Cannabis in der Spielhalle: 45-Jähriger steht vor Gericht

Veröffentlicht am: 12. Juni 2020, 12:14 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. Juni 2020, 12:14 Uhr.

Vor dem Amtsgericht in Aschersleben musste sich am Mittwoch ein 45-Jähriger Mann wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Wie die Volkstimme berichtet, habe der Mazedonier albanischer Abstammung als Kontaktmann zwischen der albanischen Drogenmafia und den Besitzern einer Spielhalle im sachsen-anhaltinischen Staßfurt fungiert.

Stadtansicht von Staßfurt
In Staßfurt fand am Mittwoch der Prozess gegen einen Mazedonier statt. (Blick auf die Bodebrücke by Wossi1991, licensed under CC BY-SA 3.0)

Im Februar dieses Jahres hatten Beamte bei einer Durchsuchung der Spielothek mehr als 2000 Cannabis-Pflanzen gefunden. Die Razzia sei Teil einer großangelegten Ermittlung gegen das organisierte Verbrechen in Europa gewesen.

Spielhalle wird zum Drogenversteck

Vor Gericht räumte der Angeklagte seine Tat ein. Der vorstrafenlose Mann sei vor über 25 Jahren nach Berlin gekommen und habe dort unter anderem im Baugewerbe gearbeitet. Nach einer Erkrankung habe er die körperliche Arbeit nicht länger ausüben können und sei deshalb Übersetzer geworden.

In seiner Funktion habe er auch Übersetzungen für albanische Geschäftsmänner übernommen, die sich als illegale Gruppierung entpuppt hätten. Sie hätten den Familienvater nach einer wichtigen Verhandlung wegen einer angeblichen Falschübersetzung bedroht und um 25.000 Euro erpresst.

Auch eine Ermittlung der italienischen Behörden im Glücksspiel-Milieu führte im Jahre 2018 nach Albanien. Die Carabinieri waren europaweit gegen einen illegalen Glücksspiel-Ring vorgegangen und hatten dabei hohe Geld- und Sachwerte in dem Land sichergestellt.

Nachdem der Mann erfahren habe, dass die Organisation ein Drogenlager benötigte, habe er zwei bekannte Spielhallenbetreiber in Staßfurt kontaktiert. Die Mafia sei im Falle einer erfolgreichen Vermittlung bereit gewesen, dem 45-Jährigen seine Schulden zu erlassen.

Seit 2019 sei in der Spielhalle schließlich eine Plantage mit 2158 Pflanzen entstanden, deren Marktwert sich im ausgewachsenen Zustand auf 200.000 bis 400.000 Euro belaufen habe.

Nur ein kleines Rädchen im Getriebe?

Laut dem Anwalt des Mazedoniers habe dieser nur Handlangertätigkeiten auf der neuentstandenen Drogenplantage übernommen:

Er half beim Entladen des Materials, besorgte einige Dinge im Baumarkt und holte Lebensmittel für die Albaner, die auf der Plantage beschäftigt waren.

Richter Robert Schröter glaubte an die unfreiwillige Beteiligung des Mannes und verhängte eine dreijährige Bewährungsstrafe. Der Prozess gegen die Betreiber der Spielhalle steht noch aus. 25 Mitglieder der albanischen Mafia seien nach Belgien ausgeliefert worden und warteten dort auf ihren Prozess.