Britische Glücksspiel-Anbieter bald zur Finanzierung von Spielsucht-Therapien verpflichtet?

Veröffentlicht am: 7. April 2021, 01:37 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 7. April 2021, 01:46 Uhr.

Die Direktorin für psychische Gesundheit des National Health Service England (NHS), Claire Murdoch, fordert die Verpflichtung der Wett- und Glücksspielanbieter, für die Therapien von Problemspielern finanziell aufzukommen. Dies berichtete The Guardian [Seite auf Englisch] am heutigen Mittwoch.

Claire Murdoch
Claire Murdoch vom NHS fordert obligatorische Abgaben für Glücksspiel-Anbieter zur Behandlung von Spielsucht. (Bild: youtube.com)

Murdoch erklärt, die Glücksspiel-Unternehmen hätten während der COVID-19-Pandemie hohe Profite auf Kosten der Gesundheit der Menschen generieren können.

Der NHS müsse nun die Scherben aufsammeln. Seit April letzten Jahres seien 750 Personen zur Behandlung schwerer Spielsucht in die Fachkliniken eingewiesen worden.

Die Kapazitäten der Kliniken reichten bei Weitem nicht aus. Die genannten Zahlen seien nur „die Spitze des Eisbergs“, sagt Murdoch. Daher plane der NHS die Errichtung weiterer Kliniken zur Behandlung von Spielsucht.

Murdoch führt aus:

Während dieses einen Jahres, in dem sich der NHS mit Covid-19 als bislang größte Herausforderung auseinandersetzt, haben die Psychologen und Krankenschwestern des Gesundheitswesens Hunderte von Menschen mit schwerer Spielsucht behandelt.

Spielsucht: Mehr Verantwortung seitens der Glücksspiel-Unternehmen?

Die Nation habe sich im letzten Jahr bei der Bekämpfung von COVID-19 zusammengeschlossen und den NHS unterstützt. Nun müssten sich auch die Buchmacher verstärkt engagieren und einer obligatorischen Abgabe für die Behandlung von Spielsucht zustimmen, sagt Murdoch.

Glücksspiel-Anbieter leisten freiwillige Abgaben

Die Unternehmen sowie der Handelsverband, der Betting and Gaming Council (BGC), sind sich darüber einig, dass die Branche ihren Beitrag leisten müsse. Derzeit geschieht dies auf freiwilliger Basis.

Im Zeitraum zwischen 2019 und 2023 soll der Betrag für die Finanzierung der Suchttherapien auf 100 Mio. GBP erhöht werden. Allerdings überträfen die Behandlungskosten diesen Betrag bei Weitem, erklärt Murdoch.

Claire Murdoch vom NHS ist jedoch nicht die Einzige, die sich für eine obligatorische Abgabe einsetzt. Auch die britische Glücksspielkommission UK Gambling Commission (UKGC) sowie die Wohltätigkeitsorganisation BeGambleAware unterstützen diese Forderung.

Die im Dezember letzten Jahres eingeleitete Überprüfung der Glücksspielgesetze durch die Regierung könnte ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Tatsächlich ist dieser Punkt auch auf der Liste der zu überprüfenden Aspekte aufgeführt.

Dieser sei laut The Guardian allerdings kaum an die Öffentlichkeit gelangt, da Themen wie ein Werbeverbot und die Geschwindigkeit der Spielrunden die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten. Es könnte demnach sein, dass Murdochs Forderung umgesetzt wird.