nicht die gleiche Tradition. Außerdem sei Hockenheim auch aufgrund seiner zentralen Lage vorteilhafter.

Können internationale Stars den Hockenheim Grand Prix retten?

Es kam auch der Gedanke auf, aus dem Formel 1 Rennen ein Mega Event mit bekannten Stars wie Lady Gaga oder Shakira zu machen. Doch auch hier ist eine enorme Vorfinanzierung notwendig.

Es ist außerdem nicht sicher, ob diese Art von Veranstaltungen dann auch wirklich mehr Zuschauer anziehen wird. Mit der Strategie der Risikominimierung scheint das ebenfalls nicht kompatibel zu sein.

Aktuell ist es wichtig, dass im Juli so viele Zuschauer wie möglich das Rennen besuchen. Doch wie die Zukunft aussehen wird, ist momentan noch ungewiss.

Die traditionsreiche Geschichte des Hockenheimrings

Formel 1 Rennstrecke 1932

Hockenheimring 1932 (Bildquelle: hockenheimring.de)

Der Plan, in Hockenheim eine Rennstrecke aufzubauen, wurde 1930 geboren. Der junge Arbeiter Ernst Christ konnte den damaligen Bürgermeister Philipp Klein für seine Idee begeistern.

Im März 1932 begannen die Bauarbeiten und bereits im Sommer fand das erste Motorradrennen statt. Für die kleine Stadt bedeutete das einen enormen Aufschwung und der Name Hockenheim wurde auf der ganzen Welt bekannt.

Heute gehört der Hockenheimring zu den modernsten Rennstrecken der Welt.