Kritik an Glücksspiel­werbung in britischer EM-Bericht­erstattung

Veröffentlicht am: 14. Juni 2021, 12:49 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. Juni 2021, 01:36 Uhr.

Wenige Tage nach Beginn der Fußball-Europameisterschaft nimmt in Großbritannien die Kritik an der Glücksspielwerbung massiv zu. Im Zentrum des Streits stehen TV-Experten, die für Sportwettenanbieter in Werbe-Clips auftreten sowie die Umgehung des Glücksspielwerbeverzichts beim übertragenden TV-Sender ITV.

Sky Bet Road to Wembley Werbung
Zwei Ex-Profis sind Hauptdarsteller der umstrittenen Kampagne. (Bild: Sky Bet)

Auslöser der von Spielerschutzvertretern geäußerten Kritik ist eine Serie von Werbespots des Buchmachers Sky Bet, die zum EM-Auftakt online gegangen sind. Protagonisten sind die beiden ehemaligen Fußballprofis Roy Keane und Micah Richards, die zur EM als TV-Experten bei den Sendern BBC und ITV engagiert sind.

Die beiden Ex-Profis sind in fünf Werbespots präsent, in denen sie unter dem Logo des Wettanbieters über die EM und Englands Chancen bei dem Turnier sprechen und dabei die Ironie nicht zu kurz kommen lassen. Begleitet werden die Filme von Angeboten für kostenlose Wetten und Teilnahmen im Online-Casino des zum Glücksspielkonzern Flutter Entertainment gehörenden Anbieters. Die Clips stoßen auf große Resonanz. So wurden die nur online ausgestrahlten Spots allein auf den Facebook- und Twitter-Seiten von Sky Bet bereits über sechs Millionen Mal aufgerufen.

Neben Sky Bet richtet sich der Unmut der Spielerschützer gegen den Sender ITV, der die EM-Matches im öffentlichen Fernsehen überträgt. ITV, so der Vorwurf, würde den freiwilligen Werbeverzicht der Glücksspielbranche unterlaufen. Diese hätte vereinbart, tagsüber vor und während der Spiele keine Werbung zu schalten.

Verstoß gegen freiwilligen Werbeverzicht

Britischen Medienberichten zufolge zeige der Sender jedoch parallel zum Match auf seinen Onlinekanälen Ausschnitte und Highlights der jeweiligen Partie. Die Clips seien flankiert von Glücksspielanbieterlogos. Dies konterkariere den Verzicht nach Ansicht der Kritiker.

Zugleich wenden Spielerschützer ein, dass Anbieter und Sender mit der Werbung auf den Social-Media-Kanälen insbesondere auf Jüngere abzielten. Es sei bekannt, dass der Einsatz von berühmten Persönlichkeiten in witzig gestalteten Anzeigen gerade bei Jugendlichen Wirkung zeige.

Clean-up-Gambling-Gründer Matt Zarb-Cousin sagte dazu:

Es besteht eine sehr gute Chance, dass unter 18-Jährige durch diese viralen Videos Glücksspielmarken ausgesetzt werden. Kinder werden mit diesen Experten vertraut sein und so wird das Glücksspiel für eine jüngere Generation normalisiert.

Er fügte hinzu, dass die EM eine hervorragende Gelegenheit für die Branche sei, ihr über die Wetten hinausgehendes Angebot einer jüngeren Generation zu präsentieren. Im Vergleich zu Sportwetten seien die in das Angebot der Buchmacher integrierten Online-Casinos sehr viel lukrativer. Damit steige für Spieler die Gefahr hoher Verluste.

Carolyn Harris von der All-Party Group on Gambling-related Harm (APPG) warf ITV deshalb vor, durch Schaltung der Online-Werbung die Spielsucht zu fördern. Zugleich forderte sie die werbenden Prominenten zum Nachdenken auf. Sie sei sicher, dass sich die Ex-Stars von der Werbung abwendeten, wenn sie sich mit Betroffenen über deren Spielsucht unterhalten würden.