Vorsicht Fake: Angeblicher ZDF-Bericht über Glücksspiel-Mord kursiert im Netz

Veröffentlicht am: 26. Mai 2021, 12:37 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. Mai 2021, 01:36 Uhr.

Mit Grammatik- und Kommafehlern bestückt, kursiert seit einiger Zeit ein Bericht über einen angeblichen Glücksspiel-Mord in Deutschland im Netz. Getarnt als ZDF-Nachrichtenmeldung ist der Artikel über den vermeintlichen minderjährigen Mörder „Christian M.“ auch auf diversen Facebook-Seiten geteilt worden. Der frei erfundene Teenager soll seinen Freund erstochen haben, weil dieser seinen Glücksspiel-Gewinn nicht teilte.

Fake News Tablet Kaffeetasse
Faktenchecker warnen vor Fake-News-Artikel über Glücksspiel-Mord mit Werbung für Online-Casinos. (Bild: Pixabay)

Abgesehen von den zahlreichen sprachlichen Fehlern liest sich der Fake-Artikel an mehreren Stellen wie eine Werbung für Online-Glücksspiel. Besonders kurios: Je nach News-Seite und Veröffentlichung variiert der Name des genannten Online-Casinos, in dem der angeblich ermordete 18-jährige Andre R. gespielt haben soll.

Besonders in den Vordergrund der Geschichte gerückt wird stets die Bonuszahlung von 1.000 Euro, die der Spieler nach seiner Anmeldung erhalten und direkt in einen Mega-Gewinn umgewandelt haben soll. So heißt es in den Artikeln beispielsweise:

Die beiden Freunde wollten gemeinsam diesen Bonus nutzen, welcher ihnen 1.000 Euro pro Kopf garantiert hätte […]. In Wahrheit aber nutzte Andre R. die Promo-Aktion selbst und begann mit dem erhaltenen Bonus im Online-Casino zu spielen.

Auch der Gewinn, der dem Spieler angeblich sofort per Express-Zahlung ausgezahlt worden sei, wird mal auf 12.000 Euro, mal auf 100.000 Euro beziffert. Wer auf die entsprechenden Links klickt, wird unter anderem auf ominöse Glücksspiel-Plattformen wie Vulkan Vegas oder Casino Deutschland weitergeleitet. In diversen Foren und auf Glücksspielvergleichsportalen wird vor diesen gewarnt.

Falsche Fotos und unseriöser Casino-Auftritt

Wie das österreichische Fakt-Checker-Portal Mimikarma gestern entlarvt hat, wurde der Artikel zur Steigerung seiner Glaubwürdigkeit mit aus dem Kontext gerissenen Fotos vergangener Polizeieinsätze und Gerichtsverhandlungen bestückt. Eines der Fotos entstamme beispielsweise einem Bericht des Schweizer Tagesanzeiger von 2012.

Die Fakten-Checker haben die Spuren eines der genannten Casinos, des Deutschland Casinos, nachverfolgt, um ahnungslose Leser zu warnen. Demnach handle es sich um eine Glücksspiel-Plattform, die erst seit wenigen Monaten existiere und mit Deutschland selbst nichts zu tun habe. Sie erklären:

Der ZDF-Nachrichtenartikel ist gefälscht, das verlinkte Online-Casino existiert erst seit wenigen Monaten und hat keinerlei Bezug zu Deutschland – was auch bedeutet, dass man sich nicht auf das deutsche Glücksspiel-Gesetz berufen kann, wenn man beispielsweise die Gewinne nicht ausgezahlt bekommt – der Anbieter sitzt gar nicht in Deutschland.

Tatsächlich sei die Seite in Polen registriert, nutze einen Anonymisierungs-Service aus Island und gebe bei seiner eigenen Adresse ein Büro in Zypern an. Der gesamte Auftritt sei demnach unseriös und für Glücksspiel-Interessierte sei oberste Vorsicht geboten.