Abzocke am Telefon: Betrüger verlangen Geld für Gewinnspiel-Teilnahmen

Veröffentlicht am: 18. November 2018, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. November 2018, 05:02 Uhr.

Polizei und Lotterie-Verbände warnen vor Trickbetrügern, die derzeit in ganz Deutschland ihr Unwesen treiben. Die Gauner verlangen von ihren Opfern am Telefon die Zahlung von Geldern für vermeintliche Gewinnspiele, zu deren Teilnahme sie sich angeblich verpflichtet hätten.

Mann am Telefon
Viele Betroffene werden von der Masche überrumpelt (Bild: Pixabay)

Die Abzocke erfolgt stets nach ähnlichem Muster

Die Masche der Telefonbetrüger ist ebenso simpel wie gefährlich: Sie erzeugen am Telefon Druck auf ihre Opfer, indem sie behaupten, dass die Betroffenen für die gewählten Gewinnspiele noch nicht bezahlt hätten.

Oft geben sich die Anrufer als Vertreter des angeblichen Lotterie-Unternehmens oder einer von diesem beauftragten Anwaltskanzlei aus, die mit der Eintreibung der ausstehenden Beträge beauftragt sei. Die Summen bewegen sich dabei häufig im hohen dreistelligen oder gar vierstelligen Eurobereich. Manchen Angerufenen wird dazu die Existenz eines bestehenden Mahnbescheids vorgegaukelt, bei dessen Nichtbeachtung den Betroffenen hohe Strafzahlungen drohten.

Als Beweis für ihre Forderungen legen die Ganoven manipulierte Telefonmitschnitte vor, bei denen die Opfer der Teilnahme an einem Gewinnspiel offenbar zugestimmt haben. Dabei wurden “ja”-Antworten der Betrogenen aus vorhergehenden “Fishing”-Telefonaten mit den Aussagen der Betrüger so zusammengeschnitten, dass es sich anhört, als stimme der Betroffene einer Teilnahme zu.

Betrüger sind deutschlandweit aktiv

Euro-Scheine
Die Opfer werden um hohe Summen betrogen (Bild: Pixabay)

Es scheint, dass derzeit unterschiedliche Gruppen im gesamten Bundesgebiet Jagd auf potentielle Opfer machen. So wird vermehrt im süddeutschen Raum von Anrufen berichtet, bei denen sich eine angebliche Gewinnspielzentrale aus München meldet. Die Betrüger behaupten dabei, dass aufgrund angeblich abgeschlossener Lotterie-Abos Beträge zwischen 590 und 790 Euro noch nicht bezahlt und binnen Wochenfrist zu begleichen seien.

In Hamburg warnt die Lottozentrale ebenfalls vor der Betrugsmasche. Wie sie am Freitag bekannt gab, ist es in den vergangenen Tagen in der Hansestadt bereits zu mehr als 50 Anrufen gekommen, bei denen sich Kriminelle als Mitarbeiter von Hamburg Lotto ausgaben und persönliche Daten sowie Bankverbindungen erfragten.

Besonders perfide an dem Versuch ist, dass die Gauner mit der korrekten Kundenservice-Nummer der Hamburger Lotto-Zentrale arbeiten. Auf diese Weise erschlichen sie sich das Vertrauen ihrer Opfer, um an die sensiblen Daten zu gelangen.

Weitere Fälle wurden aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen berichtet. Michael Heinrich, Geschäftsführer von Lotto Hamburg warnt deshalb die Bevölkerung in der Zeitung Hamburger Abendblatt:

“Hinter der Masche stecken professionelle Betrüger. Wir appellieren an unsere Kunden und alle Hamburger, wachsam zu sein und auf solche Telefonate nicht einzugehen.”

Auch in im thüringischen Jena treiben die Abzocker ihr Unwesen. Hier gehen sie allerdings mit einer leicht veränderten Taktik vor: Sie gaukeln ihren Opfern einen vermeintlichen Glücksspiel-Gewinn in fünfstelliger Höhe vor. Für diesen sollen sie „Gewinner“ eine Gebühr entrichten, die meist knapp unter 1.000 Euro liegt.

Anzahl der Geschädigten unklar
Angesichts der Häufung der Fällte ist zu befürchten, dass eine ganze Reihe von Opfern auf die Betrüger hereinfällt. Die Behörden machen zur genauen Anzahl keine Angaben, doch es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich über den tatsächlich gemeldeten Delikten liegt. Der Grund für die Zurückhaltung der Geschädigten ist offensichtlich: Viele schämen sich für ihre Naivität und dafür, dass sie auf die durchschaubare Masche hereingefallen sind. Anderen ist wiederum gar nicht bewusst, dass sie Betrügern aufgesessen sind, denn nach der Zahlung hören sie meist nie wieder etwas von den Tätern.

Kriminelle geben sich als Staatsanwälte aus

Noch dreister geht eine Gruppe aus Stuttgart vor. Dort schrecken die Betrüger nicht davor zurück, sich am Telefon als Gerichtsvollzieher, Polizisten oder sogar Staatsanwälte auszugeben. Auch sie fordern Zahlungen für angeblich abgeschlossene Gewinnspiele und drohen ihren Opfern sogar mit Pfändung, falls diese sich weigern, ihre “Schulden” zu bezahlen.

Um die Zahlungsbereitschaft zu steigern, erwähnen die Anrufer gleichzeitig Gewinne, die eventuell bereitlägen und erst nach der Überweisung freigegeben werden könnten. Die Überweisung soll auf Konten im Ausland getätigt werden, wobei die begünstigten Banken in Offshore-Paradiesen wie Gibraltar oder Zypern residieren. Die Chancen von Betrogenen, das Geld aus diesen Staaten später zurückzubekommen, tendieren gen Null.

Die Stuttgarter Trickbetrüger gehen soweit, dass sie den Angerufenen auf Nachfrage gefälschte Aktenzeichen zu den angeblichen Mahnverfahren mitteilen und für weitere Informationen an eine Anwaltskanzlei verweisen. Wer dort anruft, landet bei einem Komplizen der Clique, der sich als Anwalt ausgibt.

Widerstand ist relativ einfach

Verbraucherzentrale
Auch Verbraucherzentralen warnen (Bild: Wikipedia)

Verbraucherzentralen raten, Telefonate mit Unbekannten, die vorgeblich Marktforschungszwecken dienen, generell sofort abzubrechen. Wer sich auf ein Gespräch einlässt, sollte auf Fragen tunlichst nie mit einem einfachen “ja” antworten, da dies für die Manipulation der “Beweismittel” genutzt wird (siehe oben).

Wer trotzdem unsicher ist, sollte auf einer schriftlichen Mitteilung bestehen und auf keinem Fall am Telefon dem Druck der Trickbetrüger nachgeben. In den meisten Fällen hat sich das Thema damit für sie erledigt, weil die Täter fürchten, schriftliche Beweise zu hinterlassen.

Darüber hinaus haben Betroffene nach der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) deutlich mehr Rechte in Bezug auf den Umgang von Unternehmen mit ihren Daten. Die Erwähnung der Verordnung ist deshalb ebenfalls eine wirksame Maßnahme, um die ungebetenen Anrufer abzuschrecken.

Trotz der guten Ratschläge sind die Betrüger mit ihrer Masche weiterhin erfolgreich. Behörden und Verbraucherzentralen setzen deshalb weiter auf Aufklärung, damit Betroffene das falsche Spiel künftig schneller durchschauen.

Auf YouTube werden die Betrüger veralbert

Einige YouTube-Blogger machen sich über die Betrugsmache lustig, indem sie die Anrufer veralbern. Während der Telefonate verwickeln sie die Gauner in lange Gespräche, an deren Ende die Täter oft selbst die Fassung verlieren und auflegen.

Die YouTuber schneiden die Gespräche mit und stellen sie zur Belustigung ihrer Zuschauer online. So tragen die witzigen Clips dazu bei, dass die Masche von immer mehr Nutzern erkannt wird, was die Erfolgsaussichten der Betrüger hoffentlich schmälert.