Pentagon zahlt 10 Mio. US-Dollar für Poker spielende KI

Veröffentlicht am: 24. Januar 2019, 01:11 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. Januar 2019, 04:48 Uhr.

Das US-Verteidigungsministerium hat einen Zweijahresvertrag mit den Entwicklern der künstlichen Intelligenz (KI) „Libratus“ abgeschlossen.

Supercomputer in einem Serverraum
Künstliche Intelligenz wäre ohne Supercomputer undenkbar. (Quelle: Wikipedia)

Tuomas Sandholm von der Carnegie Mellon University entwickelte das Programme, das 2017 in die Schlagzeilen gelangte, nachdem es vier Pokerprofis in der Disziplin No-Limit-Hold´em geschlagen hatte.

Nun soll der Poker-Bot dabei helfen, die Defense Innovative Unit (DIU) des US-Militärs zu stärken. Die Abteilung arbeitet unter anderem an der Simulation möglicher Kriegsszenarien.

Im Zuge des Deals erhält Sandholms 2018 gegründetes Startup Unternehmen Strategy Robot über zwei Jahre Zahlungen in Höhe von 10 Millionen Dollar (ca. 8.8 Millionen Euro).

So funktioniert Libratus

Libratus ist eine künstliche Intelligenz, die auf drei verschiedenen Modulen basiert. Ihre wichtigste Komponente ist das „Reinforcement-Learning“.

Darunter kann eine Methode des Trial-and-Error-Prinzips verstanden werden, bei der die künstliche Intelligenz Hand für Hand gegen sich selbst spielt und letztlich ihr Verhalten mit den statistischen Wahrscheinlichkeiten des Spiels abgleicht.

So lernt das System, statistisch bessere Entscheidungen zu treffen.

Ein zweites Modul der KI entwickelt auf dieser Grundlage Strategien und Lösungen für bestimmte Situationen, die wiederholt im Spiel auftreten.

Das dritte Modul ermöglicht es der KI, Strategien auf bestimmte Situationen anzupassen und selbstständig zu verbessern.

Die Kombination dieser Fähigkeiten ermöglicht es Libratus in einem Pokerspiel, die Aktionen seiner Gegner als Daten zu nutzen, um so in Echtzeit einen Game-Plan zu entwickeln, der die Spielzüge der Opponenten analysiert und deren Schwächen ausnutzt.

Man könnte also sagen, dass Libratus` Gegner selbst daran mitwirken, von der Maschine besiegt zu werden.

Nicht die einzige KI, die pokert

Libratus ist nicht die einzige Software, die bisher beim Texas Hold´em Poker gegen menschliche Spieler zum Einsatz kam. Wissenschaftler der Universität Alberta testeten 2017 die Poker-KI „DeepStack“, die gegen 33 Pokerspieler antrat und dabei eine Gewinnrate von 492 Milli-Big-Blinds (1/1000 eines Big-Blinds) pro Spiel erzielte.

Libratus schlägt Profis

Seinen ersten großen Auftritt hatte das Programm im Januar 2017 in Pittsburgh, als es gegen die Pokerprofis Dong Kim, Daniel McAulay, Jimmy Chou und Jason Les in einem No Limit Hold´em-Pokerturnier antrat, bei dem über 20 Tage insgesamt 120.000 Hände gespielt wurden.

Der Turnierpreispool von 200.000 Dollar (ca. 176.000 Euro), von dem 20.000 Dollar (ca. 17.600 Euro) jedem Teilnehmer sicher waren, sollte je nach Stärke des Abschneidens anteilig an die Spieler vergeben werden.

Laptop und Karten
Poker und Computerprogramme haben im Online-Zeitalter zusammengefunden. (Quelle: Wikipedia)

Doch von Stärke oder gar Überlegenheit konnte im Kampf des Menschen gegen die Maschine kaum eine Rede sein. Tatsächlich gewann Libratus gegen alle vier Kontrahenten – die Frage war nur, wie hoch.

Am Ende verloren Jason Les (-880.087 Chips), Jimmy Chou (-522.857 Chips), Daniel MacAuley (-277.657 Chips) und Dong Kim (-85.649 Chips) insgesamt 1.766.250 Chips. Glücklicherweise handelte es sich dabei nur Spielgeld.

 

Libratus setzte sich insgesamt mit einer beeindruckenden Gewinnrate von 14.7 Big-Blinds pro 100 Hände gegen seine Gegner durch. Diese Gewinnrate ist – vergleicht man sie mit den Gewinnraten der besten menschlichen Highstakes No-Limit-Hold´em Cash Game-Spieler – geradezu erschreckend hoch.

So konnte Daniel „w00ki3z.“ Cates, einer der größten Gewinner im Zeitalter des Online-Poker, im Jahre 2016 über 170.543 gespielte Hände gerade einmal eine Gewinnrate von 8.54 Big Blinds pro 100 Hände vorweisen.

Auch Dong Kim, einer der menschlichen Gegner von Libratus, zeigte sich in einem Gespräch mit dem Magazin Wired beeindruckt von den Fähigkeiten der KI:

„Mir war bis heute nicht klar, wie gut sie [die künstliche Intelligenz, Anmerkung der Redaktion] war. Ich fühlte mich, als spielte ich gegen jemanden, der betrügt und meine Karten sehen konnte. Ich werfe ihr nicht vor zu betrügen. Sie war einfach nur so gut.“

Die weiteren Anwendungen der Libratus-Technologie

Dass Militär- und Verteidigungsplaner in den letzten Jahren immer häufiger auf die Innovationen aus dem Bereich der KI-Forschung zurückgreifen, ist kein Zufall.

In Zeiten, in denen Kriege nicht allein auf Schlachtfeldern, sondern auch im virtuellen Raum geführt werden, kann künstliche Intelligenz wie Libratus einen wichtigen Beitrag zur Cybersicherheit leisten.

Drohne im Himmel
Drohnen wie diese können mit KI ausgestattet werden. (Quelle: Wikipedia)

Angriffsszenarien könnten durch die KI simuliert und parallel dazu smarte Verteidigungsstrategien errechnet werden. Auch im Bereich logistische Planung oder Raumnutzung könnte die künstliche Intelligenz einen Beitrag dazu leisten, die nationale Sicherheit von Staaten zu erhöhen und die Effektivität der Verteidigung zu erhöhen.

Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass KI auch in offensiver und aggressiver Weise eingesetzt werden könnte.

So hatte das Unternehmen Google erst kürzlich für Furore gesorgt, als Informationen über das Projekt Maven ans Tageslicht gelangten.

Maven ist ein militärisches KI-Projekt, das unter anderem die Ausstattung von Drohnen mit modernster Überwachungstechnologie vorsieht. Die von Google entwickelten Algorithmen sollten dabei helfen, militärisch relevante Ziele besser lokalisieren und identifizieren zu können.

Nach Mitarbeiterprotesten hatte sich Google schließlich dazu entschieden, den Projektvertrag mit dem Pentagon nicht über das Jahr 2019 hinaus zu verlängern.