Irischer Finanzminister will Limits an Spielautomaten erhöhen

Veröffentlicht am: 27. November 2019, 12:42 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 27. November 2019, 12:42 Uhr.

Die irische Regierung setzt auf eine massive Erhöhung der Limits an Geldspielautomaten. Dies gab Justizminister Charlie Flanagan gestern bei einer Sitzung des Parlaments in Dublin bekannt. Die Änderungsvorschläge sind Teil der Anstrengungen, die aus dem Jahr 1956 stammenden Glücksspielgesetze des irischen Gaming und Lotterie Acts zu reformieren.

Personen sitzen vor Spielautomaten
An Spielautomaten in Irland sollen nach Willen der Regierung künftig höhere Ein- und Auszahlungslimits gelten (Quelle:pixabay.com/djedj)

Auszahlung: 500 Euro statt 50 Cent

Derzeit berät der Oireachtas, das Parlament der Republik Irland, über eine Reform der nationalen Glücksspielgesetzgebung. Gestern brachte Justizminister Charlie Flanagan einen weiteren offiziellen Vorschlag für die künftige Regulierung der Spielautomaten in Irland ein:

Wappen des irischen Parlaments Oireachtas
Der Finanzminister stellte seine Pläne im Oireachtas vor (Quelle:Barryob, gemeinfrei)

 

Künftig solle der maximale Einsatz pro Spiel bei fünf Euro statt drei Cent liegen. Der Höchstbetrag bei Auszahlungen solle von 50 Cent auf 500 Euro erhöht werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Regierung für eine eklatante Anhebung der Obergrenzen an Geldspielautomaten einsetzt. Erst im vergangenen März hatte der Abgeordnete David Stanton die Erhöhung des Einsatzlimits auf 10 Euro und maximale Auszahlungen von 750 Euro gefordert.

Dass der Finanzminister die ursprüngliche Forderung nun abschwächte, dürfte auch im Zusammenhang damit stehen, dass der vorherige Vorstoß in der Öffentlichkeit und insbesondere bei Spielerschutzorganisationen auf Unverständnis gestoßen war.

Wenig überraschend ließ auch die Reaktion auf den gestrigen Vorschlag im irischen Parlament nicht lange auf sich warten. So rechnete beispielsweise die prominente Spielerschutzorganisation Problem Gambling Ireland via Twitter vor, was die nun geplante Anhebung der Limits für Spieler bedeuten könne:

5 € pro Runde, bei 10 Runden pro Minute = 50 € pro Minute. Durchschnittliches Nettogehalt = ca. 600 € pro Woche. Da würde es nicht lange dauern, um einen Wochenlohn zu verspielen.

Wildwuchs im Glücksspielsektor

Irland ringt seit Jahren um eine Reform seiner Glücksspielgesetzgebung. Zwar verfügt das Land über Lizensierungsverfahren für Glücksspielanbieter, Experten zufolge seien diese aber leicht zu umgehen. Dies führe sowohl online als auch bei landbasierten Angeboten zu einem nahezu unkontrollierten Wildwuchs mit besorgniserregenden Konsequenzen:

Laut Schätzungen des Interessenverbandes Licensed Gaming Association of Ireland (LGAI) soll es derzeit rund 40.000 Spielautomaten im Land geben. Angaben irischer Medien zufolge seien zum Zeitpunkt der Anfrage im Juli 2019 jedoch nur 4.491 entsprechende Konzessionen aktiv gewesen.

Zöge man die nicht-lizenzpflichtigen Geräte in öffentlich nicht zugänglichen Räumlichkeiten ab, blieben somit vermutlich über 30.000 nicht offiziell lizensierte Spielautomaten in Irland übrig.

Das auf das Glücksspiel spezialisierte britische Forschungsunternehmen H2 Gambling Capital (Seite auf Englisch) kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Irland 2018 mit einem durchschnittlichen Verlust von 382 Euro pro Erwachsenen einen der weltweiten Spitzenplätze belegte. Zwar entfiele der Großteil der verspielten Summen auf das Online Glücksspiel, mit über 20 Prozent, also rund 83 Euro pro Person und Jahr, würden Verluste aber an landbasierten Spielautomaten generiert.

Inwieweit sich Automatenbetreiber an die, laut irischer Regierung „veralteten und archaischen“, minimalen Einsatzlimits des Gaming und Lotterie Acts von 1956 hielten, sei mehr als fraglich.

Eine Vielzahl der Geräte locke Spieler mit der Chance auf Gewinne im drei- und vierstelligen Bereich, die somit deutlich über der gesetzlichen Maximalauszahlung von 50 Cent lägen. Auch die Auszahlungsquoten der Geräte seien mehr oder minder den Betreibern selbst überlassen.

Reform nach 63 Jahren

In diesem Kontext verwundert es nicht, dass sich die irische Regierung bemüht, die vor mittlerweile 63 Jahren in Kraft getretenen Regelungen des Gaming und Lotterie Acts an die Gegenwart anzupassen und so, eigenen Aussagen zufolge, leichter kontrollierbar zu machen.

Auch die derzeit unterschiedlichen Herangehensweisen regionaler Behörden an die Lizenzvergabe verkomplizierten die Prozesse und machten eine einheitliche Regelung auf nationaler Ebene notwendig.

Zwischen Verbraucherschutz, Industrie und Politik besteht ein weitestgehender Konsens, dass veraltete Vorgaben in Bezug auf das Glücksspiel in Irland den modernen Herausforderungen angepasst werden müssen.

Inwieweit eine Erhöhung der Einsatzlimits an Spielautomaten aber eine Priorität bei Fragen der Regulierung und des Spielerschutzes zukommen sollte, dürfte auch weiterhin für Diskussionen sorgen.

Derzeit wird im irischen Parlament über die Eingaben zum neuen Glücksspielgesetz beraten. Wann es zu einer Entscheidung und möglichen Umsetzung kommen könnte, ist bislang nicht bekannt.