Fortnite: Kreiert, um süchtig zu machen? Antrag auf Sammelklage in Kanada eingereicht

Veröffentlicht am: 7. Oktober 2019, 01:28 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 7. Oktober 2019, 01:28 Uhr.

Am Donnerstag stellte die Anwaltskanzlei Calex Legal Inc. im kanadischen Montréal beim Obersten Gerichtshof einen Antrag auf eine Sammelklage gegen den amerikanischen Spielentwickler Epic Games.

Fortnite Spiel Screenshot
Entwickler von Fortnite beschuldigt, das Spiel bewusst süchtig machend zu kreieren (Bild: Flickr/Bago Games)

Die Kanzlei handelt im Auftrag zweier Familien, deren Kinder im Alter von 10 und 15 in eine Abhängigkeit des weltweit berühmten Videospiels Fortnite geraten zu sein scheinen. In der Klage heißt es, Epic Games habe das Spiel bewusst so kreiert, dass es schnell süchtig mache und diesbezüglich keinerlei Warnhinweise an Spieler gegeben.

Das milliardenschwere Gratis-Spiel

Fortnite zählt weltweit zu den bekanntesten und meist gespielten Videogames unserer Zeit und wird sowohl von Gelegenheitsspielern zu Hause als auch im kompetitiven Rahmen bei eSports-Events gespielt.

Für die Herausgeber Epic Games entwickelte sich das Spiel, welches erstmals im Juli 2017 erschien, innerhalb kürzester Zeit zu einer der Haupteinnahmequellen des Unternehmens. Dieser Erfolg könnte jetzt jedoch im Rahmen einer geplanten Sammelklage ins Wanken geraten.

Wie die kanadische Zeitung La Presse [Seite auf Französisch] am Freitag berichtete, habe die Anwaltskanzlei Calex Legal Inc. aus Montréal einen Antrag beim Obersten Gerichtshof für eine Sammelklage gegen die Entwickler gestellt.

Die mit dem Fall beauftragten Anwälte Jean-Philippe Caron und Alessandra Esposito Chartrand seien im Vorfeld von zwei verschiedenen Familien kontaktiert worden, deren Kinder eine starke Abhängigkeit vom Spiel Fortnite entwickelt hätten.

Fortnite ist ein sogenanntes Koop-Survival-Spiel, bei welchem Spieler auf einer Insel gegen mehr als 100 weitere Spieler um das virtuelle Überleben ihres Spielcharakters kämpfen. Für die Kämpfe stehen zahlreiche virtuelle Waffen und andere Ausrüstung zur Verfügung und der jeweils letzte Überlebende eines „Battles“ gewinnt die Partie.

Das Spiel kann in vielen Ländern gratis heruntergeladen werden und theoretisch auf beliebige Zeit umsonst gespielt werden. Tatsächlich jedoch lebt das Spiel jedoch von den unzähligen In-Game-Käufen, die Spieler tätigen, um ihrem Spielcharakter Vorteile zu verschaffen und mehr Spielfeatures nutzen zu können.

Laut der letzten offiziellen Zählung im März 2019 hätten gut 250 Mio. Personen weltweit das Spiel seit seiner Herausgabe heruntergeladen. Davon seien 78,3 Mio. Spieler regelmäßig aktiv, nur wenige davon spielten gratis.

Kinder vom Spiel konsumiert

Sowohl die betroffenen Kinder als auch deren Eltern blieben gegenüber der Presse anonym. Eines der Kinder sei erst 10 Jahre alt und habe innerhalb eines Jahres 600 Dollar aus angesparten Taschengeldern und Geschenken der Familie für diverse Extras innerhalb des Spieles ausgegeben.

Fortnight Battle Royale Screenshot
Die Kinder spielten täglich mehrere Stunden (Bild: Flickr/BagoGames)

Insgesamt habe das Kind 1.891 Partien [eine Partie entspricht einem virtuellen Kampf] gespielt. Die Eltern hätten beklagt, dass ihr Kind aufgrund des Spielens frustriert und aggressiv geworden sei und begonnen habe, vulgäre Ausdrucksweisen zu verwenden.

Das andere Kind, welches 15 Jahre alt sei, habe innerhalb eines Jahres ganze 7.781 Partien Fortnite gespielt. Seine Ess- und Schlafgewohnheiten sowie seine sozialen Kontakte seien davon stark beeinträchtigt worden.

Beide Elternpaare seien sich einig, dass die Schuld bei den Spielentwicklern liege. Diese hätten zu keiner Zeit eine Warnung über das Suchtpotential des Spieles ausgesprochen.

Die Anwaltskanzlei scheint das Anliegen der Eltern sehr ernst zu nehmen. Im Entwurf zur Klage heißt es:

Die Abhängigkeit von dem Spiel Fortnite hat reale Auswirkungen auf das Leben der Spieler, von welchen viele derart Probleme entwickelt haben, dass sie beispielsweise nicht mehr essen, duschen oder an sozialen Aktivitäten teilnehmen. Außerdem haben in der ganzen Welt bereits Suchtkliniken geöffnet, die sich spezifisch mit einer Abhängigkeit von Fortnite beschäftigen, vor allem in Quebec und Kanada.

Suchtpotential bewusst maximiert?

Laut der Klageschrift sei Fortnite bewusst so designt worden, dass es süchtig machende Aspekte beinhalte. Demnach hätten angeblich Psychologen mit dem Entwicklerteam zusammengearbeitet, um entsprechende Elemente in das Spiel einzubauen.

Sie hätten den Entwicklern aufgrund ihrer Expertise Einsicht darüber geben können, welche Faktoren innerhalb eines Spieles die Emotionen und Entscheidungen der Spieler besonders beeinflussen könnten.

Dazu zählten beispielsweise zahlreiche Belohnungsmechanismen innerhalb des Spiels, welche die Spieler zum Weiterspielen und zum Investieren von echtem Geld anregen sollen.

Angeblich verwende Epic Games für sein Spiel eine Software mit künstlicher Intelligenz, welche Spieler mit auffälligem Spielverhalten identifizieren könne. Da das Unternehmen nicht auf die Gefahren des Spiels hinweise, verstoße es gegen Artikel 1.457 und 1.469 des Gesetzbuches zum Zivilrecht (Code civil).

Epic Games hat sich laut den Medienberichten bisher nicht zu der anstehenden Klage geäußert. Auch sei noch nicht klar, ob das Gericht diese überhaupt annehme. Die Entscheidung des Richters könnte im längsten Fall bis zu ein Jahr in Anspruch nehmen.