Black Friday: Absolute Poker Spieler erhalten Geld zurück

Veröffentlicht am: 2. November 2018, 10:17 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. November 2018, 10:17 Uhr.

Nachdem ehemalige Nutzer der Online-Poker-Seite Absolute Poker seit 2011 auf die Rückerstattung ihrer Einlagen warten mussten, wurde diese Woche angekündigt, dass eine weitere Runde von Zahlungen veranlasst werden soll.

Online Poker
Absolute Poker war eine der größten Online Poker-Seiten der Welt. (Quelle: Wikimedia)

Hintergrund war der Back Friday vom 15.4.2011. An diesem Tag sperrte das US-Justizministerium alle Online-Poker-Operationen auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Folge: Spieler aus den USA, die Sites wie Absolute Poker nutzten, konnten nicht mehr auf die Guthaben ihrer Accounts zugreifen.

Doch es waren nicht die ersten schlechten Nachrichten, die Absolute Poker-Nutzer hinnehmen mussten. Schon 2007 machte das Unternehmen durch einen aufsehenerregenden Betrugsskandal Schlagzeilen.

Betrügereien im Jahre 2007

Absolute Poker hatte schon vor dem Black Friday für negative Schlagzeilen gesorgt. Bereits im Jahre 2007 wurde in Foren wie 2+2 (Link in Englisch) Gerüchte laut, bei Absolute Poker ginge nicht alles mit rechten Dingen zu.

Spieler beschwerten sich, dass Gegner so perfekt spielen würden, als könnten diese ihre Karten sehen. Vor allem ein Account unter dem ominösen Namen „Potripper“ erregte das Interesse. Dieser Spieler schien immer zu wissen, wann jemand die bessere Hand hielt oder bluffte.

Ass
“Potripper” schien immer ein Ass im Ärmel zu haben (Quelle: Wikipedia)

Dies ging nicht an Highstakes-Spielern wie Marco Johnson aka „CrazyMarco“ vorbei. Der Amerikaner hatte Heads-up gegen „Potripper“ in einem Turnier mit 1.000 Dollar Buy-in gespielt und verloren. Das scheinbar fehlerlose Spiel seines Gegners bewog Johnson dazu, die Hand History des Turniers bei Absolute Poker zu beantragen.

Doch Johnson bekam mehr Informationen als ihm lieb war. Die Hand History zeigte nämlich nicht nur das Board, die Namen der Spieler, Positionen und Einsatz, sondern auch die Karten, die die Spieler hielten.

Schnell wurde klar, dass „Potripper“ keinen guten Tag erwischt hatte, sondern einfach in jeder Situation des Turniers zu wissen schien, welches Blatt seine Gegner hielten.

Kamen die Täter aus den eigenen Reihen?

Nachdem die Informationen von Forenteilnehmern und Spielern weiter ausgewertet wurden, erhöhte sich der Druck auf Absolute Poker. Der Poker-Anbieter begann eine firmeninterne Untersuchung und kam zu dem Ergebnis, dass einer seiner früheren Consultants über einen Master Account

Doch im Zusammenhang mit der Untersuchung wurde nicht nur ein Betrug aufgedeckt. Sie zeigte, dass die Verantwortlichen auf Warnungen über mögliche Sicherheitslücken in der Software nicht reagiert hatten.

Dieses fahrlässige Verhalten führte zu einer Strafe von 500.000 Dollar, die Absolute Poker an die KGC zahlen musste. Obendrein musste das Unternehmen für die Kosten einer externen Ermittlung aufkommen und die Spieler aus dem 1.000 Dollar-Turnier entschädigen.

Absolute Poker hatte damit nicht nur finanzielle Einbußen zu beklagen, sondern seine Glaubwürdigkeit verloren.

Viele Spieler kehrten der Seite den Rücken und der Traffic nahm ab. Es war jedoch letztlich der Black Friday, der endgültig dafür sorgte, dass Absolute Poker nie wieder seine Geschäfte aufnahm.

Was war Absolute Poker?

Online-Poker-Anbieter Absolute Poker wurde im Jahre 2003 von einer Gruppe von Studenten der Universität von Montana, USA gegründet. Das Unternehmen ließ sich nach seiner Gründung in Costa Rica nieder, da es in dem zentralamerikanischen Land keine Glücksspiellizenz benötigte, um online zu operieren.

Auf dem nordamerikanischen Markt konnte Absolute Poker seine Dienste anbieten, da die Kahnawake Gaming Comission (KGC), ein Arm des in Mowak Stammes, die Lizenzierung übernahm.

Im Jahre 2008 fusionierte Absolute Poker mit Ultimate Bet und bildete aufgrund einer verbesserten Software und größerem Spielerpool erstmals eine ernstzunehmende Konkurrenz für Marktrivalen wie Full Tilt Poker und PokerStars.

Im Zuge der Fusion erhärteten sich Gerüchte um Betrug bei Absolute Poker, die zu einem Abgang vieler Spieler führte. Infolge des „Black Friday“ mussten Absolute Poker und Ultimate Bet ihre Operationen am 15.04.2011 einstellen.

Um diese Rückforderungen geht es nach dem Black Friday

Die Garden City Group, eine amerikanische Firma, die sich unter anderem auf Insolvenzverwaltung spezialisiert hat, führt nun zum vierten Mal Zahlungen an die Spieler durch, die nach dem Black Friday nicht mehr auf ihre Absolute Poker Accounts zugreifen konnten.

Bereits im August 2017 hatte die Gruppe insgesamt 33,5 Millionen Dollar an 7.400 Spieler ausgeschüttet, die auf den Seiten Absolute Poker und Ultimate Bet gespielt hatten. Hinzu kamen weitere 3,7 Millionen im Oktober 2017 und eine Rückerstattung von 1.084.200 Dollar im Frühjahr 2018.

In der nächsten Phase sollen noch einmal zusätzliche 133.055.04 Dollar via Schecks und Banktransfer gezahlt werden. Ein genaues Zahlungsdatum wollte das Unternehmen, das vom amerikanischen Justizministerium mit der Auszahlung beauftragt wurde, nicht mitteilen.

Insgesamt sollen bis zu 60 Millionen Dollar an Spieler zurückgezahlt werden.

Absolute Poker hatte im Gegensatz zu anderen Anbietern wie PokerStars die Einzahlungen der Spieler und Firmengelder nicht getrennt behandelt. Dadurch war es der Firma nicht möglich, die Gelder nach dem Black Friday zurückzuzahlen. Ähnlich lief es bei Full Tilt Poker. Auch dieser Anbieter geriet in den Verdacht, Spielergelder an Funktionäre des Unternehmens abgezweigt zu haben.

Black Friday und das Ende von Absolute Poker

Ein Grund für Ausstände von Absolute Poker und Ultimate Bet ist der Black Friday. Als Black Friday wird der 15.04.2011 bezeichnet. Es war der Tag, an dem das US-Justizministerium unter US-Staatsanwalt Preet Bharara seine 52-seitige Anklageschrift gegen die Verantwortlichen der Online-Poker-Seiten Pokerstars, Full Tilt Poker und Absolute Poker/Ultimate Bet verlas.

Bharara sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten gegen den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) aus dem Jahre 2006 verstoßen hatten. Gegenüber der Presse äußerte er:

„Laut Anklage haben die Beschuldigten ein ausgeklügeltes Betrugsszenario entworfen, um amerikanische Banken zu täuschen oder zu bestechen, um den Fluss von Milliarden von Dollar aus illegalen Spielgewinnen zu ermöglichen.“

Der UIGEA verbietet zwar nicht das Online-Glücksspiel per se. Allerdings werden unter anderem das Transferieren und Akzeptieren von Zahlungen zum Zwecke der Teilnahme an einem unlizenzierten Online-Glücksspiel unter Strafe gestellt.

Bharara
Preet Bharara führte die Anklage gegen die größten Online Poker-Anbieter der Welt (Quelle: Wikipedia)

Dies hatte zur Folge, dass die Domains von Full Tilt Poker, PokerStars und Ultimate Bet beschlagnahmt wurden. Die Anbieter durften in den USA nicht länger tätig sein. Die Accounts amerikanischer Spieler blieben lange eingefroren. Erst nach Jahren wurden die Einlagen schrittweise rückerstattet.

Während PokerStars und Full Tilt Poker eine Einigung mit dem US-Justizministerium erreichen konnten und außerhalb der USA operieren konnten, stellte Absolute Poker/ Ultimate Bet seine Operationen ein.

Seit 2011 hat sich jedoch einiges verändert. In einigen US-Bundesstaaten wie New Jersey, Nevada, Delaware und Pennsylvania darf wieder Online Poker gespielt werden, aber es ist noch nicht in gesamten Land möglich.

Die Trennung der Gelder von Kunden- und Firmenkonten wird heutzutage bei allen lizenzierten Pokeranbietern stark überwacht und ist eine Voraussetzung für eine Lizenz.