Macau: Glücksspiel-Einnahmen sinken um 8,6 Prozent

Veröffentlicht am: 2. September 2019, 12:01 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. September 2019, 12:41 Uhr.

Die Glücksspiel-Einnahmen sind in Macau im August um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Umsatzeinbrüche werden auf die geringere Nachfrage von Seiten der High Roller infolge des Handelsstreits zwischen China und den USA sowie der gegenwärtigen Proteste in Hongkong zurückgeführt.

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Die Glücksspiel-Erträge gingen in Macau im August massiv zurück. (Bild: Pixabay/by falco)

Nach Angaben der Gaming Inspection and Coordination lagen die Glücksspiel-Erträge im August bei 24,3 Mrd. Patacas (ca. 2,73 Mrd. EUR). Im August 2018 hatten die Bruttoerträge noch rund 26,6 Mrd. Patacas (ca. 3 Mrd. EUR) betragen. Der Rückgang beläuft sich damit auf 8,6 Prozent. Nachdem schon im Vormonat ein Rückgang der Erträge um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erfolgt war, hatten Analysten weitere Einbrüche erwartet. Allerdings ging man hierbei von -2 bis -6 Prozent aus.

Glücksspiel-Bruttoerträge in Macau 2019

Januar 2019: 24,9 Mrd. MOP (ca. 2,79 Mrd. EUR)
Februar 2019: 25,4 Mrd. MOP (ca. 2,85 Mrd. EUR)
März 2019: 25,8 Mrd. MOP (ca. 2,90 Mrd. EUR)
April 2019: 23,6 Mrd. MOP (ca. 2,65 Mrd. EUR)
Mai 2019: 26,0 Mrd. MOP (ca. 2,92 Mrd. EUR)
Juni 2019: 23,8 Mrd. MOP (ca. 2,67 Mrd. EUR)
Juli 2019: 24,5 Mrd. MOP (ca. 2,75 Mrd. EUR)
August 2019: 24,3 Mrd. MOP (ca. 2,73 Mrd. EUR)

Infolge der Ankündigung brachen auch die Aktienkurse der größten, in Hongkong notierten Glücksspielunternehmen ein. Die Aktien von Sands China, Wynn Macau, SJM Holdings und MGM China fielen, wie Reuters heute berichtete, zwischen 1,5 und 2,7 Prozent.

Proteste in Hongkong als Grund für die sinkenden Einnahmen?

Als einer der Gründe für den Rückgang der Glücksspielumsätze werden von den Medien die anhaltenden Proteste in Hongkong genannt. Seit nunmehr drei Monaten kommt es hier infolge des Entwurfs für ein „Gesetz über flüchtige Straftäter und Rechtshilfe in Strafsachen“ zu Massendemonstrationen.

Der Gesetzesentwurf würde es den Behörden der Sonderverwaltungszone Hongkong ermöglichen, Personen an die Volksrepublik auszuliefern, die von der chinesischen Justiz als verdächtig eingestuft werden. Die Einwohner Hongkongs befürchten, dass die chinesische Regierung hierdurch mehr Einfluss in Hongkong gewinnen und ihre Freiheitsrechte beschneiden könnte.

Der Flughafen in Hongkong war infolge der Massendemonstrationen einige Tage geschlossen, wodurch auch Flugreisen von Hongkong nach Macau beeinträchtig waren. Gleichwohl gingen Analysten von J.P.Morgan [Seite auf Englisch] noch im vergangenen Monat davon aus, dass die Auswirkungen auf die Casinos in Macau hierdurch nur gering seien.

J.P.Morgan erklärte Anfang August in einer Mitteilung:

„Ungefähr 60 Prozent aller Besucher kommen über das benachbarte Zhuhai (z. B. Gongbei-Tor, Lotusbrücke) nach Macau, während Fährreisende aus Hongkong und Shenzhen 17 Prozent ausmachen, gefolgt von jenen, die über die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke (etwa 15 Prozent der Besucher) und den Flughafen von Macau (9 Prozent) anreisen.“

Handelsstreit und Wirtschaftsschwäche

Als bedeutender wird der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China angesehen sowie die schwächelnde chinesische Wirtschaft.

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Als möglicher Grund für die fernbleibenden High Roller wird die Wirtschaftsschwäche Chinas angeführt. (Bild: Pixabay/by life pan)

Erst in der vergangenen Woche gab Präsident Donald Trump bekannt, dass zeitnah ein Treffen mit China geplant sei, um die Handelssituation zu besprechen. Jedoch traten erst heute neue Zölle in Kraft.

Die USA-Behörden verhängten Abgaben in Höhe von 15 Prozent auf Importwaren aus China, darunter Sportartikel, Windeln und Fernseher. China reagierte mit Gegenzöllen in Höhe von fünf sowie zehn Prozent auf US-amerikanische Importwaren, wie Kleidung und Chemikalien, aber auch Nahrungsmittelprodukte wie Fleisch, Gemüse, Obst und Meeresfrüchte.

Analysten von Macquarie Capital allerdings zweifeln an der Theorie, dass der Handelsstreit mit den USA Ursache für das Fernbleiben der High Roller sei. Nach der Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Ländern im Mai seien die Bruttoeinnahmen aus dem Glücksspiel in Macau erstaunlich stabil geblieben. Mehr Einfluss, so die Experten, habe die derzeit schwächelnde Wirtschaft auf dem chinesischen Festland, die VIPs davon abhalte, ihr Geld in Macau einzusetzen.

Ob Macaus Glücksspielunternehmen im nächsten Monat weiterhin starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben, wird dementsprechend nicht nur von der Entwicklung des Handelskonfliktes und der Proteste in Hongkong, sondern entscheidend von der Wirtschaftsentwicklung Chinas abhängen.