John Cynn hat sich in Las Vegas nach einem spannenden Match als der neue Poker-Weltmeister etabliert. Am frühen Sonntagmorgen Ortszeit setzte sich der 34-jährige US-Amerikaner im Heads-up gegen seinen Konkurrenten Tony Miles durch. Für den Gewinn am Final Table des Main Events bei der World Series of Poker (WSOP) strich der Pokerprofi 8,8 Millionen US-Dollar ein.

John Cynn mit Geld

John Cynn sicherte sich 8,8 Millionen US-Dollar und das Bracelet (Bild: wsop)

Zweitgrößtes Teilnehmerfeld aller Zeiten

Auch in diesem Jahr fieberten wieder unzählige Fans vor Ort und Millionen von Poker-Anhängern auf der ganzen Welt dem Finale des Events #65, dem $10,000 No-Limit Hold’em Main Event der WSOP, entgegen. Das diesjährige Turnier wies mit insgesamt 7.874 Spielern die zweitgrößte Teilnehmerzahl aller Zeiten auf. Nachdem sich das Feld in den 11 Tagen zuvor bereits gelichtet hatte, traten ab Freitagabend die verbliebenen Poker-Profis zum großen Finale an.

Wie in den Jahren zuvor wurde der Final Table der im Rio All-Suite Hotel and Casino ausgespielten Partie von US-Amerikanern dominiert, da sich mit Alex Lynskey (Australien), Artem Metalidi (Ukraine) und Antoine Labat (Frankreich) lediglich drei Nichtamerikaner für den Final Table platzieren konnten.

Der Final Table (mit verfügbaren Chips bei Beginn)
1. Nicolas Manion (USA), 112.775.000
2. Michael Dyer (USA), 109.175.000
3. Tony Miles (USA), 42.750.000
4. John Cynn (USA), 37.075.000
5. Alex Lynskey (Australien), 25.925.000
6. Joe Cada (USA), 23.675.000
7. Aram Zobian (USA), 18.875.000
8. Artem Metalidi (Ukraine), 15.475.000
9. Antoine Labat (Frankreich), 8.050.000

Die eindeutige Führung von Nicolas Manion schrumpfte im Verlauf der ersten Stunden beträchtlich und auch Michael Dyers Chipanzahl musste ordentlich Federn lassen. Nachdem mit Joe Cada der Sieger des Main Events von 2009 den Spieltisch verlassen musste, schied schließlich auch der ehemals führende Manion als Viertletzter aus. Immerhin darf er 2,825 Millionen US-Dollar mit nach Hause nehmen.

Dreikampf zwischen Miles, Cynn und Dyer

Tony Miles und John Cynn

Das Ende eines packenden Finales (Bild: wsop)

Als letzte drei Spieler verblieben schließlich Tony Miles (238.900.000 Chips), John Cynn (128.700.000) und Michael Dyer (26.200.000). Diese drei Profis spielten in der finalen Nacht um den Weltmeistertitel, die 8,8 Millionen US-Dollar schwere Siegesprämie und das begehrte Bracelet.

Der bereits zu Beginn bei der Chipzahl weit zurückliegende Michael Dyer musste als erster Spieler die Segel streichen. Der 32-Jährige aus dem texanischen Houston ging dabei sehr schnell ins Risiko, als er mit seinen 22,2 Millionen verbliebenen Chips und Herz Ass sowie Karo 10 All-in ging.

Tony Miles callte mit seinen Pik Ass und Herz Buben, woraufhin er nach dem Flop von Kreuz Dame, Pik 5 und Karo 3 vorne lag. Der Turn erbrachte den Kreuz Buben, was Miles ein Pärchen bescherte. Auf dem River erschien noch eine Herz Dame, womit Michael Dyers Hand verlor. Für seinen dritten Platz darf sich mit einer Prämie von 3,75 Millionen US-Dollar trösten.

Packendes Finale mit Miles und Cynn

Das danach eingeläutete Duell begann sehr ausgeglichen, denn die beiden Spieler lagen mit 203.500.000 (Tony Miles) und 190.300.000 (John Lynn) relativ nah beieinander. Zunächst gelang es keinem der Spieler, sich im Verlauf des zehnstündigen Heads-up entscheidend durchzusetzen.

Abwechselnd gewannen beide größere Pots, bis sich die Partie bei der 442. Hand des Final Tables entschied. Cynn führte bereits mit 2:1 an Chips, als er mit Kreuz König und Kreuz Bube auf den Karo König, Herz König und Herz 5-Flop Miles callte, der Kreuz Dame und Herz 8 auf der Hand hielt.

Nach einem Turn mit der Karo 8 ging Miles mit seinen gesamten restlichen Chips All-in. Nach einer einminütigen Bedenkzeit callte Cynn erneut. Die Karten wurden aufgedeckt, womit Miles’ Schicksal am Pokertisch besiegelt war. Die Pik 4 im River hatte keinerlei Auswirkung mehr, während Cynn und seine in weiße Shirts mit dem Aufdruck “Welcome to Cynn City” gekleideten Anhänger in lauten Jubel ausbrachen. Der frischgekürte Weltmeister sagte nach seinem Triumph:

“Hier zu gewinnen; das ist etwas, von dem man träumt, was aber eigentlich nie in Erfüllung geht. Ich bin absolut überwältig. Ich denke, dass ich das Preisgeld gar nicht brauche, um glücklich zu sein, aber natürlich macht es alles sehr viel einfacher. Es gibt einiges, was ich nun für mich, meine Familie und besonders meine Eltern tun kann. Der Sieg wird mein Leben definitiv verändern.”

Miles und Cynn bisher nicht als Top-Spieler aufgefallen

Tony Miles

Tony Miles – der faire Verlierer des Duells (Bild: wsop)

John Cynn gehörte bis zu diesem Wochenende nicht zur ersten Garde der Profispieler. Mit einer gesamten Preisgeldsumme von 944.786 US-Dollar rangierte der 34-Jährige aus Indianapolis auf der All-time-Geldrangliste bis zum Main Event lediglich auf Rang 1.919.

Sein weitaus bestes Ergebnis erspielte Cynn beim Main Event der WSOP 2016, als er mit Platz 11 knapp am Final Table vorbei schrammte und dafür 650.000 US-Dollar einstrich. Die Poker-Weltmeisterschaft in Las Vegas scheint nach seinem jetzigen Mega-Erfolg ein gutes Pflaster für den Spieler zu sein. Neben Preisgeld und Bracelet hat er nach dem Sieg seinen Platz in der Ruhmesgeschichte des Pokerns jedenfalls sicher.

Auch für den 33-jährigen Tony Miles ist es der mit Abstand größte Erfolg seiner Karriere. Der seit 2011 aktive Pokerprofi gewann bis zum Main Event lediglich 54.000 US-Dollar, wobei ihm der dritte Platz bei $ 300 No Limit Hold’em WPT Regional Event in Jacksonville 2011 mit 18.000 US-Dollar das höchste Preisgeld bescherte. Bei der diesjährigen WSOP lief es für den Spieler bereits vorher besser, denn beim $ 570 No Limit Hold’em erreichte er den zehnten Platz und strich dafür 10.724 US-Dollar ein. Der zweite Platz beim Main Event bildet für ihn damit sicher den krönenden Abschluss der diesjährigen WSOP in Las Vegas.