Online-Spenden bei Glücksspiel verpulvert: Fake-Story bringt Amerikanerin in Haft

Veröffentlicht am: 26. July 2022, 11:50 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. July 2022, 11:50 Uhr.

Eine 32-jährige US-Amerikanerin muss für ein Jahr und einen Tag ins Gefängnis, weil sie unrechtmäßig Spenden gesammelt und das Geld unter anderem beim Glücksspiel in Las Vegas verpulvert hat.

GoFundMe Betrüger
Die geständigen Spendenbetrüger Johnny B. (l.), Katelyn M. und Marc D. (Quelle: Burlington County, New Jersey, Prosecutor’s Office)

Katelyn M. hatte sich bereits zuvor schuldig bekannt, über die Crowdsourcing-Plattform GoFundMe unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gut 400.000 USD gesammelt zu haben. Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund hatte sie eine rührselige Geschichte um einen obdachlosen Veteranen erfunden.

14.000 Spender fallen auf Fake-Story rein

Im Jahr 2017 gelang es Katelyn M. und ihrem Partner Marc D. binnen nur drei Wochen Spenden in Höhe von rund 400.000 USD einzusammeln. Über 14.000 Menschen hatten sich an der von dem Paar ins Leben gerufenen GoFundMe-Aktion beteiligt. Diese sollte angeblich einem obdachlosen Mann zugutekommen.

Auf der Spendenplattform hatte Katelyn M. unter dem Titel Paying It Forward (sinng. „Sich revanchieren“) eine rührselige Story zum Besten gegeben. Bei deren Protagonisten und angeblichemEmpfänger der gespendeten Gelder handelte es sich um den obdachlosen Veteranen Johnny B. Der 39-Jährige, so die Erzählung, habe der jungen Frau uneigennützig aus einer Notlage geholfen.

So sei Katelyn M. auf einer Autofahrt das Benzin ausgegangen. Der zufällig des Weges kommende und eigentlich mittellose Johnny B. habe seine letzten 20 USD aufgewandt, um der hilflosen Frau zu helfen.

Mit der Spendenaktion, deren Ziel ursprünglich mit 10.000 USD beziffert war, wolle das Paar seinem „guten Samariter“ danken und ihn von der Straße holen. Die Spendenaktion ging viral und schlug auch international Wellen.

Medien gegenüber zeigten sich die drei später äußerst gerührt von der hohen Hilfsbereitschaft. Mit dem Geld habe sich der obdachlose Johnny B. ein neues Leben aufbauen können. Lange hielt die Einigkeit jedoch nicht vor.

Bereits wenige Monate später, im Sommer 2018, wandte sich ein aufgebrachter Johnny B. an die Öffentlichkeit. Sein Vorwurf: Katelyn M. und Marc D. weigerten sich, ihm sein Geld auszuzahlen. Stattdessen gäben sie es mit vollen Händen aus.

Das Paar widersprach, unter anderem bei einem Talkshow-Auftritt im nationalen Fernsehen.

So versuche man lediglich, den schwer drogenabhängigen Johnny B. vor sich selbst zu schützen, indem man ihm das Geld nicht umgehend in Gänze auszahle. Selbst hätten sich Katelyn M. und Marc D. nicht an den Spenden bereichert.

Designerhandtaschen und Glücksspiel-Trips

Daraufhin verklagte Johnny B. seine angeblichen Gönner. Mit schwerwiegenden Folgen. Es stellte sich heraus, dass abgesehen von seiner Obdachlosigkeit kein Detail der prominent platzierten Story stimmte. So hatte es nie ein Aufeinandertreffen am Highway gegeben.

Vielmehr hatte sich der Mann bettelnd in der Nähe eines Casinos in Philadelphia aufgehalten, das das Paar regelmäßig besuchte. Zunächst ohne sein Wissen richteten die beiden die Spendenaktion ein. Einige Wochen später weihten sie ihn ein und übermittelten ihm einmalig 25.000 USD der bereits eingenommenen Gelder.

Den Großteil des Restbetrages der rund 400.000 USD, so beschreibt es die Staatsanwaltschaft in einem aktuellen Statement [Seite auf Englisch], habe das Paar binnen nur drei Monaten durchgebracht. Unter anderem sei das Geld in einen Silvester-Trip in die Glücksspiel-Metropole Las Vegas geflossen. Die Anklage warf den beiden vor:

[Sie] nutzten die Gelder, um Luxusartikel wie einen BMW und teure Handtaschen zu bezahlen, Reisen zu unternehmen und in Casinos in Pennsylvania, New Jersey und Las Vegas zu spielen.

Zusätzlich zu ihrer Haftstrafe von einem Jahr und einem Tag wurde Katelyn M. zu weiteren drei Jahren unter Führungsaufsicht verurteilt. Das Gericht ordnete zudem die Rückzahlung der 400.000 USD an.

Ihr mittlerweile ehemaliger Freund Marc D. war bereits im April zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Johnny B. hatte sich ebenso wie seine einstigen Komplizen schuldig bekannt. Das Urteil gegen ihn steht noch aus.