Schweizer Glücksspiel Studie: Jeder fünfte Onlinespieler ist gefährdet

Veröffentlicht am: 9. Oktober 2019, 12:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Oktober 2019, 02:39 Uhr.

Am 8. Oktober wurde eine Studie zum Glücksspielverhalten der Schweizer veröffentlicht. Demnach spielt die Mehrheit der Bevölkerung relativ selten. Bei Onlinespielern ist die Gefahr einer Spielsucht allerdings um ein Vielfaches größer, so die Untersuchung.

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Onlinespieler sind besonders gefährdet (Bild: fee.org)

Die Analyse wurde von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) und der Lotterie- und Wettkommission (Comlot) in Auftrag gegeben. Dafür waren im Jahr 2017 18.832 Personen ab 15 Jahren befragt worden.

Jeder fünfte Onlinespieler ist gefährdet

Als einen besonderen Gefährdungsindikator erkannten die Forscher das Online Glücksspiel, denn in diesem Bereich trete das risikoreiche und pathologische Spiel überproportional oft auf. So lag der Anteil der in Onlinespieler mit einem problematischem Spielverhalten bei 22.1% und damit weit über den 2,8 % der gesamten Kontrollgruppe.

Experten geben zudem zu bedenken, dass die Daten bereits 2017 erhoben wurden. Angesichts der wachsenden Umsatzzahlen des Online Glücksspiels könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Zahl der Spielsuchtgefährdeten seitdem weiter erhöht habe.

Die Mehrheit spielt nur selten

Insgesamt erklärten 69 % der Befragten, mindestens einmal in ihrem Leben gespielt zu haben. Dies ist im Vergleich zu 2012 ein leichter Rückgang, als diese Frage von 70,6 % mit ja beantwortet wurde. Mit 55 % gab über die Hälfte der Befragten an, im Jahr 2017 mindestens einmal gespielt zu haben.

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Lotto ist beliebt (Bild: swisslos.ch)

In der Rangliste der Beliebtheit liegen der Studie zufloge Lotterien (48,2 %) vor Tombolas und privaten Spielen (14,3 %), Tischspielen (8,6 %) und Spielautomaten (6,7 %). Demgegenüber seien Sportwetten (4,5 %) oder Online Glücksspiele (2,3% %) vergleichsweise selten genutzt worden.

Insgesamt gaben über zwei Drittel der 2017 spielenden Personen an, nur mit geringem Risiko zu zocken. Diese Gruppe erklärte gleichzeitig, über keine Probleme mit dem Glücksspiel zu klagen. Dazu passt, dass die Mehrheit der Befragten, die 2017 gespielt hatten, der eigenen Aussage zufolge lediglich niedrige Beträge für Lotterien und Co. ausgab.

So erklärten 44,1 % von ihnen, monatlich weniger als 10 Franken zu investieren. Bei weiteren 39 % lag der Betrag zwischen 10 und 99 Franken. Jedoch gaben 0,5 % an, sich das Glücksspiel monatlich zwischen 1.000 und 9.999 Franken kosten zu lassen.

Ein kleiner Anteil hat Probleme mit dem Glücksspiel

Die Forscher zählen 16,4 % der Befragten zu den häufig Spielenden, die mindestens einmal im Monat Geld für das Spiel ausgeben. Diese seien zum Großteil weit von einer Spielsucht entfernt, doch die Organisatoren der Studie identifizierten 2,8 % der Teilnehmer als Menschen mit einem risikoreichen Spielverhalten.

0,2 % der Spieler wiesen sogar ein pathologisches Spielverhalten auf, was nach Meinung der Forscher auf eine behandlungsbedürftige Spielsucht hindeute. Dieses Verhalten trete demnach vorzugsweise bei jüngeren Männern zwischen 15 und 24 Jahren und Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau auf. Auch Raucher und Menschen mit einem Hang zu Depressionen seien häufiger betroffen.

Darüber hinaus ließ die Studie einen Rückschluss auf die regionale Verteilung von Glücksspielproblemen zu: Ihr zufolge treten diese in der französischsprachigen Westschweiz besonders oft auf. Der Anteil der Problemspieler sei dort fast doppelt so hoch wie im Tessin.

Kontrolleure vergrößern die Sperrliste

Fast parallel zur Veröffentlichung der Studie haben die Schweizer Behörden den Zugang für internationale Online Casinos weiter beschränkt: In dieser Woche setzten sie weitere 16 ausländische Anbieter auf eine schwarze Liste.

Auslöser für die Erstellung der Sperrliste ist das neue, seit Anfang des Jahres geltende Geldspielgesetz. Dieses verbietet es ausländischen Unternehmen, in der Schweiz im Internet Glücksspiele anzubieten.

Seitdem ist der Betrieb von Online Glücksspielen nur noch Anbietern erlaubt, die ihre Hauptniederlassung in der Schweiz haben. Derzeit gibt es vier Unternehmen, die eine Lizenz dafür besitzen.

Die Sperrliste wird von den beiden zuständigen Kontrollbehörden ESBK und Comlot koordiniert. Sie wurde Anfang September eingeführt und umfasst mittlerweile weit über 100 gesperrte Onlinebetreiber von Casinos und Wettbüros.

Besucher der Webseiten werden seitdem von den Providern automatisch auf eine Warnseite weitergeleitet, die sie über die Illegalität des Angebots unterrichtet. Die künftige Entwicklung der Anzahl von Spielsuchtgefährdeten wird zeigen, ob die rigiden Maßnahmen der Behörden helfen, die Verbreitung von problematischem Glücksspiel in der Schweiz einzudämmen.