eSports wird für Fußballvereine immer wichtiger, weil dieser gerade bei den jungen Fans außerordentlich populär ist. Nun erwägt auch der deutsche Rekordmeister Bayern München, in die Boombranche zu investieren. Dies gab Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstag am Rande der Sportbusiness-Veranstaltung SpoBis in Düsseldorf bekannt.

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Auch Bayern München will im eSports aktiv werden (Bild: fcbayern.de)

Nachzügler FC Bayern

Mit seiner nun verkündeten Absicht, eigene eSports-Aktivitäten zu entwickeln, gehört der FC Bayern in Deutschland und auch international zu den Nachzüglern. Neben Borussia Dortmund haben in der Bundesliga lediglich die TSG Hoffenheim, der SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf noch keine eigene eSports-Abteilung.

Der 63-jährige Vorstandsvorsitzende von Bayern München sagte zum künftigen eSports-Engagement seines Clubs:

“Wir haben da jetzt eine offensivere Haltung eingenommen. Wir haben eine Analyse vorgenommen, die wir demnächst auch innerhalb des Vorstands diskutieren und besprechen werden, ob wir uns diesem Thema nicht doch nähern, weil es aus wirtschaftlichen Zukunftsgedanken interessant werden könnte.”

Allerdings ließ Karl-Heinz Rummenigge gleichzeitig erkennen, dass die aktuellen Erwägungen erst nach gründlicher Analyse erfolgt seien, da der Verein auf keinen Fall in die Nähe der von vielen Sportfunktionären heftig kritisierten „Ballerspiele“ rücken dürfe.

Für die Ankündigung suchte sich Rummenigge mit der SpoBis eine große Plattform aus, denn das alljährlich stattfindende Event wird von vielen Top-Managern aus Sport und Wirtschaft besucht.

Sport-Event SpoBis
Die „Sport-Business“ (SpoBis) ist nach eigenen Angaben seit 20 Jahren Europas größte Veranstaltung rund um den Wirtschaftsfaktor Sport. Die Teilnehmer der hochkarätig besetzten Tagung gehören zum „who is who“ der europäischen Sport- und Managementelite. Neben dem allgemeinen Networking gehören die Vorträge namhafter Redner aus dem In- und Ausland zu den besonderen Attraktionen der Veranstaltung, die in diesem Jahr am 30. und 31. Januar im Düsseldorfer Kongresszentrum stattfand.
Neben Rummenigge traten unter anderem auch BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke, Jens Lehmann und Matthias Sammer als Referenten zum Thema Sport auf. Aus der Wirtschaft kamen hochrangige Vertreter von Konzernen wie Volkswagen, Allianz, Vodafone, Facebook sowie den Sportsendern Eurosport und DAZN.

Im Gegensatz zu seiner Spitzenstellung im Fußball hinkt der FC-Bayern im eSports den Ligakonkurrenten hinterher. Die anderen Bundesligaclubs und zahlreiche Vertreter aus der zweiten Liga, wie beispielsweise der 1. FC Köln, Holstein Kiel oder der Hamburger SV, sind längst mit eigenen Teams im eSports aktiv. Insbesondere Schalke 04 kann bereits auf eine lange und erfolgreiche eSports-Karriere verweisen.

Top-Clubs investieren Millionensummen in eSports

Clubs der Virtual Bundesliga

Die Clubs der Virtual Bundesliga (Bild: VBL)

Ein Großteil der Vereine nimmt mit eigenen Teams an der TAG Heuer Virtual Bundesliga (VBL) teil, die am 16. Januar von DFB und EA Sports, dem Entwickler und Anbieter des der VBL zugrunde liegenden FIFA-Spiels, gegründet wurde.

Auch international haben Spitzenclubs wie Paris Saint-Germain, Real Madrid oder Manchester City längst die Chancen erkannt, die sich ihnen durch eSports auftun. Deshalb fließen immer größere Summen in den Aufbau eigener eSports-Teams und die Schaffung geeigneter Grundlagen, um bei FIFA und Co. erfolgreich zu sein.

Die Premier League hat sich dabei die deutsche Virtual Bundesliga zum Vorbild genommen und eine britische eSports-Turnierserie für die Clubs ins Leben gerufen.

Rummenigge setzt sich gegen Hoeneß durch

In den Vorstandsetagen der Bayern dürfte heftig über das Thema diskutiert worden sein. Schließlich machte Bayern-Präsident Uli Hoeneß noch im letzten Jahr keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen den digitalen Sport. So sagte er noch im letzten August:

“Junge Leute sollen Sport auf dem Trainingsplatz treiben. Ich sehe ein großes Problem auf uns zukommen. Das darf auf keinen Fall olympisch werden. Es gibt beim FC Bayern auch Bestrebungen. Ich bin dagegen, stehe aber relativ allein da.”

Die aktuellen Aussagen Rummenigges legen nahe, dass sich Hoeneß’ dunkle Vorahnung nun bestätigt hat, und der Club einen künftigen Einstig zumindest prüft. Damit liegen die Bayern im Zeitplan sogar noch hinter dem Starrivalen 1860 München. Die Löwen verkündeten schon vor zwei Wochen, künftig ebenfalls im eSports-Bereich aktiv werden zu wollen.

FIFA19-Logo Neymar

Die Grundlage vieler eSports-Turniere (Bild: EA Sports)

Im Gegensatz zu vielen anderen Clubs werden die 1860er sich jedoch nicht in der Virtual Bundesliga engagieren, sondern ein Team für den eShooter League of Legends (LoL) an den Start bringen. Dieses weltweit von vielen Millionen Nutzern gespielte eGame gehört allerdings tatsächlich in die Liga der von den Bayern-Bossen verteufelten “Ballerspiele”.

Dass viele eSports-Games überhaupt nichts mit Gewalt zu tun haben, zeigt das Beispiel der Virtual Bundesliga, die auf dem weltweit verbreiteten FIFA-Klassiker aufbaut. Hier geht es einzig und allein darum, auf dem virtuellen Fußballplatz Erfolg zu haben. Die Aussicht, sich in einem derart „unblutigen“ Umfeld zu engagieren, dürfte die Bayern-Verantwortlichen zum Umdenken gebracht haben.

Die Attraktivität der Zielgruppe dürfte ebenfalls ein wichtiger Grund für die Neuausrichtung von Bayerns eSports-Strategie sein. So finden sich unter den Fans des FIFA-Games besonders viele Jugendliche, die auf diese Weise an den Verein und der Fußball-Kerngeschäft des Clubs herangeführt werden können.